2008 Drei-Generationen-Roadtrip durch den Jura

2008 Roadtrip durch den Jura             15. bis 18. Juli

 

Das Reise-Gen habe ich bestimmt von meinem Vater. Er ist ein leidenschaftlicher Autofahrer. Im Militär lernte er als Motorfahrer fast jedes halbwegs befahrbare Strässchen im Schweizer Outback kennen. Viele liess er uns er-fahren …..

Ein Drei-Generationen-Roadtrip lag also auf der Hand. Wir drei Girls aus Zürich holten Grossvati in Büsserach ab und fuhren Richtung Jura. Erstmals fuhr ich auf der Jura-Autobahn. Kaum vorstellbar, wie schnell wir nun durch unbekanntes Gebiet nach St. Ursanne gelangten. Wir erkundigten die Kirche, überquerten die berühmte Brücke und holten uns ein Glacé als Stärkung für die Weiterfahrt.

Der nächste Halt bot eine riesige Überraschung. Personenschifffahrt auf dem Doubs? Ein See? Fahrt zum Wasserfall? Nie zuvor hörte ich von Les Brenets. Das Schiff glitt mit uns durch wildromantische Landschaft, vorbei an Höhlen. Von der Endstation führte ein kurzer Spazierweg zum Wasserfall.

Die vielen Eindrücke von diesem ersten Tag wollten wir nun verarbeiten. Im Naturfreundhaus Prise-Milord im Val-de-Travers fanden wir die perfekte Umgebung. Allerdings war das Haus geschlossen. Wir klopften, riefen – und tatsächlich öffnete sich die Türe. Einige junge Leute aus verschiedenen Ländern liessen uns eintreten. Sie bereiteten das Lager vor für die später eintreffenden Kinder. Wir durften ein Zimmer belegen und mit den Leitern Znacht essen. Zum Glück hatte ich natürlich Schlafsäcke dabei und Spagetti für alle Fälle – die Weltenbummlerin! So steuerten wir unser Essen bei und durften uns mit an den Tisch setzen. Wir unterhielten uns mal auf Englisch, mal auf Französisch oder auch in Deutsch. Was für ein Sprachenwirrwarr an diesem Tisch!

Vom Naturfreundhaus genossen wir den Blick auf einen Hut bzw. den Chapeau de Napoléon. Am nächsten Morgen machten wir einen Abstecher nach Frankreich. Nach kurzer Fahrt entdeckten wir am Horizont eine imposante Festung, http://www.chateaudejoux.com/de/. Da mussten wir natürlich hin. Wir besichtigten die Burg und genossen danach einen Snack auf dem schön angelegten Picknick-Platz.

Zurück auf Schweizer Boden entdeckten wir zwei wunderschön gelegene Seen. Am Lac du Joux, dem grösseren, hielten wir in Le Pont und flanierten dem Ufer entlang.

Nächster Shopping- und Kaffee-Halt machten wir in Yverdon-les-Bains. Ein wunderschönes Städtchen, das ich noch gar nicht kannte.

Gerne hätten wir in Bière übernachtet, wo Vati im Militär war. Er unterhielt uns mit spannenden Anekdoten aus seiner Dienstzeit. Doch so einfach war es nicht, in dieser ländlichen Gegend ein Hotel zu finden. Dank Navi wurden wir in Saint George fündig.

Der Genfersee präsentierte sich uns nicht von seiner attraktivsten Seite. Seine Grösse und die Weitsicht imponierten uns dennoch. Ebenso das prächtige Schloss in Nyon.

Nun konnten wir es kaum erwarten, die Weltstadt Genf zu entdecken. Die Geschäfte mit Edelmarken beeindruckten uns zutiefst, entsprachen aber leider nicht unserem Budget. Ein Souvenir immerhin erstanden wir in einem Warenhaus bevor wir ans Ufer fuhren und sogar einen Parkplatz fanden. Erstmals verlangte eine Parkuhr die Eingabe unserer Autonummer. Unglaublich! Natürlich kannte ich diese nicht auswendig. Die Girls gingen zurück zum Volvo und fotografierten das Nummernschild. So clever!
Und bald danach erlebte ich einen der schlimmsten Schockmomente meines Lebens.

Den Kindern wollte ich den Jet d’eau natürlich aus nächster Nähe zeigen. Vati blieb derweil in einem Café am Ufer, denn es war ungemütlich bei Regen und Wind. Die Kinder liefen vor mir über die Mauer. Plötzlich stand ich unter einem tosenden Wasserfall. Ich sah nichts mehr, wusste nicht, wo oben und wo unten ist, konnte mich kaum auf den Beinen halten. Mein erster Gedanke: Die Kinder! Sie wurden bestimmt in den See gespült. Als sich der Wasserschleier etwas lichtete, sah ich sie beide weiter vorne. Was für ein Glück und eine Erleichterung! Wir brachten uns schnell in Sicherheit. Wir waren klitschnass bis auf die Haut. Mein Schirm war zerfetzt.
Mit einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern schiesst das Wasser bis zu 140 Meter in die Höhe. Dies entspricht einer Masse von 7 Tonnen Wasser, welche sich gleichzeitig in der Luft befindet.

Nach diesem Schock sehnten wir uns nach einem sicheren und trockenen Ort und checkten beim erstbesten Motel bei Lausanne ein. Ob es heute das heutige Novotel ist? Wir fühlten uns wie bei McDonald. Einfach und clever eingerichtet. Die Metall-Kinderbetten waren an der Wand über dem grossen Bett befestigt. WC war draussen. Nach Verlassen wurde die gesamte Kabine abgeduscht.

Doch eigentlich interessierte uns das Zimmer nicht, wir wollten in die Stadt! Wir spazierten hoch zur Kirche, flanierten gemütlich runter in die Fussgängerzone, vorbei an Strassenmusikanten bei wunderschöner Abendstimmung.

Das Auftauchen eines VW-Busses liess mein Herz höherschlagen. Der Beifahrer muss in mir sofort das Fernweh erkannt haben und winkte mir freundlich zu. Wie schade, müssen wir morgen schon wieder nach Hause.

Doch diesen letzten Tag wollten wir auskosten. Am Morgen fuhren wir gleich an die Riviera, nach Ouchy. Was für ein Ferienfeeling! Die Kinder genossen ein Bad im Bassin und wollten fast nicht mehr raus. Da half bloss ein Trick: wir lockten mit einer Überraschung – wir mieteten ein Peddalo. Was für ein Vergnügen!

Im Lavaux kurvten wir auf engen Strässchen durch die Weinberge und genossen den Blick auf den Genfersee.

Als Abschluss dieses Trips besuchten wir das Dörfchen Gruyère. Natürlich besichtigten wir das Schloss und das Museum von HR Giger. Nach den gfürchigen Aliens hatten wir uns ein Dessert mit der berühmten Doppelsahne wirklich verdient.

Unterkünfte

Naturfreundehaus   www.prisemilord.ch  Val-de-Travers NE
www.aucavalier.ch  Restaurant Au Cavalier, 1188 Saint-George
Motel bei Lausanne   www.accorhotels.com    Novotel Lausanne Bussigny

 

Premiere mit Navi

Mit Vati kommen wir natürlich immer ins Ziel, das neu erworbene Navi-Gerät sollte seine Routenführung bloss begleiten. Wir konnten es kaum fassen, was dieser kleine Computer alles konnte:
Hotel eingeben, und schon erschienen die nächstgelegenen mit Namen und Telefonnummer. Da wir schon ein Handy besassen, konnten wir von unterwegs anrufen und reservieren. Wie Science fiction!
Etwas nervig war es in Frankreich schon, als das Ding immer wieder aus unerklärlichen Gründen piepste. Vati meinte zum Spass, es komme nun sicher ein Radar. Und genauso war’s. Unglaublich!
Selbst zur nächsten Tankstelle unserer Marke wurden wir schnurstracks über Wiesen und Felder gelotst.
Wir schafften es sogar den Standort unseres Motels im Nowhere zu speichern und nach der City Tour zur späten Stunde auf direktem Weg an unsere Unterkunft zu fahren. Woww, was kurvte ich früher auf Reisen durch Städte und Orte, bloss um unser Hotel wiederzufinden! Das Navi ist eine sensationelle Erfindung!