2021 Baltikum

Regensburg 8. bis 15. Juli

Nach Bayern zog mich das jährliche Familientreffen bei Regensburg. An zwei Tagen erkundeten wir die Stadt, welche mich immer wieder fasziniert mit ihren wunderschönen Plätzen und Parks, der Donau mit der steinernen Brücke, das Schloss von Thurn und Taxis, die lauschigen Biergärten, der Dom, die engen Gässchen in der Altstadt, die kleinen Läden mit erlesenen Produkten, die historische Wurstküche, …. Regensburg ist eine Reise wert!

Nachdem meine Familie zurück in die Schweiz abgereist war, verwöhnte mich meine Schwägerin noch ein paar Tage lang. So blieb auch Zeit zum Besuch unserer Lieblingsorte: Der Nepal-Tempel und die Walhalla.

Die Walhalla wurde am 18.10.1842 nach 12-jähriger Bauzeit von König Ludwig I persönlich feierlich eröffnet. Er liess die Ruhm- und Ehrenhalle von einem der bedeutendsten Architekten des Klassizismus bauen, von Leo von Klenze.

Heute wird in dem Ehrentempel die deutsche und europäische Geschichte mit 130 Marmorbüsten und 65 Gedenktafeln eindrucksvoll widergespiegelt. Diese Ehre wurde all den großen Berühmtheiten jedoch frühestens 20 Jahre nach deren Tod zu Teil.

Berlin 15. bis 18. Juli

Mit dem Flixbus erreichte ich nach sieben Stunden Fahrt Berlin, inkl. City-Tours in Weiden, Selb und Hof. Gleich nach dem Einchecken um 21 Uhr machte ich mich auf die erste Erkundigungstour: Potsdamerplatz – Holocaust Mahnmal – Brandenburger Tor – Reichstag und zurück auf Umweg!

Es war ein traumhafter Sommerabend. Für mich befremdend wie ruhig die Stadt war und über weite Strecken menschenleer. Im Sony Center waren einige Restaurants offen, doch ich wollte nicht drinnen sitzen und ging hungrig weiter, vorbei am Holocaust Mahnmal und Brandenburger Tor bis zum Reichstagsgebäude, das einsam und verlassen im Glanz von Scheinwerfern erstrahlte. Ich war berührt vom Blick auf die noch schmale Mondsichel am rot gefärbten Himmel. Eine wunderschöne Atmosphäre.

Holocaust Mahnmal

Beim Reichstagsgebäude sassen viele Menschen auf den Stufen zur Spree und verfolgten eine Film-, Licht- und Tonprojektion an der Fassade des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses: «Die Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland und des Reichstagsgebäudes.» Infos: https://www.bundestag.de/grossbildprojektion

Ich muss ergriffen gewesen sein, denn ich bog nach dem Potsdamer Platz falsch ab in die Tiergartenstrasse. Dunkel und leer. Das war selbst mir nicht geheuer. Ich ging lange auf dem Fahrradweg. Irgendwann erkannte ich in der Ferne eine menschliche Gestalt. Eine Polizistin, welche die türkische Botschaft bewachte und mir sagte, dass ich zurück gehen müsse. Eine kleine Abkürzung gab es, durch das Botschaften-Quartier, das ebenso verlassen war. Dann entlang dem romantischen Schöneberger Uferweg – nicht was ich um diese Zeit suchte. Doch gegen Mitternacht kam ich doch noch im Hotel an. Zum Glück hatte ich noch Schokolade und Biskuits im Gepäck.

Sony Center

Am Freitag ging ich erst zum Covid-Test, der für die Einreise nach Polen verlangt wird. An fast jedem Eck gibt es Test-Centren, ohne Termin und gratis. Negativ! Dann machte mich auf Sightseeing-Tour via den Gendarmenmarkt zum Dom. Als ich 2011 hier war, stand die Humboldt-Box auf der grünen Wiese, nun ist der Bau des Neuen Schlosses fast vollendet. Hinter dem Dom entschied ich mich spontan für eine Spree-Fahrt und durfte dank dem Covid-Test an Bord: GGG. Nur wenige Passagiere getrauten sich nach dem kurzen Regenschauer aufs offene Deck, und so trank ich mal einen Aperol Spritz am Bug eines Schiffes. In der Nähe des Alexanderplatzes genoss ich ein vietnamesisches Znacht, auf Empfehlung einer Freundin. Danke.

Gendarmenmarkt
Angela Merkels Büro im mittleren Gebäude
Ein Wohnzimmer an der Spree

Am Samstag kaufte ich eine 24-Stunden-ÖV-Karte für € 8.80, fuhr per U-Bahn zur Gedenkkirche am Kurfürstendamm, nahm den 100er Bus, der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten passiert. Hackerscher Markt, mit der Bahn zur East Side Galery, die ich damals nicht fand, da ich mir diese ganz anders vorstellte. Am meisten beeindruckt hat mich die Erkenntnis, dass ich zur Zeit des Mauerbaus bereits auf der Welt war, während die meisten Besucher*innen nach dem Abbruch der Mauer geboren wurden. Wie sagte mal ein Freund: Wir sind nicht alt, wir sind Zeitzeugen!

Warschau 18.-20. Juli

In Warschau kam ich mit dem Flixbus am Busbahnhof beim Bahnhof Dw Zachodni an. Von dort Busse ins Centrum: 517, 158 und 127. Ich konnte nicht warten …. nach einer Stunde Marsch fand ich das Appartement auf Anhieb und checkte ein. Nicht Glück, dass ich es fand, aber dass ich überhaupt eines hatte! Denn ca. 30 Minuten vor Ankunft des Busses wunderte ich mich, dass ich keine Zugangs-Infos erhielt von Booking.com. Ich las nach und erschrak. Statt vom 18.-20. buchte ich vom 20.-22. Zum Glück hatte ich WiFi im Bus und der Kontakt via WhatsApp funktionierte sofort. Ich erhielt umgehend eine Zusage für die Umbuchung. Uff. Dafür klappte es mit den Codes beim ersten Versuch. Letztes Jahr dauerten unsere Bemühungen ca. eine Stunde lang. Glück und Pech gleichen sich immer wieder aus!

Warschau ist dieses Mal nur Zwischenstation für zwei Nächte, also am Montag gleich die Weiterreise organisieren. Die Tourist Info im Kulturpalast kannte ich ja schon, die Dame war mega nett und gab mir viele wichtige Infos. Der erste Versuch des Covid-Tests scheiterte an der Online-Anmeldung, wie schon unzählige für die Registrierung für die Einreise nach Litauen. Viele Versuche später übernahm der äusserst nette Bus-Ticket-Verkäufer an seinem Computer. Zum Glück machte ich Screen-Shots aller meiner Einträge, die ich dann nicht senden konnte, so konnte er einfach abschreiben. Auch er erhielt nicht auf Anhieb einen QR-Code und holte Hilfe. Der Knackpunkt: Die Schweizer ID-Nr. passt nicht, die CH-Passnummer hat eine Ziffer weniger als andere Pässe. Wenn eine Angabe nicht stimmt, geht einfach gar nichts. Zum Glück hatte ich auf dem Handy ein Foto des Passes. Der lag nämlich im Appartement. Ein noch grösseres Glück: Der kluge Mann fotografierte mit meinem Handy gleich den QR-Code auf seinem Bildschirm. Per SMS habe ich ihn nie erhalten!
Dann zeigte er mir auch die Covid-Test-Station beim Busbahnhof. 200 Slotys (knapp Fr. 50.-, doppelt so viel wie die elfstündige Busfahrt!), in der Stadt mit Online-Anmeldung wären 120 fällig gewesen (Registration für Corona-Test: www.warszawa.d-lab.pl). Hauptsache negativ und …. die Dame druckte mir das Resultat auf Papier aus!! Per E-Mail kam er bis heute nicht an!

Covid-Test in Warschau. Diese Bilder mögen bald Vergangenheit sein und vergessen.
Jeder meiner Antigen-Schnelltests lief anders ab.


Die Dokumente wurden tatsächlich kontrolliert, von der Bus-Hostess. Viele Mitreisende hatten keinen QR-Code, aber die pflichtbewusste Schweizerin! Wobei die Dame bloss einen Blick drauf warf. Ob das Foto vom Bildschirm scannbar gewesen wäre? Die Dame half jenen geduldig, die noch keine Registrierung hatten. Waren die Papiere in Ordnung, gab sie das Bus-Ticket zurück und ich musste unterschreiben. Wofür weiss ich nicht. Dummerweise bemerkte ich nicht, dass sie mir kein Ticket aushändigte für den Anschluss-Bus. So musste für diesen 10 Euro bezahlen, obwohl sich die Mitfahrer nett für mich einsetzten. Die Tücken und Stolpersteine des Reisens!

Dann endlich hatte ich Zeit auf die Aussichtsterrasse des Kulturpalastes zu fahren – nach längerem Anstehen, da (offiziell) nur vier Leute in den Lift dürfen, dazu war nun einer von zweien in Betrieb. Eindrücklich, diese Stadt von oben. Wie viele Flächen unverbaut sind und wie breit die Fahrbahnen für Autos und ÖV sind. Dies merkt man beim Flanieren – endlose Strecken! Doch von oben wirkt das nochmals erstaunlicher.

Ich sah auch mein Küchenfenster, auf dem Foto rot markiert. Und der Blick von dort by night.

Doch hatte die Wohnung auch eine Rückseite, von wo sie über eine Dach-Terrasse erreichbar und einsehbar war. Die Fenster vergittert, die Türe wie im Hochsicherheitstrakt. Ich wohnte am Ende der Terrasse, hörte und sah nie einen Menschen. Einsam über den Dächern. Es fühlte sich komisch an. Beim Duschen hinter dem weissen Vorhang dachte ich an Hitchcocks Psycho. So war ich gar nicht unglücklich, dass meine zweite Nacht kurz war, ich schon um 5 Uhr aufs Tram musste zum Busbahnhof.

Nach der Organisation der Weiterreise blieben mir noch einige Stunden Zeit. Da ich mir zuvor eine 24-Stunden-ÖV-Karte-Karte für 15 Slotys, ca. CHR 4.- kaufte, fuhr ich entspannt mit U-Bahn und Bus in die Altstadt. Was für ein anderes Bild bei schönem Wetter und Touristen!

Mehr über Warschau von meiner Reise 2020: https://www.travel-memories.ch/2020-polen/

Litauen 21. Juli bis 8. August

Vilnius 21. bis 25. Juli

Warschau – Vilnius: Sehr komfortabler Bus, gute Strassen, pünktlich angekommen nach neun Stunden Fahrt.

Mein Appartement buchte ich dieses Mal zum richtigen Termin, ich checkte den mehrmals, doch dann forderte mich am Tag vor der Ankunft Booking.com auf, die Buchung zu stornieren: Hello, the flat you have just booked is fully cut off the water supply system, due to some recent rains. Please cancel your booking due to unforseen circumstances. Thank you. Um die Rückzahlung muss ich mich selber kümmern, und wie zu erwarten geht das gar nicht so einfach. Ich bin gespannt ….
Doch ich fand ein anderes Appartement, zu welchem ich mich zu Fuss auf den Weg machte mit meinen etwa 35 Kilo Gepäck – Koffer mit vier Rädern ist eine fantastische Erfindung! Sehr schwer wiegt der Rucksack, mein Büro mit Laptop.

Vor lauter Schauen, Staunen und Entdecken, verlief ich mich, fand aber mit Hilfe einer netten jungen Dame einen alternativen Weg, der kaum länger war. Die Sache mit den Codes und Lockers habe ich nun wohl im Griff, uff. Sogar die Waschmaschine konnte ich in Gang setzen.

Nach kurzer Verschnaufpause zog es mich auf Entdeckungstour. Ich bog nach meinem Zufahrtssträsschen in die andere Richtung ab als bei der Ankunft, ein paar Schritte zur Querstrasse – ich traute meinen Augen kaum! Die ganze Strasse voller Tische, Stühle und Menschen. Praktisch nur sehr junge, Vilnius ist eine Studentenstadt. Ich fühlte mich wie Altersheim im Ausgang. Zum Glück wählte ich wegen der Hitze das «kleine Schwarze» statt traveller look. Die Menschen sind so gestylt hier! Es war Dienstag und high life.


Ich musste noch Essen einkaufen. Ob die Einwohner hier kochen? Ein einziges, kleines Lebensmittelgeschäft entdeckte ich, zum Glück bloss etwa 500 m vom Appartement. Das Sortiment enttäuschte. Bediente Kasse gab es nicht. Ich wandte mich sofort an die kontrollierende Dame, denn Brötchen, noch zu wiegende Tomaten und Paprika überforderten mich. Die Dame war nett und hilfsbereit, nahm mir aber die Weinflasche weg: Kein Alkoholverkauf nach 20 Uhr! Sehr erstaunt hat mich das nicht mehr, denn dieses Jahr erst erfuhr ich, dass das Trinken von Alkohol im öffentlichen Raum verboten ist in Italien, Polen, …. und eben auch hier. Merkte ich nie, da ich diese Regel ja nicht breche.

Für den zweiten Tag stellte ich keinen Wecker, die vorherige Nacht war kurz, die Reise lang, der Tag heiss – und eine Stunde Zeitverschiebung!

Nach der Wäsche und Büroarbeiten war mein erstes Ziel das Tourist Office, wo ich ja meistens die einzige Besucherin bin. So nahm sich die Dame Zeit und ich haben nun einige Infos und eine Karte zu möglichen Reiserouten im Land.

Da ich den berühmten Turm gleich erblickte, stürmte ich auf den Hügel um die Aussicht zu geniessen. Bei einem Cappuccino plante ich den Nachhauseweg und stellte überraschend fest, dass ich ja einen Bogen lief und gar nicht zurück muss, sondern fast nur ums Eck durch die Prachtstrasse, an der ich gestern Essen kaufte. Perfekt!

Palace of the Grand Dukes
Gediminas Tower
Front des Palace of the Grand Dukes
So schön können autofreie Städte sein! Hier die Gedimino Strasse, gesäumt von Luxus-Shops. Gerade ging eine Gruppe von Hare Krishna-Anhänger*Innen vorbei, singend und trommelnd.
An der Gedimino Strasse, neben dem Novotel und Mc Donalds warten die Blumenverkäuferinnen auf Kundschaft.

Am nächsten Abend, nach der Büroarbeit, machte ich mich auf in die freie Republik Uzupis, vorbei an der Anne’s Kirche.

Ich passierte den Zoll an der Brücke mit einem neidvollen Blick auf die unter der Brücke Schaukelnden und betrat die freie Republik Uzupis.

Aus Wikipedia: Ein großer Teil der ursprünglichen Bevölkerung kam während des Holocausts um, der jüdische Friedhof wurde von den Sowjets zerstört. Die leerstehenden Häuser wurden von Kriminellen, Obdachlosen und Prostituierten besetzt. Vor der litauischen Unabhängigkeitserklärung 1990 war der Stadtteil einer der vernachlässigsten der Stadt, viele Häuser hatten weder Strom noch sanitäre Anlagen. In den 1990er Jahren hat sich der Stadtteil grundlegend geändert. Aus dem Viertel ist ein begehrtes Wohnquartier für die städtischen Künstler und ihre Bohème geworden. Hier gibt es zahlreiche Kunstgalerien, Workshops und Cafés. Mitunter wird Užupis mit dem Künstlerviertel Montmartre in Paris verglichen, mit dem auch eine Partnerschaft besteht.

Bevor ich weiterreiste machte ich einen Ausflug nach Trakai, 30 Min. per Bus ab Busbahnhof, fährt mind. einmal pro Stunde, € 2.-/2.20 pro Weg.
Zum ÖV: Soweit ich das beobachte, verfügen viele Orte, oder gar jeder über einen Busbahnhof. Es fahren Busse jeder Grösse. Zuglinien gibt es auch, diese nutzte ich noch nicht.

In Trakai sprach ich sofort ein Pärchen an, das mit im Bus reiste, die einzigen Touris weit und breit. Ich durfte mich ihnen anschliessen zum Inselschloss. Dieses liegt auf einer von mehreren Inseln in einer wunderschönen Landschaft.

Entlang der Strasse stehen viele alte Holzhäuser.

Kaunas (Europäische Kulturhauptstadt 2022) 25.-31.7.

Von Vilnius nach Kaunas sind es ca. 100 km, eine gute Stunde mit dem Bus für € 7.-.

Bereits beim Einfahren in die Stadt beeindruckten moderne Gebäude, grosszügig angelegte Strassen und Plätze. Die Innenstadt ist auch hier autofrei, die Fussgängerzone über drei Kilometer lang. Der prachtvolle Boulevard wird gesäumt von edlen, Shops, Villen, Restaurants, Bars. In der Mitte eine Allee mit Spazierweg und Sitzbänken, beidseitig breite Velo- und E-Scooter-Spuren. Am Anfang des Boulevards steht die St. Michaels Kirche auf einem grossen Platz, umrandet von Restaurants.

Mein erstes Ziel war die auf einem Hügel gelegene Christ’s Resurrection Basilica. Leider machte die kurze Seilbahn Pause. Ein Trampelweg führte mich bloss vor ein geschlossenes Gartentor mit viel Müll davor. Ein «geheimer» Treffpunkt? Ich war froh, in den Sandalen den steilen, rutschigen Sandweg wieder herunterzukommen.
Der offizielle Weg führt über viele Stufen. Erst war ich enttäuscht, wo ist das Panorama? Da kam mir die Idee des Kirchturms. Tatsächlich befindet sich auf der Kirche eine riesige Aussichtsterrasse, erreichbar zu Fuss (2.-) oder mit dem Lift (2.50).

Zurück in der Stadt schaute ich plötzlich auf einen grossen Platz mit begehbarem Brunnen, vielen Skatern, da die Blumenrabatten mit «Beton-Rampen» umrahmt sind. Ich setzte mich gleich oben auf die Terrasse einer Bar und genoss das fröhliche Treiben.

Danach war ich gestärkt um einen Blick auf die Arena zu werfen, die auf einer vorgelagerten Insel liegt.

Die Arena besticht durch die riesige, digitale Werbefläche über die ganze Länge oben links. Sie sticht von jedem Aussichtspunkt der Stadt ins Auge. Beim Fotografieren erwischte ich wohl gerade einen Wechsel.

Am Sonntag flanierte ich auf der fast menschenleeren, ca. drei Kilometer langen Fussgängerzone, bei etwa 30°C zum Rathaus.

Ein riesiger Platz ums Rathaus, viele Restaurants und natürlich eine Kirche. Ich nahm gleich am Gottesdienst teil. Der Chor sang wunderschön. Es nahmen einige Familien mit Kindern teil. Fast jeder ging zur Kommunion und legte eine Euro-Note in den Opferstock.

Die Menschen hier sind sehr religiös, bekreuzigen sich oft beim Vorbeigehen an Kirchen. In der Altstadt von Vilnius soll es 50 Kirchen geben, in der gesamten Stadt 150.

Ich warf noch einen Blick auf das Schloss, welches ein Museum beherbergt.

Auf dem Rückweg bewunderte ich street art – 43 Werke sind auf dem Stadtplan eingezeichnet.

Im historischen Präsidentenpalast der Republik Litauen lebten und arbeiteten die drei Präsidenten von 1919 bis 1939, als Kaunas die Hauptstadt Litauens war.

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Die Vytautas-Magnus-Brücke wird auch „die längste Brücke der Welt“ genannt. Um von der einen Seite zur nächsten zu gelangen, musste man 13 Tage einplanen. Denn auf der einen Seite lag das russische Zarenreich, auf der anderen das Königreich Preussen. Die beiden Länder benutzten 1807 unterschiedliche Kalender.
Jenseits der Brücke ist die Seilbahn zu erkennen, die zum Aussichtspunkt fährt.

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Der Rathausplatz am Freitagabend, der DJ legt schon auf (unten Mitte im Bild).

Palanga und Klaipeda 31. Juli bis 8. August

Endlich Meer!

Am Strand von Palanga
Seebrücke von Palanga. Gebaut von den Engländern 1566–1632 zum Export von Ziegelsteinen. Ab 1892 nur noch Fußgängerzone.

Sonntagsausflug nach Klaipeda. Endlich kühler, 21°C und Nieselregen! Da passte mir das nette Café mit feinstem Cappuccino und Schokokuchen perfekt. Ich setzte mich auf die bequemen, bunten Kissen auf dem breiten Sims und beobachtete das Treiben aus dem Fenster. Etwas Spannenderes konnte ich in dieser Stadt nicht finden. Bekannt sind die Fachwerkhäuser, erbaut von Deutschen. Eine nette Strasse mit Theater am Ende, Restaurants und OpenAir Bühne.

Eine Gasse in der Altstadt
Entlang der Dané

Am Ende der Dané blickte ich rüber auf die kurische Nehrung, die Fähre für Fussgänger und Radfahrer war nicht in Sicht. Ob ich den Sprung rüber noch machen werde?
52 km der Landzunge gehören zu Litauen, 46 km zu Russland. Letztes Jahr näherte ich mich auf der Nehrung auf der polnischen Seite bis zu vier Kilometer an Russland, doch dieses Kalingrad bleibt wohl unerreichbar!
Bei Nidden/Neringa gibt es eine Sanddüne, die mit 44 Metern Höhe zu den höchsten Europas zählt.

Die Nehrung muss warten, Riga ruft! Doch vor der Weiterreise geniesse ich noch traumhaft schöne Abende am endlosen Beach bei Palanga.

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Bis zum Strand sind es ca. 1.4 km. Der direkte Weg führt durch die unglaubliche Touristen-Restaurants-Chilbi-Konzert-Meile – wie im Europa-Park oder Disney-World. Immerhin kurzweilig! Dann mit den Füssen im Wasser den Strand entlang gehen, mal auf eine Bank liegen bei einer Umkleidebox und in den Himmel schauen. Auf dem Rückweg bei einer Bar auf einem Sitzkissen chillen und als Abschluss auf der Bank sitzen mit Blick aufs Meer, das Pier und dem Konzert des Pianisten lauschen. Traumstunden, Balsam für Körper und Geist!

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Zur Abwechslung folgte eines Abends auf Strandspaziergang und Meersicht vom Sitzsack in einer Strand-Bar (bei Cappuccino-Wetter) der Rückweg durch den hinter der Düne liegenden Park. Er schien mir unendlich gross, auf den gepflasterten wie Naturwegen kann man sich verirren. Irgendetwas zog immer meine Aufmerksamkeit auf sich. Mal entdeckte ich Hängematten an den Fichten, dann eine Treppe auf die höchste Düne von Palanga. Auf dieser steht eine Kapelle. Ich stieg eine andere Treppe runter und kam an der Grotte mit Maria von Lourdes vorbei bevor aus dem Wald ein Prunkbau mit wundervollem Garten und Brunnen auftauchte: Das Bernstein-Museum.

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Tourismus in Palanga
In der Hochsaison halten sich tausende Touristen im 18’000 Einwohner zählenden Ort auf. Der Strand ist unverbaut, im Ort gibt es 30 kleine Hotels. Die meisten Besucher wohnen in kleinen, einfachen Privathäusern. So auch ich:

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Allgemeines zu Litauen

Vieles erinnert mich an Polen. Es ist absolut sauber auf Strassen und Wegen. In Kaunas sah ich nach Mitternacht die Putz-E-Autos fahren, morgens früh die Leute mit „Staubsaugern“, und mal nach einem Nachtregen die Equipe mit Schaufel, Besen und Kübel, welche jedes Blättchen unter jeder Bank hervorwischte.
Nie sehe ich Polizei.
Es ist immer ruhig, die Menschen werden nicht laut, die Kinder schreien nicht. Mir fallen die vielen Kleinkinder auf, herzlich umsorgt von den Eltern, vor allem auch von den Vätern.
Natürlich ist das Handy auch hier omnipräsent, doch Menschen mit Stöpseln in den Ohren sieht man kaum.
Die meisten Litauer sprechen gut Englisch, sind nett und hilfsbereit.
Noch keine Graffiti gesehen, kaum einen Bettler, keine Obdachlosen.
Die beiden bisher besuchten Städte, die grössten des Landes, sind sehr modern, grosszügig angelegt – und ruhig. Die Innenstädte sind autofrei. Viele Leute sind mit Velos, E-Scootern und wenige mit Skates unterwegs.
Die Städte und Dörfer scheinen gut mit Bussen erreichbar zu sein. Es gibt auch ein Bahnnetz.
Litauen mit dem höchsten pro Kopf Verbrauch an reinem Alkohol hat seit dem 1.1.2018 das strengste Alkoholgesetz der EU. Verkauf nur an über 20-Jährige, werktags von 10-20 Uhr, sonntags nur bis 15 Uhr. Das Konsumieren ist im öffentlichen Raum und in der ÖV verboten, ebenso zu rauchen.
Durchschnittseinkommen 2018: € 1’000.-, andere Quelle € 1’400.
Zwei Anekdoten: 1) Als mir der Wind im Strassen-Café die Serviette auf den Boden wehte erhob sich der Herr am Nebentisch sofort, hob sie auf, erklärte mir etwas, ging mit der Serviette zum Kehrichtkübel und entsorgte sie. 2) Als ich auf einem Bänken in der Fussgängerzone vom Buch aufblickte, entdeckte ich auf der Bank schräg gegenüber ein Etui, das nach Handy aussah. In der Schweiz hätte ich nachgeschaut und es auf den Polizeiposten gebracht. Hier entschied ich mich zum Beobachten, was passiert. Es dauerte nicht lange, setzte sich eine junge Frau auf die Bank. Sie tippte auf ihrem Handy, nahm mal das liegengelassene in die Hand, zog eine Kreditkarte oder ID aus der Hülle, tippte auf ihrem Handy. Es dauerte ca. zehn Minuten, da kam ein mittelalterlicher Herr und nahm sein liegengelassenes Handy glücklich entgegen.

Lettland 8.8. bis

Riga 8.bis 12.8.

Für Einreise
Aktuelle Infos aller Länder: https://reopen.europa.eu
Registration für Einreise-QR-Code, müssen ALLE ausfüllen: https://covidpass.lv/en/
Registration und Termin für Test in einem Airport in Litauen (einzelne Kliniken testen auch, danach googeln): www.kraujolaboratorija.lt/en/covid-testing-in-airport
Bus international, z.B. von Klaipéde (Palanga) nach Riga: www.ollex.lt/en/international-routes
Letztlich hat niemand nach den QR-Codes gefragt, der Zoll war verlassen.

So reiste ich an einem kühlen, regnerischen Sonntag nach Riga. Nach vier Nächten in einem einfachen Privathaus mit vielen anderen Gästen gönnte ich mir ein 4* Hotel mit Spa im Zentrum. Beim Einchecken wurde mir gleich mitgeteilt, dass für das Frühstücken im Restaurant der Covid-Pass erforderlich ist, sonst muss das Frühstück auf dem Zimmer eingenommen werden. Auch für das Spa ist GGG obligatorisch. Pech gehabt.
Ich ging gleich die Altstadt erkunden und erblickte hinter dem Dom ein indisches Restaurant. Endlich mal wieder richtig essen! Bevor mir die Bedienung die Menu-Karte aushändigte versicherte sie sich: Den Covid-Pass haben Sie? Ich erschrak. Ja, bis morgen Mittag ist mein Antigen-Schnelltest noch gültig. Aber diese Frage liess mich erschauern. Es fühlt sich komisch an: ausgeschlossen, nicht willkommen, nicht kompatibel. In Aussenräumen gilt das hoffentlich nicht, sonst muss ich definitiv lernen Essen online zu bestellen. Oder Take-away. Offenbar läuft hier beides gut.

Doch am nächsten Tag waren die „Hürden“ vergessen und ich liess das Flair der Stadt auf mich wirken.

Der Dom
Das Rathaus
Auf der Stone Bridge
Alte und neue Gilde
Freiheitsmonument
Aussicht vom Dom-Turm
Die Markthallen
Orthodoxe Kirche
Die drei Brüder – drei Häuser aus drei verschiedenen Bauepochen

Jurmala – Ostsee 12.-16.8.

Den Hauptbahnhof von Riga fand ich nicht auf Anhieb. Links und rechts riesige, moderne, verglaste Einkaufscenters, doch wo ist der Eingang zum Bahnhof? Schalter gesucht, Ticket gekauft. Dann erste Bahnfahrt im Baltikum. Die vier hohen Stufen forderten mich mit dem Gepäck. Die Kontrolleurin kam mein Ticket scannen, zeigte auf den Koffer – für den musste ich auch ein Ticket kaufen! Das habe ich noch nirgendwo erlebt.

Nach einer halben Stunde Fahrt (Diesel-Lock), stieg ich im Nirgendwo aus. Es fing an zu regnen. Ich ging auf der halb überfluteten Strasse, denn der Fussgängerweg war ungeteert, matschig. Dann abgebogen in «meine» Strasse. Lauter hochmoderne Mehrfamilienhäuser, umzäunt, Video überwacht. Dazwischen alte Villen – und das Hostel. Auch hier gibt es kaum Hotels.
Abends war der Himmel wieder stahlblau, das Meer rief. Praktisch nur über die Strasse, und es lag glitzernd vor mir. Bei der City verliess ich den Strand, bei der Orchesterhalle besuchte ich die märchenhaft schöne orthodoxe Kirche.

Vor der Kirche eine der grössten drehbaren Weltkugeln im Baltikum

Dort beginnt auch die Fussgänger-Touristen-Meile, wo ich in einem Restaurant vegane Spaghetti ass und danach einkaufte. So schlenderte ich relativ spät zurück und erlebte den ersten Sonnenuntergang an diesem Strand. Um 21 Uhr versank die Sonne im Meer.

Am nächsten Abend erkundigte ich den Strand in der anderen Richtung. Er ist sehr flach, ich watete immer wieder weit ins Meer hinein mit dem Gefühl, übers Wasser gehen zu können.

Im nächsten Ort suchte ich eine Einkaufsmöglichkeit bzw. Wasser – und tatsächlich:

Auf dem Rückweg testete ich die vom Hostel nächst gelegene Strand-Bar. Ein Traum! Da gibt es Aperol Spritz und Hugos, nicht nur die chemischen Süssgetränke in der Flasche. Und potato pancakes, in Bayern heissen die Reiberdatschi. Und dabei den Blick übers Meer schweifen lassen auf die sich senkende Sonne. Traumhafte Momente.

Das alte Kurhaus am Strand
Links das alte Kurhaus, rechts das 5* Baltic Beach Hotel
Wer sich mit dieser Schildkröte fotografieren lässt, dem verspricht sie ein langes Leben
Ein spezielles Fahrzeug – mit russischem Kennzeichen
Der vorerst letzte Sonnenuntergang in Lettland, morgen geht’s nach Tallinn, Estland

Estland 16.-27. August

Tallinn 16.-20.8.

Tallin begeisterte mich nicht sofort. Wird reisen zum Alltag? Städte vergleichbar?
Das Hotel ist jedoch ein Erlebnis. Wie ein altes Schloss mit einem Labyrinth von Gängen und Treppen, engen und breiten. Ich bin jedes Mal froh, wenn ich mein Zimmer finde. Mal von der einen, mal von der anderen Seite.
Leider regnet es immer mal wieder. Am Montag in Strömen, ich kam völlig durchnässt ins Hotel. Auf dem Marktplatz liess ich mich von einer Show aufhalten. Offenbar ging es um die Wahl des schönsten Kleides aus/mit Blumen. Die Models, Musiker, Sänger und Tänzer liessen sich vom Regen überhaupt nicht irritieren – bewundernswert.
Jeweils über Mittag und abends streife ich durch die Altstadt. Am dritten Tag hat mich die Stadt in ihren Bann gezogen – trotz Wind und Regen.

Die Burg mit Museum
Die Stadttore. Die Stadtmauer ist gut erhalten und wird von vielen Türmen ergänzt.
Sankt Nikolai Kirche mit Niguliste-Museum – eine Stadt voller Museen!!
Auf dem Domhügel
Am Domhügel
Die russisch-orthodoxe Alexander Newksy Kathedrale
Der Dom von Tallinn
Der Marktplatz mit dem Rathaus
Beim Mittagsspaziergang – eine Halluzination? Scharen von Leuten! Touristen!! Ein grosses Kreuzfahrtschiff hat angelegt. Die Stadt wurde überrannt. Tourismus wie in früheren Zeiten.
In dieser Stadt sehe ich erstmals seit Monaten Touristen. Bereits im Bus sassen um mich herum Reisende aus Japan, Usbekistan, Dänemark, Deutschland, … In der Stadt höre ich oft englisch, deutsch, französisch – völlig ungewohnt!
Die Katariinen-Passage neben dem gleichnamigen Kloster
Der Freiheitsplatz

Am letzten Tag besuchte ich noch die „must Seen“. So die antike Apotheke am Rathausplatz. Über Mittag war sie geschlossen, so konnte ich durch die Scheibe der Türe ein Foto machen ohne die sonst dutzenden von Besuchern.

Antike Apotheke in Tallinn, am Rathausplatz

Das Schloss Katharinenpark mit Garten in einem riesigen Park ist ein Besuch wert.
Erbaut wurde es von Peter dem Großen für Katharina I. https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Katharinenta

Schloss Katharinental

Roadtrip 20.-26.8.

Gemäss Tourist Office sind mit ÖV bloss die Städte gut erreichbar. In Nationalparks fährt evtl. ein Bus pro Tag. Ich überlegte ein Auto zu mieten. Erst wollte ich dies später im Süden tun, weil ich ja von dort zurückreisen muss. Doch in den Orten im Norden und Osten, die ich gerne besuchen wollte, fand ich auf Booking.com keine Unterkünfte. Meist sind es Campingplätze, die Häuschen anbieten. Doch mit ÖV sind sie nicht erreichbar. Also mietete ich doch in Tallinn ein Auto. Das 4er Tram fährt vom Zentrum, bei den beiden Stadttürmen, direkt vor die Büros der Autovermietungen am Airport, in nur ca. 20 Minuten. So kam ich nach der Online-Buchung easy zu einem individuellen Fortbewegungsmittel.

Bis zu meinem ersten Halt fuhr ich fast 200km. Den ersten Teil auf einer Strasse, die etwa wie unsere Autobahn aussieht und Tempo 110 erlaubt. Doch Achtung! Statt Ausfahrten gibt es oft U-Turns. Plötzlich also eine stehende Kolonne auf der Überholspur oder Autos, die vom breiten Mittelstreifen über diese einschwenken. Auf der rechten Seite gibt es Bushaltestellen. Also auch Fussgänger und vereinzelt Velofahrer. Tankstellen können direkt an der Fahrbahn stehen mit kurzer Einfahrt. Ich musste mich daran gewöhnen vorsichtiger zu sein als bei uns. Ein weiteres Augenmerk gilt dem möglichen Queren der Strasse von Elchen. Noch sichtete ich keinen.
Nach einigen Umwegen (auch wegen Baustelle!) fand ich endlich das Zentrum von Sillamäe. Thanks to Carmen, the wonderful woman I got to know in Tallinn.

Nach nur 25 Kilometern traf ich in Narva ein. Ein Zentrum fand ich erst nicht, doch der Blick auf eine Festung faszinierte mich.

Russische Festung jenseits des Grenzflusses

Da wollte ich hin und parkte auf dem grossen Parkplatz vor dem russischen Zoll und Tourist Office, wo ich mich gleich erkundigte, wie ich zur Festung gelange. Erstaunt meint die Dame, dass diese in Russland liegt, ich aber ohne Visum nicht einreisen könne. Zudem gäbe es für die Einreise strenge Regeln aufgrund von Corona. Ich hörte bereits, dass die russische Grenze geschlossen sei und daher viele Hotels im Baltikum, weil die russischen Touristen ausbleiben.

Der russische Zoll in Narva

Rechts sah ich jedoch Leute gehen. Ich folgte ihnen und betrat das Areal der Festung auf estnischer Seite. Der Fluss trennt die Länder und die Festungen.

Den Weg zurück auf die Hauptstrasse fand ich nicht auf Anhieb, dafür eine russisch-orthodoxe Kirche.

Um mein nächstes Ziel, den Peipussee zu erreichen, musste ich ein Stück zurückfahren. Um Sillamäe kannte ich mich ja schon aus und entschied mich zum Glück zu einem Einkaufs-Stopp. Ich war mittlerweile hungrig, hatte auch kein Wasser dabei. Auf dem ganzen Weg entdeckte ich weder einen Supermarkt noch ein Restaurant. Ich ahnte es …. Estland hat 3.1 Mio. Einwohner, wobei 450’000 in Tallinn wohnen. Grössere Orte sind wohl selten.
Ich peilte Kuremäe an, das mir der Herr im Tourist Office auf der Karte markierte. Ich erwartete ein Städtchen, sah mich schon im Hotel an der Piazza einchecken. Wobei: Die Dame im Tourist Office in Narva reagierte ziemlich erstaunt auf meine Frage nach Hotels. Sie meinte: Pensionen, Guest Houses oder Campings? Und so bog ich in Kuremäe ein, erblickte sofort eine wunderbare Kirche, doch ausser drei, vier neueren Wohnblocks und vereinzelt alten Häuschen war da nichts zu sehen von Ortschaft. Glücklicherweise übersah ich das Hostel beim Kloster nicht und erhielt nach einigen Telefonaten der Gastgeberin doch noch ein Kämmerchen unter dem Dach. Offenbar sagte jemand ab, es war bereits nach 19 Uhr, das Restaurant geschlossen. Zum Glück hatte ich Essen dabei und Plastik-Geschirr.

Doch die Neugierde siegte über den Hunger und führte mich zum nahen Kloster und dessen Friedhof.

Erst nach dem Besuch las ich über das einzige russisch-orthodoxe Kloster in Estland: https://www.visitestonia.com/de/das-nonnenkloster-von-kuremae
Im Vorraum lagen auch hier Kopftücher zum Ausleihen bereit. Ich betrat die Kirche und war inmitten einer Messe. Noch immer bin ich vom Weihrauch benebelt und von dieser magischen Atmosphäre berührt. Wahrscheinlich sprachen die beiden Priester Fürbitten. Nach jeder bekreuzigten sich alle, beugten sich tief oder knieten sogar nieder und legten das Gesicht auf den Boden. Dazu sang jeweils der Chor einiger Nonnen wunderschön. Statt der Kommunion empfingen alle vom Pfarrer ein Kreuz auf die Stirn, gezeichnet von einem Stab. Darauf küssten die Gesegneten den Arm des Pfarrers.

2. Tag

Heute wollte ich diesen Peipsimaa-See sehen. Er ist der fünftgrößte See Europas und siebenmal so groß wie der Bodensee. Durch ihn verläuft die estnisch-russische Grenze. Sandstrände gibt es bloss im Norden, bei Kauksi. Bevor ich den Strand fand, hielt ich auf dem „Dorfplatz“. Ein Supermarkt in einem alten, tristen Gebäude und ein Imbissstand. Ich machte einen Spaziergang Richtung Kirche, kam an schöneren und weniger schönen Häuschen vorbei und fand bei der Bushaltestelle die Briefkästen der Einwohner.

Noch etwas weiter entlang der Strasse gelangte ich zu einer russisch-orthodoxen Kirche, die ich natürlich besichtigte. Kurz davor sah ich einen Wegweiser zu einem Parkplatz, wo ich später hinfuhr. Eine riesige Wiese vor einer Bühne, Tischgarnituren auf dem Festplatz. Kein Mensch da, kein Auto. Ich nahm einen Trampelpfad durch den Wald, über die Düne – und stand am Strand. Einsam und verlassen!

In der Nähe gelangte ich an den Beach mit Infrastruktur. Neu, nett, aber kein Ort zum Bleiben. Es gibt hier nicht Dörfer, wie wir sie uns vorstellen. Die Häuser, meist aus Holz, stehen verstreut im Wald oder auf Lichtungen. Es gibt auch Ferienzentren mit mehreren gleichen Häuschen. Andere Unterkünfte sah ich keine.
Auch Restaurants nicht. Doch immer wieder mal einen Stand mit Grill, Tisch und Stühlen. Diese scheinen beliebt und gut besucht an diesem Samstag. Nach dem Mittag kam ich an einem vorbei mit riesigem Menschenauflauf. Da ich einen Parkplatz in der Nähe fand, stoppte ich um mir das anzuschauen.

Auf dem Grill brutzelten ganze Fischchen und Filets, am Buffet waren Snacks und Süssigkeiten angeboten, aber auch Kleider. Ein Harmonikaspieler unterhielt die Gäste. Wie auf der Chilbi!

So wie ich die Lage einschätzte, musste ich im nächsten grösseren Ort, in Mustvee, eine Unterkunft finden. Das Hotel war ausgebucht, doch sie riefen für mich in einem Hostel an, das nicht auf Booking.com ist. Dort checkte ich ein und erkundigte den sehr übersichtlichen Ort. Auf dem Weg zum See kam ich bei der russisch-orthodoxen Kirche vorbei, wo gerade die Messe begann. Ich war wiederum hingerissen vom Gesang der Frauen und blieb eine Weile. Es waren nur vier Besucherinnen da.

Bei der Hafeneinfahrt verweilte ich länger, las und bewunderte einen doppelten Regenbogen.
Im Hafen gab es ein Café, davor wurde in einem Samowar mit Holz Tee zum Kochen gebracht und verkauft.
Auf dem Rückweg balancierte ich über eine Hängebrücke und genoss das Abendlicht, das alles in wundervolle Farben tauchte.

Sonntag

Nach Mustvee machte ich einen ersten Halt in Tartu. Die Stadt war an diesem Sonntagvormittag noch menschenleer. Ein netter Ort. Hinter dem Rathaus erklomm ich den Hügel mit Park, Kirchenruine, einer Engelsbrücke, dem Schiesspulverlager, usw. Auf dem Rathausplatz steht tatsächlich ein schiefes Haus.

Rathaus von Tartu
Schiefes Haus in Tartu

Auf der Weiterfahrt kam ich an einem grösseren See vorbei und bog in einen Campingplatz ein. Der perfekte Ort für mein Picknick.

Neben mir standen drei traumhaft schöne Holzhäuser mit Veranda. Ich ging zur anderen Seite, wo ich den Hauptplatz vermutete und auf einen Kaffee hoffte. Der Platzmeister nahm mich gleich in Empfang und fragte, was ich wolle. Gäste hätte er selten. Kaffee konnte er mir nicht anbieten, bloss Alkoholisches. Nach einem netten Gespräch verabschiedete ich mich von diesem herrlichen Platz und peilte Viljandi an. Die Altstadt mit Burgruine und Blick auf den Fluss ist nett, doch ich wollte noch zeitig in den Nationalpark gelangen. Ich fuhr mit 80 km/h, sah mir das Strassenschild genau an und interpretierte, dass der nächste Abschnitt keine Markierungen mehr haben wird – doch da war’s Ende mit Teer und riesige Schlaglöcher liessen mich abrupt abbremsen. Auf dieser Strasse fuhr ich dann ca. 50 Kilometer weit. Manche Löcher waren wohl einen halben Meter tief, die meisten mit Wasser gefüllt. Ich fürchtete mich davor, in einem stecken zu bleiben oder die Achse zu brechen in dieser einsamen Gegend. So fuhr ich vorsichtig, doch es war anstrengend. Nach gut der Hälfte der Strecke erreichte ich das Visitor Center, bei welchem ich zu einem kurzen Hike starten wollte. Ein 1.8km langer Rundgang, der Biber Hike bot sich an. Es war auch schon 17 Uhr und kein Mensch mehr weit und breit. Umso näher fühlte ich mich der Natur, genoss die Stille, den anfangs weichen Boden und später den Pfad auf Holz, die Einsamkeit.

Einzigartig an diesem Nationalpark ist, dass er jeweils nach der Schneeschmelze überflutet ist und einzig per Kanu erreichbar.
Auf der Weiterfahrt nach Pärnu, am Meer, genoss ich wundervolle Stimmungen im Abendlicht und schaffte es nach dem Einchecken und Znacht gerade noch zum Sonnenuntergang ans Meer.

Am nächsten Morgen schaute ich mir die Altstadt an. Nett, mit Fussgängerzone, schönen Holzhäusern, Kirche, auch eine russisch-orthodoxe Kirche, das Rathaus, Stadttor, Parks, … Und das erste Mal ein Kaffee mit Süssem am Vormittag, in der Sonne!

Ich ging zurück zum Fluss, dem ich bis ans Meer folgte. Unglaublich schöne, unberührte Landschaft. Ist ein Öko-Projekt der Stadt.

Der Steg endet bei der Einmündung des Flusses, wo eine Steinmole weit hinaus ins Meer führt. Gereizt hat es mich schon, doch ich hatte heute noch viel vor. So ging ich am fast menschenleeren Strand zurück bis zum Kurhaus, in dessen Nähe mein Auto stand.

In der Stadt ging ich noch Verpflegung einkaufen und tanken. Man weiss ja nie … Auf Anhieb fand ich die richtige Strasse zu meinem nächsten Ziel.
Eine wunderbare Fahrt parallel zum Meer, durch Wälder, vorbei an Kirchen aus Stein, Holz, eine orthodoxe russische, Holzhäuschen in allen Farben, einem Leuchtturm – es erinnert mich sehr an Schweden. Ein Schild zu einem Aussichtpunkt liess mich abbiegen. Ich war hungrig und hoffte auf ein Bänkchen zum Picknicken. Nach drei Kilometern wieder ein Pfeil. Ich hielt am Wegesrand und ging ein paar Schritte durch ein Wäldchen. Da stand ein Holzturm. Kein Bänkchen. Auch oben nicht. Also setzte ich mich auf den Boden, legte alle meine Köstlichkeiten aus (seit Wochen die gleichen), lehnte mich zurück und schaute in die Ferne. Da überkam mich dieses Gefühl, das ich erst selten erlebte. Ein Zustand, in dem ich nicht mehr sicher weiss ob ich bin, träume, oder in eine andere Sphäre gleitete. Total surreal, sie absolute Stille und Einsamkeit.

Auf der weiteren Fahrt hielt ich mehrmals an wunderschönen Orten und Stränden.

Und dann stand ich plötzlich an der Zahlstelle für die Fähre nach Saaremaa. Auch sehr eindrücklich. Noch nicht oft fuhr ich mit dem Auto auf ein Schiff. Ich ging gleich auf die Decks, nach draussen, durchs Restaurant, setzte mich mal kurz auf einen Sessel – die 35 Minuten Überfahrt vergingen viel zu schnell.

Mein Ziel war die grössere Stadt am Meer, Kuressaare. Ob das schlau war bzgl. Insel-Rundfahrt und Erkundung? Aber endlich und erstmals ein Hotelzimmer mit Meerblick und später auf den fast vollen Mond.

Störung der Nachtruhe
Klopfte es tatsächlich an meiner Hoteltüre, kurz vor zwei Uhr in der Nacht? Ja, wieder und lauter. Was tut frau in so einer Situation? Es klopfte wieder. Ich sollte nachschauen, obwohl ja nicht gerade das Haus in Flammen stehen wird. Ich linste durch den Spion. Ein junger, Vertrauen erweckender Mann stand vor der Türe. Ich öffnete. Er hatte einen Zettel in der Hand und fragte, ob ich englisch spreche und das Auto mit der Nr …. meines sei. Ja. Das Licht brenne. Ja, ich sah es, konnte es jedoch nicht ausschalten. Auf dem Display stand „Parking light on“. Ich dachte, das brannte vielleicht schon immer, bloss fiel es mir nicht auf. Ich ging zurück ins Zimmer. Es dauerte nicht lange, bis es wieder klopfte. Ich ging gleich mit dem Autoschlüssel zur Türe. Der Mann nahm ihn lächelnd entgegen und verschwand. Was, wenn er nicht mehr zurückkommt, mein Auto weg ist, mein Gepäck? Nach kurzem klopfte es wieder. Strahlend liess mich der junge Herr wissen, dass er das Licht ausschalten konnte. Ich habe wohl unbeabsichtigt einen Schalthebel verstellt. Nun hoffe ich, dass das Auto noch draussen steht, sich starten lässt und mein Gepäck noch vollständig vorhanden ist.

Insel-Tour

Die Hauptsehenswürdigkeit dieser Insel ist die Burg von Kuressaare. Diese liegt einige Schritte von meinem Hotel und Auto, das natürlich noch dastand und sofort startete.

Ich fuhr Richtung Westen und dann hoch in den Norden. Erst verpasste ich die Sanddünen, landete so jedoch bei einem Kriegsdenkmal mit Friedhof aus dem 2. Weltkrieg. Auf der südlichen Halbinsel erinnert vieles an jene Zeit, es gibt auch ein Museum zum Thema.
Die Sanddünen bei Järve beeindruckten mich weniger, doch der Weg dorthin war ein Spaziergang wie im Märchen, durch eine unbewohnte Ferienanlage im Wald, der Boden Moos bedeckt und samtweich. Zu den Wohnungen im Haupthaus gab es nahe am Strand ein fassförmiges Haus mit Hot Pot. In einem Pavillon standen Liegestühle bereit, der Privatstrand mit Tisch und Bänken war nur wenige Schritte entfernt. Natur und Einsamkeit pur.

Jeder Abstecher führte zu Steinstrassen mit Schlaglöchern. Die Namen verstand ich nicht. Park ist wohl eher eine Wohnadresse, kein Park. Jedenfalls stand ich zweimal vor Villen, die eine mit Pool, umgeben von Fussballfeldern grossen Rasenflächen. Von Sehenswürdigkeit keine Spur, oder ich übersah die Abzweigung vor lauter Schlaglöcher-Slalomfahrt. Doch beim einen Versuch kam ich zu zwei Seelein. Fast ein Gefühl wie am Vortag. Stille, Naturschönheit, Einsamkeit.

Viele Kilometer später eine bemalte Tafel mit einer Tasse – die erste Verpflegungsmöglichkeit! Um zig Ecken in einem kleinen Ort fand ich das Holzhäuschen, in dessen Garten und Wohnzimmer die Besitzerin Kaffee und Tee anbot sowie einige Kleider und Keramik. Ein Ort wie von einer anderen Welt. Der Garten war zwar wunderschön, doch zog mich das Cheminée an, neben dem eine ältere Dame sass, von der ich viel Interessantes erfuhr.

Ich verweilte ein bisschen, kam mit deutschen Touristen ins Gespräch. Hätte noch lange bleiben können, doch die Zeit schritt voran.
Auf dem Weg zu den beiden bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel bog ich mehrmals zum Meer ab. Einfach traumhaft. Das eine mal fuhr ich auf einer Sanddüne und überlegte was ich täte, würde ich feststecken. Von Dubai weiss ich, dass Luft aus den Pneus lassen hilft. Doch wie geht das? Zum Glück musste ich es nicht versuchen. Bei Leisi fuhr ich zum Hafen Triigi und beinahe auf die Fähre zur Nachbarinsel. Ich überlegte es mir lange, wäre eine attraktive Alternative, wobei ich dann nochmals auf eine Fähre müsste zum Festland. Ich wendete.
Die Steilküste bei Panga und die Windmühlen von Angla enttäuschten mich eher.

Kurz vor den Mühlen, in Leisi, erblickte ich heute zum ersten Mal ein Guest House und reservierte gleich ein Zimmer. Ich checkte im ersten Stock ein und hatte Haus und Terrasse für mich allein. 19 Uhr, und ich hatte seit dem Frühstück nichts gegessen, ausser einigen Biskuits. Ich deckte die Tafel mit meinen immer gleichen „Köstlichkeiten“. In der totalen Stille mit Blick auf die umliegenden Holzhäuser ass ich Znacht und genoss den Moment.
Diesen Bericht schrieb ich im Aufenthaltsraum des Guest Houses Willa Inga.

Am nächsten Tag regnete es, so richtig trist. Ich hielt noch einige Male am Meer. Auch diese Stimmung hat ihre Schönheit.

Ich nahm die Fähre aufs Festland und machte einen letzten Halt in Haapsalu. Da entdeckte ich tatsächlich ein Kaffee!

Ich schaute mir noch die Bischofsburg an.

Eigentlich wollte ich im letzten grösseren Ort vor Tallinn übernachten, 25 Kilometer vor der Stadt, das Auto am Morgen zurückbringen und die 12-Uhr-Fähre nach Helsinki nehmen. Doch in diesem Ort gab es zum Glück keine Unterkunft, denn dass ich später den Airport ohne grössere Umwege wieder fand, war fast ein Wunder. Noch einmal wegfahren wollte ich nicht. Nach langen, langen Gesprächen wurde klar, dass Finnland eine Quarantäne von drei Tagen verlangt, danach kann man sich frei testen. Das wollte ich nicht. Also buchte ich letzte zwei Nächte wieder im Hotel St. Olav in der Altstadt. Das ist ein ganz spezielles Haus, fast wie ein Schloss, ein Labyrinth von Gängen, überall alte Bilder, die Aufenthaltsräume wie Rittersäle und das Frühstück im Ballsaal.

Der Covid Antigen-Test war negativ, ich buchte gleich den Bus und fahre morgen nach Warschau – 19 Stunden Busfahrt. Das erspart mir einen weiteren Test.
Ab heute herrscht in Tallinn Maskenpflicht in Innenräumen und Zertifikat in Restaurants. Zeit zum Abreisen.

Ich startete am Freitag um 13 Uhr, kam um 6 Uhr in Warschau an. Nach einem Kaffee und Wechsel des Bahnhofs, fuhr ich in eineinhalb Stunden nach Lodz. Hier wohne ich wie eine Prinzessin im rose room des Hostelik Wiktorianski, mit eigenem Eingang und Sitzplatz.

Lodz erklärt seine Fussgängerzone als die längste Europas. War es nicht jene in Vilnius? Ganz autofrei ist sie nicht, Taxis fahren, Zubringer und immer wieder donnern Motorräder durch. Dennoch ein schöner Ort, gesäumt von Restaurants und wundervollen Gebäuden.

Auch in dieser Stadt viel Street Art.
Rosa’s Passage, die Mauern eines früheren Hotels wurden von der Künstlerin Joanna Rajkowska mit Spiegel-Mosaiken verkleidet.

Strassenkünstler und Musiker unterhalten die Passanten, viele Skulpturen zieren Trottoirs und Plätze.

Nächster Halt in Posen, wo es mir letztes Jahr so gut gefiel. Dann geht’s nach Deutschland, wo ich meine Freundin treffen werde zur nächsten Reise. Idee: Berlin – Rügen – Hamburg – ostfriesische Inseln – Dänemark. Mal schauen ……

In Lodz erfuhr ich seit langem mal wieder, dass ich offenbar doch etwas Adrenalin besitze. Ansonsten lässt mich das Alter tatsächlich gelassener werden. Gemütlich schlenderte ich zum Hauptbahnhof, ein futuristisch modernes, neues und fast menschenleeres Gebäude. Schalter eins schickte mich zu 7. Dort Achselzücken: Keine Züge ab hier nach Posen. Nächste Info: soll Bus nehmen, dann muss ich nicht umsteigen. Bus-Station gefunden im Bahnhof. Riesig, neu, keine Info, kein Ticketschalter, aber gemäss digitaler Infotafel soll es in ca. zwei Stunden einen Bus nach Posen geben. Also mache ich es mir gemütlich und arbeite am Laptop. WiFi? Fehlanzeige. Bloss zur Sicherheit ging ich fragen, was das rot Geschriebene bei meinem Bus heisse. Kein Bus heute. Dann halt Bahn. Doch diese fährt von einem anderen Bahnhof, Lodz Kaliska. Dorthin mit Tram 12. Ich hetzte und schaffte es gerade noch. Sonst hätte ich drei Stunden warten müssen. Für die Strecke von 251 km brauchte die Bahn über vier Stunden, 44 Stopps. Für knappe Fr. 7.-!

In Posen kenne ich mich ja aus. Relativ schnell fand ich mein Hostel direkt im Zentrum. Doch leider funktionieren alle drei WiFis nicht wirklich. So sitze ich in Restaurants und arbeite.
Letztlich blieb ich vier Nächte. Den letzten Nachmittag vor der Weiterreise musste ich ins Testen investieren: Eine Stunde Fahrt mit ÖV zum Spital, drei Stunden auf Ergebnis warten, da der Test in ein Labor gesandt werden musste. Am Abend verabschiedete ich mich von der Stadt.

Weiterreise nach Hamburg – Dänemark unter https://www.travel-memories.ch/2021-hamburg/


In Deutschland gelten die 3Gs (Eintritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete). So liessen wir uns alle 24 Stunden testen. Kein Problem, Zentren gibt es vielerorts, der Antigen-Schnelltest ist gratis bis im Oktober 2021.

Streik der Lokomotivführer vom 2. bis 7.9., die S-Bahnen fuhren seltener.