1991 Philippinen

1991 Philippinen – Hongkong

5. Februar bis 5. April 1991

travel route philippines 1991
Reiseroute

Die Eindrücke

Diese Reise war entspannter als die erste 1984. Die Infrastruktur hatte sich verbessert (Strassen, Hotels, usw.).
Der Mord aus Blutrache, den ich hautnah auf meiner ersten Reise miterlebte, sensibilisierte mich für Traditionen der Eingeborenen – wir drangen in ihre uns fremde Welt ein.
Manila hingegen war eine «moderne» Stadt. Nach Indien genossen wir die «Zivilisation»: Nachtleben, abwechslungsreiches Essen in internationalen Restaurants, Rockmusik, neue Technologien, usw.
Nach Hause zu telefonieren klappte auf Anhieb.
Die Air India in Manila besass seit einer Woche Computer, was das Buchen und Bestätigen der Flüge erleichterte. Flugrouten und -zeiten hatten sich geändert wegen dem Irak-Krieg.
Die Nachricht über das Ende dieses Krieges erreichte uns am 28.2. in einem wunderschönen Beach Resort. Wie waren wir erleichtert!
In Baguio entsetzten uns die noch sichtbaren Schäden des Erdbebens. Als Folge dieser Tragödie hingen in allen Restaurants Plakate, wie man vorsorgen soll (z.B. das Verhalten von Tieren beobachten). Immer wieder trafen wir Rettungs-Teams bei Übungen.
Todesängste stand ich im Nussschalenboot bei Sturm auf dem Lake Taal aus. Wir kamen kaum nach, die reinschiessenden Wassermassen mit Kübeln zurück ins Meer zu schütten.
Die Route war in etwa dieselbe wie sieben Jahre zuvor. Entsprechend begeisterten mich wiederum die Höhle bei Sagada, die Reisterrassen, Chocolate Hills und Boracay. Im Süden genossen wir oft Palmen, Sand und Meer, liessen es uns gut gehen.

Die Reise

An Max’ Geburtstag flogen wir von Delhi via Bangkok und Hongkong nach Manila. Das war ein besonderes Geschenk.

Faszination und Entsetzen löste wiederum der Besuch des Chinesischen Friedhofs in Manila aus. Es ist eine Stadt mit Strassennamen, Marmorvillen mit Küchen, Bad, TV-Raum, Briefkasten, oft air-conditionned. Und das inmitten eines Slums.

chinese cimetery in manila

In Banaue unternahmen wir ausgedehnte Spaziergänge durch die traumhafte Welt der Ifugaos.

rice terraces philippines

ifugao house Banaue

Die Höhle bei Sagada zog uns erneut in ihren Bann. Der Guide war der selbe wie früher, der Spitalkoch, mittlerweile 82 Jahre alt. Zum Abschied gab er uns seine Visitenkarte.

cave sagada

Die Folgen des Erdbebens wurden uns in Baguio erstmals wirklich bewusst – der Schutt der eingestürzten Häuser prägte noch immer das Zentrum.

ruins in baguio after earthquake

Manila war ein Schock: Lärm, Abgase, Hitze und Schmutz. Wir verliessen die Stadt gleich wieder Richtung Süden, zum Lake Taal, einem Naturwunder. Aus einem Vulkansee ragt ein Vulkan mit einem eigenen See. Aus einem Vulkankrater dampft und raucht es. Als wäre das nicht schon eindrücklich genug gewesen, kam auch noch ein Sturm auf. Unser Guide wartete lange, doch irgendwann mussten wir ablegen und zur Rückfahrt starten. In dem engen Nussschalenboot mit Bambusausleger sassen wir zu viert hintereinander. Die Wellen wirbelten das Boot nur so herum. Die Wellen spülten Wasser in Massen rein. Mit Kübeln kämpften wir gegen unseren Untergang. Selten hatte ich so grosse Angst. Doch wir erreichten das rettende Ufer, wenn auch nass bis auf die Haut.

surviving the boat trip lake taal

Die Stromschnellen-Fahrt in Pagsanjan wollte ich unbedingt nochmals erleben. Die Bootsführer waren allerdings nicht mehr so fit wie die früheren, die mich total beeindruckten mit ihrer Ruderkunst und den Kenntnissen des Flusses. Mittlerweile war es ein touristisches Business.

pagsanjan boat

Es folgten entspannte Tage an unterschiedlichen Stränden. Meist waren wir die einzigen Gäste, die Bungalows und Restaurants waren oft in sehr schlechtem Zustand. Wir verpflegten uns selbst: Tomaten, Gurken, Thon aus der Dose.

beach resort philippines

Wir besuchten Tropfsteinhöhlen, genossen Fahrten übers Meer, …

Marcos bridge and toilet on boat
Marcos-Brücke und Klo auf dem Auslegerboot (grad besetzt – siehe Hand)

Die Busfahrt auf der Holperstrasse zu den Chocolate Hills auf Bohol nahm ich nochmals in Kauf. Dieses Mal jedoch wohnten wir im Hotel mittendrin und genossen einen herrlichen Sonnenaufgang.

chocolate hills philippines

Als Abschluss dieser Reise gönnten wir uns traumhafte Tage auf der paradiesischen Insel Borocay:

old boracay beach

old boracay bungalow

Hongkong war ein Kulturschock, eine andere Welt. Ich erinnere mich, dass Geschäftsmänner auf der Strasse mit Handys telefonierten – wie oft erzählte ich das zu Hause und meinte: die spinnen einfach!
Sechs Jahre später, 1997 übergab Großbritannien die Kronkolonie Hongkong an China. Dieses historische Ereignis warf seine Schatten voraus, wurde überall thematisiert. Unvorstellbar, wie ein Wirtschafts- und Finanzzentrum kommunistisch werden soll.

street in hongkong 1991
Um in unser Zimmer im zigsten Stock zu gelangen, mussten wir jeweils minutenlang auf den Lift warten, in der Schlange anstehen.

Buses in Hongkong

Dem Ende dieser Reise sahen wir mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits bedeutete dies das Ende einer langen «Ferien»-Reise, wahrscheinlich der letzten, denn zu Hause stand uns der Umzug von Regensburg nach Zürich bevor, der Beginn einer neuen Ära. Max hatte einen Job bei Ringier in Aussicht, ich musste erst noch Arbeit finden.
Die Tür zur Zukunft stand weit offen!