1983 Pakistan – Indien

India Travel route 1983
Reiseroute Indien 1983

Pakistan
Unvergesslich die Ankunft in Karachi bei Dunkelheit, erstmals in Asien!
Moscheen, Männer in wallenden Gewänder, Palmen, … wir waren Exoten, zogen alle Blicke auf uns.

Nach Indien einzureisen stellte unsere erste Herausforderung dar. Der Weg führte über Lahore, das gemäss Reiseführer der gefährlichste Ort war auf dem Landweg von Europa nach Indien. Joschi wurde krank und musste zum Arzt.
Er fühlte sich bereits während der Zugfahrt krank und schwach. Der Hotelboss entschied, mit uns zum Arzt zu fahren. Der Arzt meinte, typisch Typhus. Wir sagten, wir seien geimpft. Dann sei es typisch Malaria. Doch wir nahmen die Prophylaxe. Dann sei es Cholera. Doch auch dagegen waren wir geimpft. Da meinte er, typisch die Klimaveränderung und ungewohntes Essen.
Als Joschi die Glasspritze mit verbogener Nadel sah, musste er sich gleich übergeben. Er erhielt je 3 verschiedene Pillen, die in Papier eingewickelt wurden.

Kaum zurück im Hotel, folgte die nächste Aufregung: 2/3 von Joschis Cheques waren weg! 3’000 $. Um den Diebstahl zu melden, musste ich mit dem Boss alleine in die Stadt fahren. Ich sagte ihm, dass ich Angst habe. Er lachte mich aus und versprach, dass wir in einer halben Stunde zurück seien. Wir nahmen ein Taxi, das in einer Seitenstrasse hielt. Wir begaben uns zu einem alten Mann, der unter einem Baum sass hinter einem Museumsstück von Schreibmaschine. Ich durfte mich setzen, während der Hotelboss dem Mann die Details des Diebstahls diktierte.
Mit dem Dokument gingen wir durch mehrere Gassen zu einem grossen Platz, wo mehrere Männer sassen mit Schreibmaschinen und Stempeln. Der Boss liess den Bericht abstempeln und bezahlte.
Auf dem Rückweg bog er in einen dunklen Raum ein, wo sich einige Männer befanden. Wir tranken mit ihnen Tee und gingen weiter zum Telegrafenamt. Das Formular «Ausland-Telegramm» füllte er mit einem Holzstäbchen aus, das er zuvor in schwarze Tinte tauchte.

 

Indien
Überraschend war das Fehlen ausländischer Produkte. Es gab weder Coke noch MacDonalds, keine importieren Autos und Motorräder.

Viele Materialien waren rezyklierbar. Die Einwegtontassen aus Ton für den Tee wurden genauso auf der Strasse entsorgt oder aus dem Zugfenster geworfen wie die Teller aus Blättern und die Bananenschalen. Die Kühe dankten es. Mir fiel diese Art Entsorgung schwer – man wirft doch nichts auf den Boden oder aus dem Fenster!

Es gab keine Plastiktüten. Ich hatte welche dabei und flickte sie immer wieder mit Tesa – sie waren mir so wertvoll!

Stromausfälle gehörten zum Alltag. Ohne Strom keinen Fan!

Das Essen war sehr einseitig: Linsen, Reis, Chicken (mehr Knochen als Fleisch), Gemüse, meist scharf. So assen wir wenig, eher lustlos. Zum Glück gab es Biskuits, Bananen, Äpfel und manchmal sogar Schokolade.

Street kitchen in Amritsar, India 1983
Strassenküche in Indien 1983

Die Züge mit Dampfloks waren überfüllt, schmutzig und langsam.
Im Bus fanden wir immer einen Sitzplatz, standen aber oft Todesängste aus. Nur ein mittlerer Streifen war geteert. Bei Gegenverkehr wollte keiner diesen verlassen und hielt die Spur bis zum Beinahe-Crash. Auf den sandigen Seitenstreifen gingen Menschen zu Fuss und mit Fahrrädern, Kühe, Ochsenkarren, Schafe, usw. Ein Wunder, erreichte man das Ziel unfallfrei. Selten jedoch ohne Panne.

Medicine man in India with snakes
Indischer Medizinmann mit Heilsäften von Schlangen, Echsen, usw.

Einen Eindruck von medizinischer Versorgung erhielten wir in Lahore. In Indien sahen wir einen «Medizinmann», der tote Tiere wie Schlangen und Echsen «einlegte», die Flüssigkeit in Fläschchen abfüllte und an Passanten verkaufte.

Der Tod als Teil des Lebens ist überall präsent. Leichen werden in Tücher eingewickelt zum Verbrennungsort gebracht. Mal aufs Autodach gebunden, mal singend durch die Gassen getragen.
Tote Tiere liegen auf der Strasse.

Für die Inder waren wir oft eine Sensation. Wir wurden angestarrt, Kinder wollten Hände schütteln, fotografiert werden. Ich meine, wir kauften uns mal eine Zweitkamera, in die wir keinen Film einlegten. So konnten wir diese sparen, ohne unfreundlich zu sein. Wir winkten immer zurück, ob hoch ober von der Rikscha, aus dem Zug oder Bus.

In Bombay entdeckten wir sogar ein öffentliches Telefon! Hinter dem vergitterten Schalter sass ein Mann mit Telefon, ein zweites war von aussen erreichbar. Der Preis war 50 Paise pro Gespräch, das nicht länger als drei Minuten dauern sollte.

Public telephone in Bombay 1983
Bediente Telefonkabine in Bombay

In Jaipur konnten wir einen Zahnarzt in Action beobachten. Seine primitiven Geräte hatte er auf dem Trottoir auf einem Tuch ausgebreitet. Seinem Patienten, welcher auf dem Boden kniete, verpasste er eine Spritze. Dann nahm er die Zange und riss wie ein Verrückter. Der Patient war sehr unruhig. Als der Zahn draussen war, bekam er immerhin Wasser zum Spülen.

Dentist on the foot-walk in Jaipur
Zahnarztpraxis auf dem Trottoir in Jaipur

Toiletten sind ein spezielles Thema. Oft überwindete ich mich erst beim zweiten oder dritten Versuch. Es blieb nichts anderes übrig. Als während einem Bus-Stopp auch die Inderinnen auf die Wiese ausströmten wurde mir klar, warum die Punjabi-Hose im Schritt nicht zugenäht ist. Auf einem anderen Halt sah die Toilette aus wie ein Stall aus: Mit etwa ein Meter hohen Holzwändchen abgetrennte Boxen, der Boden mit Stroh bedeckt.

Als wir mal im Taxi-Scooter in New Delhi unterwegs waren, wurde der Verkehr plötzlich gestoppt. Unser Fahrer stieg aufs Dach und war ganz ausser sich, als der Präsident mit seinem Konvoi vor uns passierte. Er zeigte uns stolz „seinen“ Präsidenten.
Als der Dalai Lama in Indien weilte fanden immer wieder Demos von Tibetern statt. Für die Demo der Sikhs hatte man wenig Verständnis, da ja in Indien Religionsfreiheit herrsche und alle gleiche Rechte haben.

 

Zurück in Karachi

Am Tag der Weiterreise nach Thailand wollten wir noch Teppiche kaufen und nach Hause senden:
Das war einer der schlimmsten Tage bis dahin überhaupt. Checks wurden in den Shops nicht akzeptiert, die eine Bank schickte uns zur nächsten, letztlich mussten wir zum Flughafen hinausfahren, um Cash zu kriegen.
Am Postschalter galten die Auskünfte vom Vortag plötzlich nicht mehr. Die Ware muss doch eingenäht sein. Nach weiterem Hin und Her fanden wir vor der Post Männer, die Pakete nähen.
Derweil wollten wir mit dem Ausfüllen der Zollpapiere beginnen. Am Schalter erhielten wir die nächste Hiobsbotschaft: Es ist verboten, Teppiche auszuführen. Zudem ist der Wert pro Paket auf 200 Rp beschränkt. Wir wandten uns an den Chefzöllner. Von ihm erhielten wir die gleiche Auskunft. Das Prozedere zum Einholen einer Ausfuhrbewilligung war zeitlich nicht zu schaffen. Nach langer Diskussion lösten wir das Problem mit Bakschisch, damit der Mann die Pakete durch die Kontrolle lässt. Ich zweifelte, ob das wirklich klappen würde, doch unser pakistanischer Begleiter meinte, wegen zwei Teppichen wird sich der Mann kaum vom Hocker erheben. Der kassiert sehr viel mehr Bakschisch fürs Passieren lassen von Drogen u.ä.

Parcel of cotton from Karachi
Baumwollhülle des Paketes aus Pakistan
Parcel for carpet in cotton
Baumwollhülle als Verpackung für den Teppich

 

Wer es ganz genau wissen möchte: