2021 Dänemark

Die Reise hierher führte mich durchs Baltikum und via Hamburg.

In Flensburg in den Zug gestiegen und nach kurzer Fahrt die Grenze zu Dänemark passiert! Die Schaffnerin ohne Maske! Ich fragte per Handzeichen, ob das ok ist. Und so fuhren wir seit Monaten erstmals ÖV ohne Mund- und Nasebedeckung. Am 10.9. wurden landesweit jegliche Covid-Massnahmen aufgehoben. Was für ein „neues“ Leben!

Ribe 9.-11.9.

Ein schönes Städtchen mit pittoresken Gassen und hübschen Backsteinhäuschen, Fussgängerzone, Kathedrale, vielen Restaurants und sogar Bäckereien!

Der Stadtplatz mit Kathedrale

Zu unserem Tiny Haus auf einem Campingplatz mit Fischweihern mussten wir 2 km wandern. Eine Busverbindung in die Stadt gibt es ebenso wenig wie einen Fahrradverleih.
Leider findet während unserem Aufenthalt keine Wattmeerwanderung statt, wegen der wir hier angereist sind. Zur Robben-Safari auf der Insel Fano ist die Anreise mit ÖV eine Herausforderung. Einzig die Insel Mando ist relativ gut erreichbar, ca. 6 km bis zur Stelle, wo ein Traktor mit Anhänger einmal täglich zur Insel fährt, je nach den Gezeiten um 10/11 Uhr und zurück um 13.30/14.00 Uhr.
Also liehen wir uns in der Jugendherberge (interessante Infos auf der Website) E-Bikes. In den letzten zwanzig Jahren sass ich einzig in Amsterdam auf einem Zweirad – aber ich schaffte es! Es machte mir sogar riesigen Spass. Ich hätte das Rad am liebsten gleich behalten.

Nach 6 km den ersten Blick aufs Meer.
Die Schleuse mit Brücke, die sich gerade wieder senkt.
Das Schleusen-Tor
Die Fahrspur zur Insel Mando, auf welcher ein Traktor während der Ebbe Bescher übersetzt.

Mit den Velos schlugen wir natürlich diesen Weg ein. Ich hielt an für ein Foto und bemerkte, wie das Wasser schnell anstieg, die Flut kommt. Wir drehten und mussten bereits eine ca. 50cm tiefe Rinne passieren. Das Wasser steigt während der Flut um zwei Meter an. Ob ein E-Bike notfalls auch schwimmen könnte?

Samstag war Reisetag. Auf dem Campingplatz hatten wir WiFi und wollten die Bahntickets kaufen. Doch die beiden Rezeptionisten konnten uns nicht behilflich sein mit der App. In Dänemark würde niemand Bahn fahren ausser Schüler und Studenten. Wir könnten durchaus die Einzigen sein im Zug. Waren wir nicht ganz, und dem Ticketautomaten konnten wir die Fahrkarten entlocken. Kontrollen sahen wir noch keine. Die Einheimischen besitzen meist eine Bahn Card, mit der Sie an einem Gerät beim Bahnhof jeweils Ein- und Auschecken.

Aalborg 11.-14.9.

Aalborg empfing uns regnerisch, dennoch unternahmen wir einen Abendspaziergang zurück über die Brücke.

Die Innenstadt ist ganz nett, wir assen japanisch und wurden nicht wirklich satt. Ungewohnt, dass sich vor Clubs Menschenschlangen bilden, Corona-Einschränkungen gibt es ja keine mehr. Die Kehrseite: In der Nacht um 4 Uhr weckten uns die anderen Gäste, als sie nach Hause kamen. Im Zug am Morgen nach Skagen schlummerten einige Heimkehrer.

Wir kamen entspannt an, doch der Bus ins zwei Kilometer entfernte Grenen, am nördlichen Ende von Dänemark, fährt bloss während einem Monat, bis Anfang August. Also wandern!
Noch einen Blick in die Fussgängerzone bevor wir an Einfamilienhäusern vorbeischlenderten, welche meist in gelber Farbe leuchteten und von wunderbaren Gärten umgeben sind.

Die Wolken begleiteten uns, verschwanden so schnell wie sie wieder auftauchten und uns mit ihren Schattenspielen im Sand erfreuten. In Strandnähe einige Tanker und ein Kreuzfahrtschiff. Meine Freundin hatte kaum ein Auge dafür, sie zog es ins Wasser. Es sei wunderbar!

Nach etwa einem Kilometer tauchen Militärbunker auf, welche die Deutsche Küsten-Batterie im zweiten Weltkrieg baute.

Der erste Leuchtturm taucht auf.

Etwas später sind von weitem die Touristen zu erkennen und der Traktor, welche sie zum Parkplatz und dem Strand fährt, wo Robben zu entdecken sind. Wir sichteten leider bloss zwei Tote.
Dieser Ort zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Landes und wird jährlich von ca. einer Million Menschen besucht. Sogar thailändische Mönche strahlten mit ihren orange/gelben Gewänder aus der Menge.

An diesem nördlichen Ende von Dänemark treffen die Ostsee und die Nordsee aufeinander. https://www.breierblog.de/zwei-meere-treffen-aufeinander-grenen-bei-skagen-in-daenemark/.
Es ist gut zu sehen, wie die Wellen aus zwei Richtungen aufeinander zukommen und sich treffen. Ich watete ins Wasser und versuchte je einen Fuss in eines der Meere zu stellen.

Den einsamen Strand auf der Westseite mussten wir geniessen. Ein wunderschöner Spaziergang im ständig wechselnden Licht.

Bevor wir uns bei Gegenwind auf den Rückweg zum Bahnhof machten, genossen wir noch einen Blick zurück auf diese einzigartige Szenerie.

Aarhus 14.-16.9.

Nach Aarhus reisten wir an jenem Tag, weil der Bundesrat am 15.9. über eine Quarantäne-Pflicht für nicht geimpfte Einreisende in die Schweiz entscheiden wird, die bereits ab Montag gelten würde. So können wir noch Kopenhagen kurz besichtigen und von dort die Heimreise antreten.

Am Bahnhof beginnt die Fussgängerzone. Wir wurden gleich von oben begrüsst.

Ein Kaffee war überfällig. Wir genossen ihn direkt am Wasser.

Das erste Ziel war das DOKK1, eine riesige Bibliothek mit Aussichtsplattform rundum, ähnlich der Elbphilharmonie.

Doch wo bloss war die Tourist Info? Also genossen wir erstmals die Rundsicht und erhielten einen Eindruck von dieser Stadt.

Nach dem Einchecken ging’s erneut auf Tour. Von unserer Unterkunft im Zentrum gingen wir bloss ums Eck, und schon zog uns der Regenbogen des Kunstmuseums ArOs in seinen Bann. Leider kann er bloss mit Museums-Ticket begangen werden, dafür war es zu spät an diesem Tag.

Am folgenden Tag umrundete ich das Rainbow Panorama gleich zweimal.
Blick beim Thai-Dinner aus dem Fenster
Die Kathedrale von Aarhus

Am meinem zweiten Tag in Aarhus legte der Regen kaum eine Pause ein.
Entlang der Uferpromenade wurden Tribünen aufgebaut, Zelte, …. – und das Gebiet war weiträumig mit Gitterwänden abgesperrt. Sogar im Wald. Wie mir ein Herr erklärte, findet jedes Jahr das Classic Race statt, also ein Oldtimer-Rennen. Er persönlich hat kein Verständnis dafür. Selbst die Liegenschaften werden abgeriegelt, die Bewohner müssen ins Hotel ziehen.
So zog ich in die Parks. Die See war eh rauh, der Wind stürmisch, der Regen peitschte. Das angrenzende Waldgelände ist riesig, kaum ein Mensch war unterwegs. Ich kam an mehreren Weihern vorbei. Die Landschaft war mal idyllisch, mal wild, teils mutete sie subtropisch an. Da sich das Tivoli (Vergüngungspark) in der Nähe befindet, ragten immer wieder Bahnen aus den Baumwipfeln. Im Gelände befindet sich auch das Athletik-Center.

Ebenso befindet sich in der Nähe das Marselisborg Slot, die Sommerresidenz von Königin Margrethe. Auch in diesem weitläufigen Park war kein Mensch unterwegs, ich konnte die Gärten, die Teiche und Skulpturen ungestört geniessen. Die Häuschen der Gardisten hätten perfekten Schutz geboten vor dem Regen, doch traute ich mich doch nicht.

Mit dem Bus zurück in die Stadt, ein Rundgang durch die schönen Gassen und als Stärkung eine heisse Schokolade mit Sahne. Dann zog es mich zum Regenbogen, zum Museum ArOs.

Die Ausstellung „Fahr from Home“ war natürlich erstes Ziel. Ja, wo sind wir eigentlich zu Hause?

Das Highlight dieser Ausstellung scheint der fünf Meter hohe The Boy zu sein vom australischen Künstler Ron Muecks. Ja, wirklich beeindruckend.

Der Regenbogen machte an diesem Tag seinem Namen alle Ehre.

Die Regentropfen schaffen ihr eigenes Kunstwerk.

Kopenhagen 16.-18.9.

Die Fahrt von Aarhus nach Kopenhagen dauert mit dem Flixbus 3 1/2 Stunden. Dabei überquert man mehrere Wasserstrassen. Die längste Brücke ist die 18 Km lange Storebælt über den Großen Belt, die Ost- und Westdänemark mit einander verbindet.
Von einer der früher passierten bot sich ein beeindruckendes Licht-/Schatten-Spiel.

Die erste Tour führte uns am Rathaus vorbei in die Fussgängerzone der Altstadt.

Schloss Christiansborg. Früher war es das Zuhause der Königsfamilie, heute befindet sich das Parlament von Dänemark unter den Dächern von Christiansborg.

Türme beeindruckten mich ganz besonders. Jener auf dem Bild oben ist das markanteste Zeichen der Börse in Kopenhagen mit 54 Meter Höhe einer der originellsten Turmspitzen der europäischen Architektur. Wie die Stränge eines Taus sind die senkrecht in die Höhe ragenden Schwänze von vier Drachen miteinander verschlungen.

Ebenso spektakulär und sogar begehbar ist der Turm der Frelsers Kirche. 400 Stufen bis zur 100 m hohen Spitze. Dieser Turm ist der einzige der Welt, der eine begehbare Wendeltreppe hat, die außen verläuft. Die Aussicht ist spektakulär.

Im Hintergrund rechts die Verbrennungsanlage, auf deren Dach Richtung Meer eine Ski- und Snowboard-Piste errichtet wurde.
Am Ende der Wendeltreppe ist ein leichtes Schwanken des Turmes bemerkbar.

Unweit der Kirche befindet sich das Quartier Christiania, eine eigene kleine Stadt mitten in Kopenhagen. Der legendäre „Freistaat“ wurde 1971 von Hausbesetzern gegründet, die ihre eigenen Gesetze festlegten. Entsprechend Aussergewöhnliches kann dort beobachtet werden. Filmen und fotografieren verboten.
Wir warfen nach einem Rundgang nochmals einen Blick auf den davor bestiegenen Turm.

Der zweite Tag in Kopenhagen war leider etwas wettermässig eher düster. Dennoch konnten wir alle geplanten Sehenswürdigkeiten besuchen.

In der Fussgängerzone und Shopping-Meile
Die Wachtablösung beim Schloss Amalienborg. Jeden Tag wandern die Wachen vom Schloss Rosenborg in ca. 20 Minuten hierher zur Wachtablösung.
Die Frederiks Kirche
Schloss Rosenborg
Der runde Turm. Speziell ist der Aufgang ohne Stufen, weil früher Pferde Waren in den oberen Teil des Turms transportieren mussten.
Zuoberst befindet sich das älteste Observatorium Europas.
Der Eingang zum Tivoli
Ob ich das noch einmal sehen werde: Menschen ohne Masken, dicht gedrängt vor dem Eingang zu einer Veranstaltung.

Da der Bundesrat an jenem Freitag eine Testpflicht ab Montag beschloss, reisten wir am Samstag nach Hause. Immerhin wurde von einer Quarantäne-Pflicht abgesehen.

So schoben wir unsere Koffer am Samstagmorgen durch ein nettes Quartier Richtung Busstopp und HB. In den Cafés genossen die Menschen ihr Frühstück, lasen Zeitungen, kauften ein. Sehr schöne Geschäfte, viele Kinder – einfach sympathisch.

Da der Bus erst zweieinhalb Stunden später fuhr, setzten wir uns auf ein Bänkchen in einem Park nahe des Busbahnhofes. Als wir dann in dessen Strasse ankamen, entdeckten wir weder Haltestellen noch Wartehäuschen. Wir kamen doch hier an, an den Geleisen. Kann doch nicht sein. Wir wurden nervös, die Zeit drängte. Da stoppte meine Freundin einen Radfahrer. Der meinte, die Haltestelle sei schon an dieser Strasse, aber doch einiges weiter vorne. Er könnte uns aber hinfahren, sein Auto stehe direkt gegenüber an der Strasse. Gibt’s sowas? Doch unglaublich! Und er chauffierte uns tatsächlich. Ich konnte es kaum glauben. So ein Zufall, Glück? So erwischten wir den Bus nach Hamburg noch. Viereinhalb Stunden Fahrt, doch mit einer Überraschung: Über die Grenze fuhren wir auf einer Fähre. In dieser Stunde genossen wir die Meeresbrise, den Ausblick und lunchten an einem Tischchen draussen. Herrlich!

Ein weiterer Glücksfall: 15 Minute Paus in Lübeck. Das war wohl meine schnellste „Stadtbesichtigung“ ever.


In Hamburg hatten wir zweieinhalb Stunden Aufenthalt. Perfekt fürs Dinner. Und dann von zehn bis zehn Uhr die Fahrt nach Hause.

Etwas plötzlich, zwei Wochen wollte ich mindestens noch bleiben. Doch sobald es Corona zulässt, werde ich den Koffer wieder packen.