1984 Australien – Tagebuch

Australien  17.2.–1.4. und 4.5.-16.5.1984

Australien wurde nicht zu meinem Traumland.
Mir fehlten Kultur, Geschichte, Freiheit bzgl. Jugi-Öffnungszeiten und guter ÖV.
Entsprechend liest sich das Tagebuch: voller Alltäglichem, wenig Aufregendes.
Mit Schreiben schlug ich oft die Zeit tot.

Im Flug von Manila nach Melbourne machten wir eine Zwischenlandung in Sydney. Wenn wir das gewusst hätten, wären wir natürlich nach Sydney geflogen. Wir haben eben unser Dinner hinter uns: Chicken, Reis, Rüeblisalat, Dessert, Brötchen, französische Butter und Camembert. Ist das eine Menu! Dieses Wort kennen wir schon fast nicht mehr. Als zusätzliches Dessert gabs noch eine Schlechtwetterfront.

Manila hat den schönsten internationalen Flughafen, den ich je sah – doch auch der ruhigste. Vier Flüge heute Abend. Wir starteten mit einer halben Stunde Verspätung, aber just im Moment, als ein Jumbo landete. Auf dem Weg zur Startbahn wären wir beinahe zusammengestossen, beide haben sofort gestoppt, dann standen beide eine Weile, bis einer schliesslich das ok bekam. Dann rollten wir weiter. Als wir auf die Startbahn einmünden wollten, flog uns ein landendes Flugzeug vor der Nase vorbei.
Schliesslich hatten wir doch einen wunderschönen Start, das Licht wurde gelöscht, damit wir besser das Lichtermeer von Manila sehen konnten – war echt fantastisch. Wie ich der Philippine-Airline-Zeitung entnehmen konnte, dauert unser Flug inklusive Zwischenlandung in Sydney zehneinhalb Stunden!! Australien liegt doch ferner, als ich mir das vorgestellt habe. Jetzt bin ich todmüde, die Popmusik fördert bestimmt auch das Einschlafen!
Geschlafen habe ich zwar nicht, bin aber ok, ausser überessen. Nur etwa vier Stunden nach dem Dinner gabs Frühstück: Rührei, Speck, Tomaten, Pilze, Fruchtsalat (Erdbeeren, Ananas, Papaya), Weggli, Butter, Confi, Camembert, Blätterteiggebäck, Orangenjus und Kaffee. Wer mag das alles essen? Währende dem Frühstück ging die Sonne auf – fantastisch, wie ein Feuerball. Eben haben wir die üblichen Formulare ausgefüllt. Zeitweise hatten wir sehr starke Winde, selten wurden wir in einem Flugzeug so durchgeschüttelt, aber kein Vergleich zu früheren Jeepney-Fahrten.
Es geht abwärts nach Melbourne. Schon wieder Snack erhalten: Tripledecker-Sandwich und Schoggiroulade. Nehmen wir mit.
In Sydney kamen wir mit einem jungen, direkt aus Tokio Reisenden aus Melbourne ins Gespräch. Er sagte, seine Freundin komme ihn abholen, so dass wir mit ihnen ins Youth Hostel fahren können. Hoffentlich klappt das, wäre ideal.
(Mit Steve uns Cate hatten wir eine tolle Zeit. Später kamen uns die beiden in der Schweiz besuchen mit ihrem Töchterchen Mia und Cates Eltern.)
Erster Eindruck von Sydney: sehr freundliche Beamte mit kurzen Hosen und hohen weissen Socken. So kamen auch die beiden «Sprayer» zur Desinfektion ins Flugzeug. Mir wurde angst – was machen die? Die Handgepäck-Ablagen mussten geöffnet werden, danach gingen die Herren sprayend durch das Flugzeug. Und wir kamen mit unseren Schoggirouladen in der Hand zum Zoll! Deswegen mussten wir abseits allen Inhalt unserer Rucksäcke ausbreiten! Natürlich fand man nichts Verbotenes. Danach wechselten wir gleich 200$ ein, bevor wir wie abgemacht Steve trafen mit seiner Freundin und Schwester. Wir waren froh mit in die Stadt fahren zu können. Die Jugi war noch bis 17 Uhr geschlossen. Erst gingen wir mit den beiden in deren Wohnung Kaffee trinken, dann machten sie mit uns eine Stadtrundfahrt. Eine wirklich sehr schöne Stadt, ganz amerikanisch die breiten Strassen, Lastwagen, Häuser, Einfamilienhäuser wie Wolkenkratzer. Es fahren schöne, neue Trämlis. Mit einem fuhren wir dann alleine in die Stadt, zur Post. Da herrscht eine vorbildliche Aufbewahrung von Poste-Restante-Post. Vier Briefe waren für uns da!! Diese lasen wir sofort auf der Treppe des Postamtes. Danach machten wir einen kurzen Bummel – Preise passen nicht in unser Budget. In einem Warenhaus machten wir dann eine Besichtigungstour und kamen nicht mehr aus dem Staunen: Fische, Würste, Aufschnitt, Sandwiches, Salate, Torten, Käse, usw. Wie im Schlaraffenland. Wir kauften zwei Klöpfer. In einer Buchhandlung schafften wir uns noch eine Australienzeitung, einen Reiseführer und die Zeitung an. Danach gingen wir einen Cappuccino trinken, bevor wir mit dem 57er Tram zurückfuhren. Nicht lange waren wir mitgefahren, als ein Auto in unseren Waggon krachte. Nach einigen Minuten kamen wir dann weiter. Als wir bei unseren Kollegen ankamen, schlief Steve. Kathi fuhr uns in die Jugi. Wir checkten für drei Tage ein und bezahlten zusammen total 36$. Jetzt müssen wir eben getrennt schlafen! Bei mir im Zimmer herrscht ein derartiges Chaos, dass ich kaum noch einen fussgrossen Freiplatz ausfindig machen konnte. Ansonsten ist es ein wunderschönes Haus, sehr sauber mit einer grossen Küche zur freien Benutzung. Wir gingen nochmals hinaus um was Passendes zu unseren Würsten zu finden. Änisbrot, Joghurt und Fertig-Ovomaltine in der Tetra-Packung. Immerhin, es hat geschmeckt!

18.2.
Heute Morgen kauften wir uns eine Tram-Tageskarte und fuhren bis zum Viktoria Market, wo wir erst mal frühstückten. Der Kaffee ist hier wie Cappuccino, wenig Kaffeewasser, viel Milch, fester Schaum und Schokoladenpulver drüber. Ziemlich Schwachstrom. Ich kaufte eine Sonntagszeitung, war fast ein Buch, denn Seiten waren gefüllt mit Autoverkäufen und Stellenanzeigen. Der Viktoria Market ist ein Hit, so viel Gemüse und Früchte, Kleider, Schallplatten, Schmuck, usw. Man kann also hier alles kaufen. Zu Fuss gingen wir ins Zentrum, der «Töffstrasse» entlang. Wir konnten uns kaum sattsehen an diesen Maschinen, viele Harleys darunter. Zudem könnte so viel Zubehör, Kleider und Ersatzteile gekauft werden. Womöglich können Töffs gemietet werden, denn dutzende standen mit Nummernschildern vor den Geschäften. Auch auf der Strasse sieht man viele solcher Vehikels.
In der City wollten wir dann Lebemsmittel einkaufen, was sehr schwierig ist. Um 12 Uhr schliessen die Läden samstags, so dass wir echt in Zeitdruck kamen. Schliesslich kauften wir doch wenigstens Brot, Butter, Teebeutel, Joghurts und Käse. Danach nutzten wir unsere Tram-Billette aus. Erst gings zum Kriegsdenkmal, ein grosses Steingebäude inmitten einer schönen Grünanlage. Innen gabs nur Kränze und Gedenktafeln zu sehen, doch umso schöner war der Ausblick von der Terrasse. Danach nahmen wir zwei Mal ein Tram stadtauswärts und wieder zurück. Zwar eine wirklich schöne Stadt, doch Sehenswürdigkeiten an sich gibt’s keine. Dafür fanden wir etwas ausserhalb einen Obst- und Gemüsemarkt, wo wir Ratatouille-Zutaten einkauften. Dies köchelt gerade in der Pfanne. Die Milch-Bar gleich gegenüber des Hostels hatte noch offen bei unserer Rückkehr, so kauften wir noch eine Flasche Schweppes und Butter. Hier im Hostel trafen wir fünf Deutsche, welche uns bereits nützliche Informationen für unseren Trip geben konnten. Läuft bis jetzt also alles ok.

19.2.
Heute Morgen wartete ich fast eine Stunde lang auf Joschi. Schliesslich ging ich ihn wecken. Nach dem Frühstück holten wir den Berliner aus den Federn. Der fragte uns, ob wir unsere «Duties» schon erledigt hätten. Duties?? Na ja, da hängt jeden Tag ein Plan aus, was jeder Gast putzen muss. Aha! Also Joschi musste alles herumstehende, gebrauchte Geschirr waschen, abtrocknen und verräumen, ich musste den Lady-Dusch- und Toilettenraum aufziehen. Haben wir gerade noch geschafft vor 10 Uhr, bis zur Hausschliessung. Wir nahmen einen Bus, kauften eine «Anywhere»-Karte, fuhren zum Bahnhof, nahmen einen der supermodernen «Suburb-Trains» bis zur Station des Puffing Billys, der berühmten Dampfbahn.

Steaming Billy

War ein teurer Spass und nicht gerade umwerfend. Zwar war die Aussicht vom Dampfzug aus zum Teil schon schön, auch dank des guten Wetters, doch bei der Endstation gabs einen See und Swimmingpool. Das ganze Areal war total überlaufen von Ausflüglern. Einzig Interessantes waren die beiden Wasserrutschbahnen. Ich verzichtete auf eine Besichtigung der Modelleisenbahn, kostete $ 2.-. Joschi war enttäuscht, da die Anlage sehr primitiv aufgebaut war, das Billigste vom Billigen. Also fuhren wir zurück. Eine Weile lang konnte ich schlafen, bin so müde, denn gestern diskutierte ich bis etwa 01.30 Uhr mit einer Kanadierin und einem Deutschen. Heute möchte ich noch mindestens einen Teil der Korrespondenz erledigen, morgen müssen wir hundert Dinge erledigen.

20.2.
Gestern Nacht fing ich noch einen Brief zu schreiben an für daheim, doch dann diskutierten wir mit zwei frisch angekommenen Schweizern. Vielleicht schaff ich’s heute.
Im besten Kostüm machten wir uns auf den Weg zur Swiss Bank Corporation. Diese befindet sich im 47. Stockwerk. War das eine fantastische Aussicht Ein Angestellter schrieb in unserem Namen einen Brief (Telefax) – in etwa drei Tagen können wir das Geld bei einer gegenüber liegenden Bank abholen. CHF 6’000.-. Danach machten wir uns auf zur indonesischen Botschaft. Als wir vor dem Haus standen, wars eine Klinik. Wir checkten alles nochmals durch, schien aber zu stimmen. Da kam gleich der Pöstler. Er meinte, die Adresse sei Melbourne South, wir befanden uns North. Per Tram kamen wir ungefähr in die Gegend. Nach etwa einem Kilometer Marsch fanden wir’s endlich. Einem Flugblatt konnten wir entnehmen, dass man bis zu zwei Monaten ohne Visum bleiben kann! Umso besser. Nach einem Snack gingen wir zu einem Reisebüro und kauften die Tickets nach Neuseeland, was pro Nase $ 382.- kostete. Während dem Ausstellen der Tickets gingen wir Geld wechseln, dann Tickets abholen und auf zur Garuda. So fuhren wir in die City zurück, fragten einen Polizisten, welcher auch nichts Genaues sagen konnte. Also gingen wir zur Post. Da gab’s ganz genaue Pläne. Doch Joschis Adresse der Garuda lag weit, weit ausserhalb. Gegenüber der Post gingen wir nochmals im Telefonbuch nachschauen – es gibt auch ein Office mitten in der City!! Die Angestellte war sehr nett. Wir buchten gleich alles bis Zürich: Ankunft am 18. Juli 1984 um 06.10 Uhr!

21.2.
Heute Morgen ging’s auf das Schweizer Konsulat. Wir füllten einen Zettel aus als Beweis unseres Auslandaufenthaltes wegen der Militär-Ersatzsteuer. Lasen noch einige Zürcher Zeitungen, bevor wir die Zeit mit Lädele totschlugen. Auf jener Tour trafen wir mehrmals zwei Schweizer von der Jugi, welche heute Abend weiterreisen. Um Geld zu sparen, gingen wir zu Fuss zurück, kauften unterwegs noch ein. Endlich wieder einmal Steak, Nudeln und braune Sauce. Jetzt gerade sitzen wir in einer Wäscherei, die Wäsche ist bereits im Tumbler. Herrlich! Der hohe Standard hat schon seine Vorteile!
Als wir heute Morgen mit dem Tram in die Stadt fuhren, krachte doch prompt wieder ein Auto in unseren Wagen. Dieses Mal war der Schaden noch schlimmer, so dass wir bei der nächsten Kreuzung in ein anderes Gefährt umstiegen, denn wir hatten zwei-Stunden-Karten gekauft.

22.2.
Wir sitzen gerade in einem Park nahe der City. Es ist 13 Uhr und recht kühl. Heute Morgen kamen wir wiederum zu Fuss in Zentrum, gingen dann das reparierte Zoom abholen. Der Geschäftsinhaber ist ein ehemaliger Deutscher, Herr Schmidt, er erzählte uns viel von der Bodenseegegend, wo er wohnte. Als wir auf unsere Dia-Filme zu sprechen kamen, rief er Agfa an um sich zu informieren. Wir konnten dann 15 Filme abgeben. Er wird sie morgen weitergeben, nächsten Dienstag sollten sie entwickelt zurückkommen, so dass wir sie dann in drei Monaten, vor unserm Weiterflug abholen können. Hoffentlich klappt das alles! Zudem hatten wir heute eine grosse Tasche in der Jugi deponiert mit Utensilien, welche wir bis zum Weiterflug nicht brauchen werden. Jetzt haben wir zwei leichte Rucksäcke!! Toll!!
Auf der Bank hatten wir kein Glück. Kein Geld für uns angekommen! Auf dem Rückweg schauten wir noch eine Fotoausstellung an: beste Pressebilder 1983. Es waren wirklich gute Bilder darunter. Vor der Jugi gönnten wir uns noch ein Eis. Hoffentlich ist morgen das Geld hier, damit wir endlich abhauen können. Es wird langsam langweilig!

23.2 Port Fairy
Bald 22 Uhr, wir sind eben hier in der Jugi angekommen. Heute Morgen gings recht hektisch zu: Nach den Duties rief ich die Bank an, doch Geld war keines angekommen. Was nun? Nach kurzer Diskussion entschieden wir abzureisen. Schnell die sieben Sachen packen, Tramroute checken und ab ging die Post. Reichte gerade noch bis 10 Uhr. In der Hitze des Gefechtes vergassen wir unsere Lebensmittel – viel war’s zwar nicht mehr. Zuerst gings zur Post, wo ich einen Brief vorfand. Wir sahen, dass nicht abgeholte Post bereits nach einem Monat retour geschickt wird. Daher wollten wir fragen, ob man sie uns nicht nach Sydney nachschicken könnte, doch dafür hätten wir Formulare ausfüllen und Gebühren bezahlen sollen, also liessen wir’s sein. Weiter gings zur Bank – kein Geld! Wir wollten es uns nach Sydney überweisen lassen. Als das ok war, telefonierte der Bankangestellte nochmals – das Geld war in der Hauptbank angekommen! Also nichts wie hin. Einen Teil bezogen wir in cash, den Rest A $ Traveller-Checks. Dann nahmen wir einen Zug nach Geelong. Nach einem Marsch durch die halbe Stadt situierten wir uns erstmals am Strassenrand. Die Lage war nicht ideal, wir befanden uns noch immer auf Stadtgebiet. Doch nach nicht langer Zeit nahm uns ein freundlicher Mann vier Meilen weit mit. Er lud uns zu sich nach Hause ein, offerierte uns Tee und Sandwiches, dazu schenkte er uns auch noch zwei Landkarten. Er ist Minister. Nach dem Lunch führte er uns hinaus an eine gute Stelle, wo wir auch bald wieder einen Lift bekamen. Dieses Mal war unser Fahrer ein alter Mann, der uns ebenfalls zu sich nach Hause einlud, doch wir hatten keine Zeit mehr. Er hielt vor einem Shop, wo wir uns mit Essen eindecken konnten, denn er meinte, wir hätten einen langen Weg vor uns, auf dem es keine Läden gibt. Na ja, so schlimm war’s nicht, froh waren wir später trotzdem. Er fuhr uns auch wieder an den Stadtrand, wo wir sofort eine Mitfahrgelegenheit kriegten. Doch dieser Mann fuhr nur zwei Meilen in eine andere Richtung. Wir blieben also lieber noch stehen. Da kam auch gleich ein Mann, dessen Eltern aus Deutschland kamen, so dass wir uns gut mit ihm in Deutsch unterhalten konnten. Auch er führte uns bis ausserhalb der Stadt, in welcher er wohnt. Mit einem Lieferwagen gings weiter bis 20 km vor Port Fairy. Da wir eingangs Stadt ausgeladen wurden, hatten wie eine schlechte Ausgangslage. Wir warteten lange und froren schrecklich. Blaue Hände und Ohren – es war so windig! Wir gingen dann etwa zwei Kilometer zu Fuss, dann hielten bald zwei junge Männer, welche heute die Strecke von Melbourne – Adelaide fahren. Endlich kamen wir also doch noch nach Port Fairy! Mussten zwar vom Highway noch etwa 500 m durch eine dunkle Strasse, aber alles ok. Die Jugi hier ist sehr schön, und weil der Boy-Room voll war, bekamen Joschi und ich zusammen einen Viererraum. Jedes Bett hat eine Leselampe, Dusche/WC sind ganz neu und modern. Wir haben gleich für zwei Nächte bezahlt, wollen ja noch etwas von der Umgebung sehen!
Autostoppen geht ja anscheinend ganz gut, die Leute sind durchwegs sehr freundlich. Dazu erhielten wir immer viele Infos über die Gegenden wie schwimmende Insel, Buschbrand vor einem Jahr und Vulkansee, dessen Tiefe man noch nicht erforschte. Wenn’s so weiter geht, sind wir zufrieden.

24.2.
Heute Morgen gingen wir uns erst das Städtchen anschauen, dann auf die kleine Insel, auf die man nur zu Fuss über eine kleine Brücke gelangen kann. Die Wellen waren haushoch, war fantastisch zuzusehen wie sie sich überschlugen. Die Insel ist vor allem Nistplatz für Vögel, so dass wir, einmal vom Weg abgekommen, immer einsanken im Boden. Danach gingen wir auch an den Badestrand, doch es war sehr windig und kalt. Anscheinend gibt’s hier viele Touristen, denn unzählige Motels, Caravan- und Campingplätze, Ferienwohnungen und Restaurants, Bars stehen zur Verfügung. Nach einem Grosseinkauf kamen wir um etwa 13.30 Uhr in die Jugi zurück, wo wir nach langem Suchen endlich den Hintereingang fanden. Wir schrieben fünf Briefe, welche wir gleich zur Post brachten. Danach kochten wir: Spaghetti an brauner Sauce, Rumpsteak, Erbsen mit Rüebli – war gar nicht übel.

25.2.
Heute testeten wir den neu gekauften Kaffee aus der Tube (ja, aus der Tube!). Die Wirkung spürte ich im Bett – habe kaum geschlafen. Wir standen drei lange, lange Stunden an der Strasse und warteten. Endlich hielt ein öffentlicher Bus an. Wir konnten bis Mt. Gambier fahren, vors Haus des Chauffeurs, welches direkt an der Princess Highway liegt. Bezahlen mussten wir nichts – toll, nicht? Diesmal standen wir nicht lange, als uns einer mit ‘ner Fahne mitnahm, die Bierflasche zwischen den Schenkeln. Die Fahrt dauerte nicht lange, am Ende des Ortes, in welchem er wohnt, lud er uns ab, ziemlich im Outback. Später nahmen uns zwei Mädchen in einem Mini mit. Das Auto hielt nicht lange durch wegen Überlastung. Ein auf der Gegenfahrbahn Kommender hielt an und nahm uns mit nach Beachport. Zuerst mussten wir bei ihm zu Hause mangels Benzin das Auto wechseln. Der Mann hatte ebenfalls eine Bierflasche mit, stank fürchterlich, fuhr aber sehr sicher. Unseretwegen fuhr er die 20 Kilometer entlang der Meeresaussichtsstrasse.

Wir luden ihn dafür zu einem Drink ein, bezahlten auch noch seinem Freund ein Bier, was stolze A$ 5.- kostete. Es ist hier ein ausgesprochener Touristenort.
Die Leute von der Jugi sind ausgeflogen, kommen erst morgen wieder zurück. So können wir zu zweit gleich einen Achter-Schlag belegen. Da Samstag ist, konnten wir nicht mehr einkaufen und mussten uns mit einer Suppe begnügen! Später genossen wir mit den drei australischen Boys und einem Girl, welche wir von der Jugi in Port Fairy kannten, eine Flasche australischen Rotwein am Strand. Wir froren wie im tiefsten Winter.

26.2.
Heute besuchten wir einen Salzsee und spazierten weiter über die Dünen zum Meer. Wir liessen uns an einem schönen Platz nieder und sonnten uns in der Badehose. Das Vergnügen wurde einzig getrübt von unzähligen Riesenbrämen, Fliegen und Sandflöhen. Aber so schlimm war’s nicht. Nach gut einer Stunde gingen wir auf Entdeckungstrip. Die vielen Buchten und ins Meer hinausragenden Felsblöcke sind einfach fantastisch – und kaum Menschen in Sicht. Viele Felsplatten ragen ins Meer hinaus, wo sich die Wellen meterhoch überschlagen und beim Zurückfliessen Wasserfälle bilden. An diesem Naturschauspiel konnten wir uns kaum sattsehen. Auf dem Rückweg leisteten wir uns noch ein Eis und einen Kaffee, bevor wir das Museum besuchten, von dessen Grösse und Vielfältigkeit wir sehr überrascht waren. Das obere Stockwerk ist eingerichtet wie eine Wohnung vor x Jahren, auch Kleider und Bilder können bewundert werden.

27.2.
Heute ist Beachport grau und verlassen. So fragte ich nach einem Bus, doch fährt bloss einer ab M???, und das um 9 Uhr. Es blieb uns also nichts anderes übrig als zu trampen. Wir gingen noch Verpflegung einkaufen, bevor wir in die richtige Strasse einbogen. Wir sahen etwa 50 m entfernt einen idealen Standort. Schon kam ein Auto, ich wollte Joschi noch raten zu warten, doch schon stoppte ein Wagen – und wohin fuhr der Mann? —- nach Adelaide! Glück braucht der Mensch! Unser Fahrer, Keith, ist ein netter, älterer Mann, natürlich auch Golfspieler. Wir legten die 400 Kilometer in viereinhalb Stunden zurück. Wir sagten ihm, dass die Jugi erst um 17.30 Uhr öffnet. Also lud er uns zu sich nach Hause ein, servierte uns Kaffee und Kuchen. Er wohnt in einem sehr schönen Haus. Später lernten wir auch seine Frau kennen. Keith telefonierte noch in die Jugi, wo man ihm sagte, dass nur noch 7 Girl- und 5 Boyplätze frei seien, und Reservationen können nicht entgegengenommen werden. So organisierte er noch zwei Adressen von anderen Billigunterkünften. Frühzeitig führte er uns zur 25 km entfernten Jugi, so dass wir auch sicher Plätze bekamen. Diese Jugi wurde erst eine Woche zuvor eröffnet, ist also modern und recht schön. Von Keith erhielten wir auch viele Infos über die Gegend und die Lebensart. Er hat uns für Donnerstag zu einer Fahrt eingeladen. Wir müssen ihn am Mittwoch anrufen. War ein Glückstag heute!!

28.2.
Heute latschten wir mehr oder weniger sinnlos durch die Stadt. Dabei machten wir noch einen Abstecher in die Art Gallery, wo zurzeit der American Cup ausgestellt ist. Ich weiss nicht, warum der so interessant ist, doch unzählige Menschen standen um die Sicherheitsabsperrung. Das moderne Theatergelände war ziemlich enttäuschend. Von dort gingen wir dem Fluss entlang und assen später im McDonald, wo wir mit einem Adelaider ins Gespräch kamen, der uns helfen wollte, doch viele Sehenswürdigkeiten kannte er auch nicht. Er empfahl uns das naturhistorische Museum, welches wir aufsuchten. War ganz interessant. Nebst den vielen ausgestopften Tieren gabs viel über die Aborigines zu bewundern und zu lesen. Darunter viele Fotos. Im obersten Stockwerk war eine Ausstellung von LEGO, die Entwicklung der Reisemittel. Unwahrscheinlich, all die Autos, Schiffe, Flugzeuge, Züge und die Columbia in Lego. Auf dem Rückweg kauften wir noch das Nachtessen ein. Morgen wollen wir mit dem Tram an die Beach fahren.

29.2.
Ans Sonnenbaden war nicht zu denken – wir froren erbärmlich. Also gingen wir shopen. Kauften nur Lebensmittel ein. Es gibt dort unten auch eine Art Lunapark, doch kaum Besucher. Faszinierend war die Wasserrutsche durch einen künstlichen Felsen – doch mir war trotz des geheiztes Wassers kalt. Im «Spielkasino» bestaunten wir die neuesten Flipperkästen, und was es sonst noch so gibt in der Art. Ein erster Sonnenstrahl, und schon lag ich als einzige im Bikini am Strand. Ich hielt’s aber auch bloss eine Stunde lang aus, dann fuhren wir zurück in die Stadt. Dort schlugen sämtliche Anrufversuche nach Melbourne fehl, wegen der Dias. Ich wollte mir in der Stadt noch Shorts besorgen, welche ich auch sofort fand, für einen Dollar im Ausverkauf. Na ja, wer trägt bei dieser Kälte schon Shorts? Zu Fuss zurück zur Jugi, einen Tag nachzahlen, Keith anrufen, welcher uns morgen um 09.30 Uhr hier abholen wird. Das Znacht war herrlich: Spiralnudeln, Geschnetzeltes an Pilzrahmsauce und Salat!! Fast wie zu Hause!!

1.3.
Pünktlich um 09.30 Uhr kam Keith vorgefahren. Zuerst führte er uns noch etwas in der Stadt herum bevor wir die Hügel erklommen, wo wir einen fantastischen Ausblick auf Stadt und Umgebung genossen. Beim Nationalpark gab’s zNüni. Keith hatte heissen Kaffee und süsse Weggli mit Butter bei sich – schmeckte fantastisch! Im Park konnten wir dann einheimische Tiere bewundern. Am meisten faszinierten uns die freilebenden Kängurus, welche wir anfassen konnten.

Endlich bekamen wir auch Koalas zu Gesicht, allerdings aus Distanz.

Koala

Dafür konnten wir in den Vogelkäfig hinein, wo uns eine Art Papageien immer wieder anflogen. Wir hatten riesigen Spass. Joschi schaute meist durch die Kamera. Vom Park aus fuhren wir hoch zu einem Aussichtspunkt, von wo aus die Sicht faszinierend war. Leider hinterliess der Buschbrand vom 16. Februar 1983 schreckliche Spuren, auch Häuserruinen. Weiter führte uns die Rundfahrt durch herrliche Wohnquartiere, Wälder, Weiden und Hügel bis wieder an den Strand. Am ersten, den wir uns anschauten, konnte man Auto fahren. Der Sand war sehr hart, der Strand etwa 700m breit und ganz flach. Wegen der kühlen Witterung waren kaum Menschen in Sicht. Auf der Fahrt Richtung Stadt konnten wir noch kilometerlange, wunderschöne Strände sehen. Keith brachte uns dann in einem Vorort zum Bahnhof, von welchem aus er in Kürze zu Hause war und wir nach zwanzig Minuten im Zentrum. Von dort gingen wir direkt zur Greyhound Station um Tickets nach Alice Springs zu besorgen, denn Keith riet uns von den Flinders Ranges ab, da man ohne Auto nicht viel sehen kann. Zu Fuss bräuchte man Wochen. Zudem gibt’s praktisch keine öffentlichen Verkehrsmittel, und das Gebiet sei für Europäer nicht so überwältigend. Die Greyhound Station ist supermodern, Buchungen und Tickets ausstellen geht über Computer. Ansehnlich auch der Preis: A$ 90.- pro Nase. Man muss allerdings auch bedenken, dass die Distanz fast 1’700 Kilometer beträgt. Wir kamen wieder einmal kurzfristig, doch morgen um 16 Uhr können wir fahren. Mehrere Telefonanrufe nach Melbourne schlugen wieder fehl. Ansonsten hatten wir einen wirklich wunderschönen Tag.

3.3. Alice Springs
Gestern Morgen klappte dann der Anruf, die Dias sind zurück. Danach gingen wir waschen, später per Bus ins Zentrum, wo wir gleich unser Gepäck einchecken konnten. So konnten wir um Einiges erleichtert unsere Einkäufe besorgen. In der Mall war viel los, verschiedene Darbietungen im Zusammenhang mit dem Kulturfest fanden statt. Unter anderem sahen wir dort auch wieder den Pantomimen, welchen wir in San Francisco gesehen und fotografiert hatten.

Melbourne

Wir kauften noch Getränke, Brot und Schinken ein für die lange Reise. Um 16.00 Uhr starteten wir, 1’700 km lagen vor uns, welche wir in 27 Stunden bewältigten. Total konnte ich etwa sieben Stunden schlafen, die Landschaft war nicht sonderlich interessant, bis hier raus ist’s überall grün, denn kürzlich regnete es seit 13 Jahren!! Wieder einmal. Dafür litten die Bewohner unter Überschwemmungen, die Landstrasse wurde stark beschädigt und konnte während zwei Wochen nicht passiert werden. Von dieser Zeit konnten wir uns im Bus viele Fotos von einem Mitreisenden ansehen, nachdem Joschi durch die Windschutzscheiben seine Fotos machte. In Alice angekommen, quartierten wir uns in der Jugi ein, die bisher schlechteste. Nach einem Kaffee draussen im Garten und einer Dusche kamen wir mit einer Zürcherin ins Gespräch, aber bald gingen wir ins gegenüberliegende «Kentucky Fried Chicken», wir waren durstig. Dort kamen wir mit einem deutschen Pärchen zusammen, welches für morgen zwecks Automiete noch zwei Leute suchte. War genau unser Fall, die beiden Leute anderseits gar nicht. Aber für einen Tag werden wir’s schon aushalten. Sie luden uns noch in ihr Zimmer ein zu Orangenjus, von dem mir das Mädchen dann noch die Hälfte über die Hose goss. Dann machten die beiden einen wahnsinnigen Radau wegen einigen Käfern und Minikakerlaken (uiii, da hätte ich mich vor einigen Monaten noch ganz anders aufgeführt!!). Jedenfalls werden wir sie morgen um 09.00 Uhr im nahen Kaffee treffen. Mal sehen. Scheinbar sind die beiden auch nicht bestens aufeinander zu sprechen.

4.3.
Bettina und Hubert waren um 09.00 Uhr noch nicht draussen. Wir hatten vorher schon in einem Restaurant gefrühstückt. Also gingen wir sie abholen. Im ersten Autoverleihgeschäft hatte es keinen Moke wheeler, ein anderer wäre zu teuer gewesen. Gleich um die Ecke konnten wir doch noch einen auftreiben. Wir fuhren zu einem ausgetrockneten Flussbett, wo nach wenigen Metern Wallabies (kleine Kängurus) mit ihren Jungen beobachtet werden konnten – waren süss.

Wallabie

Danach sahen wir uns noch die tiefe Schlucht an, doch so imposant war das alles nicht. Auch die Telegrafenstation schauten wir uns an, danach shoppten wir für 22.- $ Lebensmittel, bevor wir noch auf den Aussichtsturm fuhren, wo der Ausblick nicht mal ein Foto wert war. Danach trennten wir uns vorerst von den beiden anderen um das Nachtessen zu kochen, welches wir dann draussen im Park genossen. Später fuhren wir den Wagen volltanken, Bier kaufen, mit welchem wir uns auf einer Bank in einer Grünanlage niederliessen. Eben kamen wir zurück und machten die Schlussrechnung für das Auto. Macht total $ 52.80, also pro Person Fr. 30.-! Ein nicht billiger Spass!!

6.3.
Schon bald sechs Stunden lang sitzen wir in einem 20-Personen-Bus auf dem Weg zum Ayers Rock. Gestern wollten wir ja per Anhalter dorthin gelangen, standen von 10 bis 16 Uhr an der Strasse – ohne Glück.

Hitchhiking in Alice Springs
Acht Stunden vergebens gewartet

Dieses Schicksal teilten wir mit einem belgischen Paar, welches nach Adelaide wollte. Diese erzählten uns von dieser Tour, welche zwei Tage lang dauert und ohne Essen und Verpflegung $ 60.- kostet. Mussten wir halt dieses Mal ausgeben, denn es scheint keinen billigeren Weg zu geben. Als wir gestern die etwa zwei Kilometer zur Jugi zurückgehen wollten, stoppte ein Wagen, welcher uns vor die Jugi führte. War ich froh! Die Jugi hatte allerdings nur noch Plätze für Boys. Wir machten uns also auf den Weg zu einer anderen Unterkunft. Unterwegs buchten wir im Information-Zentrum noch diesen Trip. Danach schleppten wir uns weiter. Anhand des Gepäckes musste ein Autofahrer unser Ziel erraten haben und machte uns darauf aufmerksam, dass wir links abbiegen mussten. War das wieder ein Glück, wir wären wahrscheinlich noch lange geradeaus gegangen. Im einzigen Schlafsaal bezahlten wir je $ 6.-, separat gab’s auch Laundry und Küche.
Heute mussten wir schon um 6 Uhr aufstehen. Die Fahrt wurde schon dreimal unterbrochen bei «Sehenswürdigkeiten». Zwei grosse Cars sind immer etwa gleichzeitig mit uns. Erster Stopp bei der Kamelfarm. Fünf Kamele in Sicht, auf zweien konnte man reiten. Wir zogen Kaffee und Kuchen vor. Beim zweiten Stopp gab’s ausser Restaurant, Bar, Flipperkästen und Souvenirshop nichts zu sehen. Gemäss einem Riesenplakat sollen dort Motorräder verrückte Strecken fahren. Zwei Maschinen standen war dort, von Fahrern keine Spur. Dritter Halt war einzig um einen Berg und Salzsee zu fotografieren – wir blieben im Bus. Hoffentlich kommt nun endlich der Ayers Rock in Sicht, die Fahrt wird mühsam – und schon ist’s soweit!!
Inzwischen haben wir 22 Uhr und einen anstrengenden Tag hinter uns. Zuerst checkten wir in der Jugi ein, bezogen unsere Zimmer und nahmen Lunch. Danach Fahrt ins Visitor Center, wo wir eine Ausstellung ansahen, natürlich über den Ayers Rock, aber auch über die Aborigines. Nach einigen Fotostopps erklommen wir die Olgas, war fantastisch!

Australia Olgas
Auf den Olgas

Olgas in Australia

Auf dem Rückweg hielten wir beim Sonnenuntergangs-Beobachtungsplatz, wo dutzende Touristen mit Kameras dem grossen Augenblick entgegensahen. Wir hatten den ganzen Tag über einige Bedenken in Anbetracht der geschlossenen Wolkendecke, doch als die Sonne tief stand, mochte sie unter den Wolken durchscheinen, was den Ayers Rock erröten liess. Zudem sahen wir einen kleinen, doch wunderschönen Regenbogen und erst noch ein prächtiges Abendrot und die Olgas. Dann endlich duschen und Nachtessen, bevor wir zum Aysers Rock Chalet fuhren um einer Diavorstellung beizuwohnen. Die Bilder zeigten den Ayers Rock in seinen besten Farben währen 25!! Jahren. Die Show dauerte etwas eine halbe Stunde, dann ging’s natürlich ins Restaurant und ins Shoppingcenter. Erst wollten wir auch Dias kaufen, doch 60 ct pro Stück ist doch etwas teuer. Ein Bild bestand zwar aus acht Einzelaufnahmen, was uns auf die Idee brachte, mittels vier Postkarten selbst ein Dia zu produzieren, die Karten danach zu verschicken. Schlau, was??

unser Chauffeur sagte, es sei heute der schönste Sonnenuntergang gewesen, den er je sah!?!? Wahrscheinlich hatten wir schon Glück. Morgen müssen wir um 5 Uhr aufstehen um bei Sonnenaufgang auf dem Felsen zu sein. Der Aufstieg ist immerhin 1.6 km lang. Hoffentlich macht auch das Wetter mit!

Ayers Rock at sunset

8.3. Der Aufstieg auf den Rock

Ayers Rock
Beim Abstieg, als es bereits hell war

Also der Aufstieg gestern war hart, hart, hart! Aber die Mühe lohnte sich. Wir waren die ersten, es war noch dunkel, kühl und ohne Fliegen. Der Sonnenaufgang war schön, besonders die kurz rot aufleuchtenden Olgas.
Wieder unten fuhren wir ins Motel um zu packen zu frühstücken, danach sahen wir uns Höhlen, Quellen und ein Eingeborenendorf sprich Shop an. Dort fand ich dann auch endlich ein Buch über die Aborigines. Danach gings endlich zurück nach Alice. Unterwegs kauften wir einigen Eingeborenen noch Holzinstrumente und eine Holzschlange ab. Da wir im Youth Hostel keinen Platz mehr bekamen, gingen wir in die Alice Lodge, wo wir den Abend zusammen mit einem Paar aus Amerika verbrachten. Heute gingen wir Kleider waschen und dann ins Schwimmbad, wo wir uns eben «braten» lassen.

9.3. Am Strassenrand in Alice Springs
Auf dem Rückweg vom Schwimmbad gingen wir zur Post, wo ich nach Hause anrief. Mutti war so erstaunt, dass sie nicht alles 100%ig realisierte. Jedenfalls kamen unsere Boracay-Fotos an, ebenso das Päckli von Legazpi und der Teppich von Karachi!! Zudem wird Joschi Onkel werden! Und wir hatten nicht einmal den Mekong mit, um das alles zu begiessen. Zurück im Hostel sprachen wir mit Kathy und Flynn, mit denen wir dann in die Pizzeria gingen. Dort vernahmen wir, dass Flynn an einer tödlichen Krankheit leide, ich glaube Knochenkrebs. Vor vier Jahren sagte ihm der Arzt, er würde noch längstens drei Jahre leben, die letzten beiden Jahre im Spital. Es war wahnsinnig interessant mit den beiden darüber zu sprechen, wie sie die Situation meisterten, wie sie ihr Leben änderten, ihre Beziehungen zu anderen Todkranken. So kamen wir dann erst spät ins Bett, standen aber immerhin um 8 Uhr an der Strasse. Jetzt haben wir bald 10 Uhr. Wir sind uns der minimen Chance bewusst, doch der Bus fährt erst um 19.45 Uhr, so dass wir ohnehin nicht zu verlieren haben.
Heute Nachmittag, nach etwa zwei Stunden langem Warten, hielt ein Auto, welches entgegenkam. Der Fahrer sagte uns, dass es hoffnungslos sei, dort zu stoppen, weil man nicht anhalten kann. Dessen waren wir uns zwar bewusst, doch diese Randsteine schienen auf einer langen Strecke zu bestehen, zudem konnte man auf der anderen Strassenseite bestens halten. Der Mann meinte, nach einer halben Meile sei ein bester Platz. Also schleppten wir uns hin. Der Platz war zwar ideal, doch kein Streifen Schatten war ersichtlich, und das bei etwa 40°C. Nach einer halben Stunde entschlossen wir uns zurückzugehen. Im nächsten Fast-Food sassen wir länger al eine Stunde, völlig schlaff. Wir entschlossen uns den Bus zu nehmen. Auf dem Weg stoppten wir wieder, und da hielt tatsächlich ein Wagen an, so etwas wie ein Land-Rover/VW-Bus. Die Besitzer waren eine junge Familie mit zwei Mädchen von fünf und dreieinhalb Jahren, die Frau schwanger. Das Paar wanderte vor viereinhalb Jahren aus England ein. Sie werden übermorgen in Townsville sein, und wir entschlossen uns, mit ihnen hinzufahren.
Erst wollten wir nicht, da der Mann dreimal Anspielungen machte bezüglich Benzinkostenbeteiligung. So wollten wir vorerst nur bis Mt Isa mitfahren. Dort ist allerdings die Jugi noch nicht offen, Billigunterkünfte gibt es nicht. Wir haben beschlossen, dem Mann morgen zu sagen, dass wir $40.- bezahlen würden, dann soll er entscheiden, ob er uns mitnehmen will oder nicht.
Zurzeit sind wir in der Jugi in Tennant Creek, der schmutzigsten, die wir bisher sahen, allerdings mit Doppelzimmern. Da wir erst um 21 Uhr ankamen, und um 7.30 Uhr morgens abgeholt werden, ists bestimmt zu überstehen!

Auf der Fahrt durchs Outback

Devil's Marbles Australia
Devil’s Marbles im Outback

10.3. Caravan Mt. Isa
Heute Morgen stand der Toyota doch schon um 7 Uhr vor der Türe. Husch husch zusammenpacken. Zum Glück war nur unser Fahrer im Auto, seine Familie nahm unterdessen das Frühstück ein. Bis wir startklar waren, wurde es schon 8 Uhr. Um etwa 18 Uhr kamen wir hier an, legten also etwa 600 km zurück. Die Zeit ging schnell vorbei, denn ich beschäftigte mich intensiv mit Malen und Spielen mit Kate und Sarah. Nachmittags kamen wir in ein Gewitter, wobei die Plane riss und unsere Rucksäcke, besonders die Schlafsäcke ziemlich nass wurden. Da die Jugi hier noch geschlossen ist, kamen wir eben mit dieser Familie in einen Wohnwagen. Die Leute wollten ja ursprünglich noch weiterfahren, doch sie haben sich in der Distanz verrechnet. Ob wir morgen mit ihnen weiterfahren können, wissen wir noch nicht. Mal sehen! ….
Die Kinder bekamen eben ihr eigenes Tagebuch. Der Vater schreibt ihnen einen Text auf den unteren Teil der Seite, oberhalb kann jedes ein Bild zeichnen. Die Kinder dürfen auch selbst auf einer Postkarte den Leim verstreichen und einkleben. Ich finde das wirklich eine tolle Idee!

11.3. Townsville
Heute war um 5 Uhr Tagwache, um 7 Uhr gings auf nach Townsville. Auf der Strasse konnten wir lange eine Riesenechse aus nächster Nähe beobachten, später sahen wir einen Schwarm Kakadus.

Waran in Australias Outback
Echse im Outback

Beim ersten Tankstellenhalt kam mir auch erstmals eine Schlange zu Gesicht. Wir beobachteten sie eine Weile. Als sie auch von der Tankstellenbesitzerin gesichtet wurde verlor sie den Kopf und wurde auf einer Schaufel abtransportiert. Die Frau sagte, es sei eine sehr giftige Schlange, war allerdings noch jung. Der Rest der Fahrt verlief ohne weitere Zwischenfälle. Um 19 Uhr wurden wir vor der Jugi abgesetzt. Wir gaben $ 60.-, die Fahrt inklusive Übernachtungen kam uns also $ 130.- billiger als per Bus. Die Familie war sehr dankbar fürs Geld und für unsere Babysitter Dienstleistung. Wir tauschten noch unsere Adressen aus, bekamen auch jene ihrer Freunde in Neuseeland. Nach einem herzlichen Abschied erklommen wir die Stufen zur Jugi. Der erste Versuch schlug zwar fehl, wieder Treppe runter und nochmals eine andere hoch. Die Anstrengung hat sich gelohnt, wir geniessen eine herrliche Aussicht!

12.3.
Von Townsville sahen wir heute die Mall, den Beach und die Post, wo wir Karten absandten. Viel hat diese Stadt nicht zu bieten.

13.3.
Nicht alle Abende halten, was sie versprechen. Gestern um 20 Uhr fing in an mein Tagebuch zu lesen, hatte keine Ahnung, was ich sonst anfangen sollte. Die Situation änderte sich schlagartig, nachdem drei Schweizer eintrafen. Später gesellten sich noch Bettina und Herbert zu uns (Moke Alice). Um etwa 22 Uhr erblickte ich Meryl Streep im Videofilm, den verfolgte ich bis etwa 1 Uhr. Den Zwischenteil konnte ich mir allerdings nicht anschauen – Szenen aus dem Vietnamkrieg (deer hunter). Geschlafen habe ich danach kaum, denn ich fror erbärmlich, so dass ich schon um 6 Uhr in der Küche stand. Vor dem Frühstück unterhielten wir uns noch länger mit einer Ungarin, heute in Deutschland lebend. Nach dem Shopping nahmen wir eben das Boot auf diese Insel. Die Fahrt dauerte 35 Minuten. Am Strand sassen wir nicht lange, die Hitze war unerträglich. Aus dem Grund werden wir auch kaum Busch-Walks machen. Mal sehen, immerhin haben wir uns in der Jugi schon gut mit drei Deutschen unterhalten.
In Townsville hatte ich das bisher beste Bett. Ich schlief oben, am Fenster und hatte einen fantastischen Ausblick auf die Stadt, nachts auf die hunderte Lichter.
Zu Hause muss ich mir noch unbedingt folgendes Buch in Deutsch anschaffen: Albert Camus: The Fall.

14.3.
Als wir gestern die Strandböschung erklommen, erblickten wir auf einer Bank Ingrid und Anneliese, die beiden deutschen Mädchen, welche wir schon in Adelaide, Alice Springs und Ayers Rock trafen. Wir haben uns lange unterhalten, es gesellte sich dann noch eine andere Deutsche hinzu, welche die beiden schon kannten. Wir verabredeten uns für heute Morgen um 9 Uhr bei der Moke-Vermietung. Den Abend verbrachten wir vor der Jugi, wo wir von Tieren, eine Mischung aus Katze und Bärchen unterhalten wurden. Die vier waren so süss, wir haben sie fortlaufend gefüttert und getränkt.

Beim Essen hielt sich der eines immer mit den Hinterfüssen und dem Schwanz an einem Balken fest, während der Körper hinunter hing. Später kam noch ein grosser Vogel mit sehr langen Beinen hinzu. Heute Morgen mieteten wir dann einen Moke, und das zu fünft, was gegen die Regeln der Vermietung war, so dass wir das Hinausschaffen aller Passagiere nach gut ausgedachtem System ausführten. Schliesslich parkierten wir das Mobil am Ende der Strasse, in der Nähe einer wunderschönen Bucht.
(Ich denke es war an dieser Stelle, wo wir Warnschilder am Ufer sahen: Verbot ins Wasser zu gehen wegen Quallen, deren Berührung tödlich sein kann. Na ja, dachten wir, wird schon nicht so schlimm sein und wateten ins Wasser. Schon kam ein Polizeiboot. Wir wurden sehr barsch gebeten, das Wasser sofort zu verlassen.)
Allerdings hielten wir uns hauptsächlich im Schatten eines Restaurants auf. Die Hitze, vor allem die Luftfeuchtigkeit machten das Sonnenbaden beinahe unerträglich. Zu uns gesellten sich noch drei wirklich sehr nette Schweizer, so dass wir einen vergnügten Nachmittag verbrachten. Auf der Rückfahrt wanderten wir noch zu einem Aussichtspunkt. Nach Abgabe des Vehikels tranken wir noch einen, denn Ingrid und Anneliese verliessen die Insel nach 18 Uhr. Joschi holte noch den 1000 Asa-Film ab, den er heute Morgen zum Entwickeln brachte. Die Bilder waren alle von Thailand und nicht so gut. Es sind vor allem die hellen Punkte sichtbar, alles andere ist schwarz. Zudem ist der Film sehr grobkörnig. Wir werden also keinen mehr kaufen. Von allen Bildern erhielten wir zwei Vergrösserungen, dann gab es auch einen Gratisfilm. Das alles kostete $ 11.90, also noch billig. Inzwischen sitzen wir wieder vor der Jugi.

16.3.
Gestern fuhren wir zurück nach Townsville, wo wir uns in der Mall an einen Tisch setzten und zwei Schweizer trafen, mit denen wir uns länger unterhielten. Danach marschierten wir stadtauswärts um zu stoppen. Nach etwa einer viertel Stunde hielt ein Lieferwaagen, dessen Fahrer uns erklärte, dass jene Strasse nur die Zufahrt zum Highway sei. Er führte uns etwa 10 km weit an einen guten Platz. Sofort hielt auch ein Wagen, doch die beiden Fahrer machten keinen guten Eindruck auf mich. Ein zweiter haltender Mann fuhr nur etwa 30 km weit. Beim dritten hatten wir Glück. Der Fahrer, ein junger Mann mit Lieferwagen, fuhr nach Rockhampton. Auf dem ganzen Weg hatten wir Spitzensound, doch der Typ fuhr halsbrecherisch. Kurz vor Rocky kamen wir noch in ein starkes Gewitter. Wir wurden dann in der Dunkelheit bei einer Tankstelle ausgeladen. Der Typ war mit seinen Freunden verabredet und hatte nicht viel Zeit. Wir machten uns also zu Fuss auf den Weg und erblickten bald zwei Jungs mit einem Wagen, welche wir nach dem Weg fragten, und die uns auch prompt hinführten zu der wirklich schönen Jugi. Heute Morgen nahmen wir einen Bus zum Schiff, welches uns auf die Great Keppel Island brachte. Mit uns waren auch Anneliese, Ingrid, Gertrud sowie drei andere, welche wir bereits kannten. Kurz nach zehn Uhr kamen wir in dieser Jugi an. Nach etwa zwei Stunden Diskussion machten wir uns auf zum Strand. Dieser war einfach Spitze, sehr breit, war Ebbe, der Sand hart, fein und hell. Der Strand fast menschenleer. Das Wasser war ganz klar, der Strand flach. Ich ging zweimal schwimmen, etwa zwei Stunden lang sonnten wir uns – war fantastisch!

18.3.
Gestern Morgen nahmen wir an der Gratisbootsfahrt teil. Die Fahrt ging zwar nicht um die Insel, das Unterwasserobservatorium war geschlossen und etwa die halbe Fahrzeit machte das «Netzschwimmen» aus. Am Schiff war nämlich auf der einen Seite ein Netz montiert, an welchem sich sechs Leute hängen konnten. Durch die Strömung zog es ihnen die Badehose hinunter, sehr zum Gaudi der anderen Fahrgäste.

Great Keppel Island

Auf dem Schiff zur Great Keppel IslandNach dem Mittagessen reichte es gerade noch zu einem Einstunden-Sonnenbad. Danach kämpften wir um die Dusche, um endlich an den Bootsanlegeplatz zu kommen. Erst gingen wir an den Ort, wo wir angekommen waren. Dort standen auch noch viele Leute. Doch wegen Ebbe mussten wir wieder etwa 2 km zurückgehen. Dort angekommen, war das Pendelschiff schon voll. ¼ Stunde warten, dann nichts wie rein, bester Platz bei der Treppe, um bei den Ersten zu sein – aber nein! Der Bootsführer will mein Ticket sehen, wir seien im falschen Boot. Unseres war gerade am Anlegen, etwa dort, wo wir zuerst standen. Dann eben zurück. Weil es aber mit dem Anlegen bei Ebbe nicht klappte, mussten wir doch wieder an den Ort, wo das andere Boot ablegte. Endlich kamen wir doch noch auf ein Schiff. Während der Busfahrt zurück nach Rockhampton fragt Ingrid mal nach der Rainbow-Beach. Wir nahmen die Karte zur Hand und sahen, dass ja jener Beach vor Brisbane liegt und erst noch dort, wo die Fähre nach Green Island fährt, und dorthin wollten Ingrid und Anneliese. Sie dachten jedoch auch, das alles liege südlich von Brisbane und hatten schon den Bus durchreserviert. Innert fünf Minuten beschlossen wir alle, auch Gertrud, den Bus nur bis Pialba zu nehmen. Auf dem Greyhound-Office wusste man noch nicht, ob Plätze frei waren. Da kam der Bus – voll! Nach etwa zehn Minuten und viermaligem Nachzählen aller im Computer gespeicherten Passagieren konnten wir doch mitfahren. Endlich im Bus, wurden alle Fahrgäste dreimal durchgezählt, dann wurden alle Tickets kontrolliert, eine Viertelstunde hin und her diskutiert zwischen Fahrer und Büroleuten, dann gings endlich los um 20.30 Uhr. Scheinbar war einer zu viel, und als dann später noch vier Leute mit Platzreservierung zustiegen, löste der Fahrer das Problem auf diplomatische Weise. Er hatte auch das Glück, dass mehrere Kinder mitfuhren, von denen dann drei in zwei Sitze verfrachtet wurden.

19.3.

Um 2.30 Uhr kamen wir in Pialba an. Ratlos standen wir vor der Post. Joschi wollte die Umgebung auskundschaften, wobei er nur etwa 50 m weit kam, als eine Polizeistreife anhielt. Wie wir von den beiden Polizisten informiert wurden, gab es keinen Bus zur Rainbow-Beach, aber zur Fraser Island findet täglich eine Tour statt. Der Bus hielt wenige Meter neben der Post, beim Caravanpark, wo uns die Polizei hinführen wollte. Uns wäre es aber zu teuer geworden für wenige Stunden einen Wohnwagen zu mieten. So sagten wir den Männern, wir wollten lieber an Ort und Stelle bleiben. Als sie ausser Sichtweite waren, überquerten wir die Strasse. Da stand die Kirche, daneben gab es eine grosse Grünfläche mit Bäumen, WC mit Lavabos – ideal. Wir breiteten unter einer Baumgruppe unsere Schlafsäcke aus und legten uns schlafen, vier Mädchen und Joschi hielten Wache. Als wir vor sieben Uhr erwachten, fanden wir uns inmitten mehrerer Autos wieder. Frühmesse! Natürlich, es war ja Sonntag! Die Leute lächelten freundlich, grüssten und machten Bemerkungen wie: Schöner Tag heute, nicht? Nach einer halben Stunde warten wir startklar. Da entdeckte ich an einem Baum ein Wespennest. Natürlich musste ich mir das aus der Nähe ansehen – und schon wurde ich unter dem Hals gestochen, was wirklich höllisch schmerzte. Zum Glück aber ist nichts weiter passiert. Bei einer Tankstelle konnten wir Orangenjus kaufen. Brot hatten wir noch. Da kam auch schon der Bus, ein zweistöckiger. Die Tagestour kostete pro Person $ 20.-. Wir diskutierten daher mit dem Chauffeur noch lange über die Möglichkeit, von der Insel aus zum Rainbow-Beach zu kommen, oder nur Bus und Fähre zu lösen. Beides war unmöglich. Für die erste Variante gab es keine Möglichkeit, die zweite hätte nichts gebracht, da das einzige Restaurant der Insel 15 km vom Anlegeort entfernt ist, und da ja die Fraser Island die grösste Sandinsel der Welt ist, wäre das Vorankommen auf den Sandstrassen sehr mühsam gewesen. Schliesslich buchten wir also die Tour. Die Insel hat nicht sehr viel zu bieten. Vom Bus aus sahen wir nur Sträucher und Bäume, allerdings auch einige interessante Gewächse. Bei einem Rastplatz machten wir Halt und gingen runter an den Fluss. Dieses Gebiet ist paradiesisch, sieht aus wie im Dschungel, es gibt auch Palmen. Auf dem Rückweg machten wir noch einen «Bachspaziergang». Nächster Halt war Lunch in einem Hotel. Wir bekamen Poulet im Körbchen mit gemischtem Salat und Champagner, zum Dessert Kaffee. Das schmeckte uns nicht schlecht. Mit den anderen zusammen verbrachten wir da eine vergnügte Stunde. Auf der Rückfahrt hielten wir noch an einem Süsswassersee, umgeben von schneeweissem Sand. Die meisten Leute gingen baden, wir zogen den Strand vor.

fraser island Australia
Ingrid und Anneliese auf Fraser Island

Wieder zurück in Pialba konnten wir einen geöffneten Laden finden. Mit dem Eingekauften gingen wir zum Park zurück, Gertrud legte auf dem beleuchteten Rasenplatz vor der Post ihr Leintuch aus und wir hatten ein tolles Pic-Nic. Wir hatten es sehr lustig, lachten uns Tränen, war wirklich toll. So um 22 Uhr schlugen wir unser Nachtlager auf und als Joschi und ich um etwa 6 Uhr erwachten, waren wir schon allein. Dass die den 2.30 Uhr-Bus nicht verpasst haben!? Also ich schlief wie ein Stein. Nach dem Packen stellten wir uns halt an die Strasse und bekamen sofort einen Lift nach Maryborough, von hier bis Brisbane ist’s schwieriger. Wir versuchten es bereits etwas drei Stunden lang. Eben machen wir in einem Schnellimbiss-Restaurant Mittagspause. Hoffentlich klappt das noch, denn wir wollen in Brisbane noch die andern treffen.
Da ich das Haarshampoo liegengelassen hatte, kaufte ich gestern ein Fläschchen – $ 3.70!! Ist ja wahnsinnig, aber gemäss den anderen ein normaler Preis hier.
Bald 22 Uhr und habe beim Haarewaschen eben feststellen müssen, dass ich kein Shampoo, sondern Pflegespülung gekauft hatte.
Nach dem Lunch mussten wir nicht mehr lange auf einen Lift warten, doch bis Brisbane benötigten wir total fünf plus Vorortszug und Bus. Dafür ist die Jugi wirklich wunderschön, nur von unseren drei Kolleginnen fehlt bisher jede Spur.

20.3. Brisbane
Anneliese, Ingrid und Gertrud sind noch immer nicht aufgetaucht. Wir sind noch am Beraten, ob wir das Greyhound-Office anrufen sollen um herauszufinden, ob sie überhaupt runtergefahren sind. Wir können uns zwar kaum vorstellen, dass ihnen was zugestossen ist, doch komisch ist’s schon sie nicht anzutreffen.
Heute haben wir endlich mal wieder ausgeschlafen. Nach Duties und Wäsche fuhren wir in die Stadt. Die Mall hier ist kaum anders als in den anderen Städten. Im Rathaus fuhren wir per Lift auf den Glockenturm, wo die Aussicht zwar schön ist, doch etwas Besonderes konnte ich nicht entdecken. Joschi wurde gleich nach Verlassen des Lifts übel. Danach gingen wir zum alten Observatorium – welch eine Enttäuschung! Bloss ein vielleicht 20 m hoher Turm, in welchen wir nicht gehen konnten. Also kauften wir uns noch etwas zum Essen ein und sahen uns die Story Bridge aus der Nähe an, bevor wir per Bus zur Jugi zurückfuhren.
In Melbourne erlebten wir im Tram schon zwei Zusammenstösse mit Autos, hier mussten wir heute vor der City aus mir unbekannten Gründen den Bus verlassen und einen anderen in die Central nehmen. Auf dem Rückweg, als wir bei der Jugi ausgestiegen waren, machte der Bus keinen Wank mehr. Alle Passagiere mussten aussteigen. Ob wir ‘was falsch machen?? –

21.3.
Heute wollten wir mangels Sehenswürdigkeiten den Beach aufsuchen. Wir dachten an Sandgate, wo wir ja unsere Fahrt nach Brisbane starteten. Wir nahmen den City-Bus, in welchem wir uns vom Fahrer lange beraten liessen. Das Beste wäre per Bus gewesen, aber mit dreimaligem Umsteigen – war uns zu kompliziert. So fuhren wir also Central und gingen zum Vorortszug, wo ich mich am Ticketschalter beraten liess. Der Vorschlag: Zug nach Shorncliffe. Dort war es wie ausgestorben, kein Sandstrand in Sicht. Wir fuhren mit dem nächsten Zug zurück nach Sandgate, wo wir wenigstens zu einem Lunch kamen, doch von Sandstrand keine Spur. Wir waren recht niedergeschlagen, das ganze war auch noch recht teuer. Also legte ich mich im Bikini ins Gras. Das war heute alles, bin froh, dass wir morgen wegfahren.

22.3.
Gestern Abend gingen wir von der Jugi noch zu einer Dia-Show über verschiedene Outback-Tours. Eine davon wäre von morgen Freitag von Brisbane nach Sydney gewesen. Wir überlegten lange, entschlossen uns dann aber die Pläne nicht mehr zu ändern. So stand ich heute sehr früh auf, doch Joschi schlief lange, denn er wurde gestern Nacht von drei anderen Schweizern aus dem Bett zum Würfelspiel geholt!!? Um etwa 9 Uhr konnten wir doch noch starten, doch wars schon nervenaufreibend einen Bus nach ausserhalb zu kriegen. Dort angekommen wurde es noch schwieriger, so dass wir einen Zwischenstopp hier in der Jugi von Byron Bay, dem östlichsten Teil Australiens mit gemäss Foto langen Sandstränden.

23.3.
Heute Morgen regnete es in Strömen, doch bis wir rauskamen, hatte es aufgehört. Etwa 1,5 km weit wars zum Strand. Auf dem Weg dorthin bekamen wir auch einen Eindruck dieser «Stadt». Riesige, neue, noch zum Teil nicht fertiggestellte Einkaufszentren. Dutzende neue Häuser und Motels. Man erwartet also einen Touristenstrom. Am Strand waren wir abgesehen von den Surfern die einzigen Besucher. Zum Glück schien die Sonne etwas eineinhalb Stunden lang. Wir waren total begeistert von den Surfern. Man könnte hier in der Jugi auch gratis Surfbretter und -Matratzen bekommen, doch für mich ist das nichts.
Zurück im Zentrum nahmen wir Lunch, bis der Regen aufhörte, dann machten wir uns auf den Weg zum Leuchtturm. Wir sahen an der Strasse, dass es auf dem Walking Track viel kürzer war, also gingen wir in den Busch. Dieser faszinierte uns total, wilder Urwald, Palmen, leine Echsen und ab und zu in einer Lichtung eine Bank. Vom Leuchtturm aus ist die Aussicht ganz toll auf die beiden Strände und das Dorf. Schade nur, dass der Himmel stark bewölkt war. Wir gingen noch zum südlichten Punkt des australischen Festlandes, den letzten Abstieg nahmen wir allerdings nicht mehr in Angriff. Auch der Rückweg war fantastisch, den letzten Kilometer gingen wir dem Strand entlang.
Nach einem Grosseinkauf fing es an sehr stark zu regnen. Wir warteten draussen in der Schärme, als ein deutsches Mädchen, auch aus der Jugi, sich zu uns gesellte. Nach etwa 20 Minuten traten wir dann bei schwachem Regen den Rückweg an. Wir mussten nicht weit gehen, da hielt einer an und nahm uns mit zur Jugi, zwar aus Platzgründen nur uns Mädchen. Joschi kam etwa zehn Minuten später tropfnass an.

26.3. Sydney


Vorgestern waren wir noch an der Byron Bay, praktisch den ganzen Tag lang lagen wir am Strand, obwohl sich die Sonne nie blicken liess.
Gestern stoppten wir nach Coffs Harbour, kriegten aber einen Lift in einem Truck, welcher nach Sydney fuhr. So kamen wir bis hierher. Die Distanz betrug 850 km, der Fahrer meinte, wir seien um 21 Uhr in der Stadt, doch stattdessen wurde es 1 Uhr. Weil sonntags keine Trucks in die Stadt fahren dürfen, wurden wir am Bahnhof eines Vorortes ausgeladen, wo wir gleich einen Zug hatten. Nach unserem ersten Truckride kamen wir so auch noch zu unserer ersten Fahrt in einem zweistöckigen Zug. Um etwa 2 Uhr standen wir dann beim Zentralbahnhof, wo wir versuchten zu schlafen, was jedoch beim Versuch blieb. Dafür konnten wir die bisher typischsten Punks beobachten. Gegen sieben Uhr standen wir vor dem Hotel, dessen Adresse wir von Anneliese und Ingrid hatten. Kaum sassen wir drinnen, trafen wir die beiden auch schon an. Da wir dringend einer Dusche bedurften und ich den Gang zur Post nicht mehr abwarten konnte, verabredeten wir uns für heute Nacht. Bevor wir auf die Post gehen konnten, mussten wir noch Checks cashen, denn uns blieben nach Bezahlen einer Nacht bloss noch etwa A$ 10.-. Auf der Post fanden wir dann drei Briefe.
Nach wenigen Gehminuten hatten wir die Sicht auf die Oper und Harbour Bridge – faszinierend! Die Oper haben wir uns von aussen bereits aus sämtlichen Perspektiven angeschaut, eben sitzen wir drinnen und warten auf unsere Tour. Nur – bei mir macht sich langsam die schlaflose Nacht bemerkbar.
Aufsteller heute ausser Sydney: Joschi soll in nur zwei Monaten Onkel werden. Bestätigung der Ankunft unserer beiden Teppiche, Marmorkerzenständer, usw. aus Karachi.

28.3.
Eben sitze ich auf einer Bank eines Parks mit Sicht auf die Opera und die Harbour Bridge – fantastisch!
Vorgestern sahen wir uns alle Aufführungsräume der Oper an. Ansonsten war die Tour nicht so interessant. Wegen der Müdigkeit fuhren wir dann per Bus zum Hotel zurück und schliefen etwa drei Stunden lang. Danach gingen wir zusammen mit Ingrid und Anneliese auf King’s-Cross-Tour – eine traurige Szene. Das Geschäft hier mit den Huren ist ein dreckiges – schreckliche Frauen! Viele Besoffene säumen die Strasse.
Gestern mussten wir auch früh raus, denn wir vier mieteten uns für $ 11.- jeder ein Auto und fuhren in die etwa 100 km entfernten Blue Mountains. Wir waren von der Schönheit dieser Gegend fasziniert. Zwar ist alles total vertouristisiert, doch die Viewpoints sind fantastisch, fast so schön wie der Grand Canyon. Viel zu schnell ging die Zeit vorbei, und die 300m tiefen Wentworth Falls konnten wir erst vor Sonnenuntergang finden. Dafür wurden wir aber auch belohnt, denn die Sonne schien in das Wasser, wodurch die aufwirbelnden Wassertropfen sich färbten wie ein Regenbogen.
Heute Morgen mussten wir uns von Ingrid und Anneliese verabschieden. Ihr Urlaub ist um.
(Anmerkung: Mit Ingrid und Anneliese bin ich bis heute in Kontakt, wenn auch leider selten. Was ich meinem Tagebuch verschwieg – oder täuscht mich die Erinnerung? An unserem letzten Abend wollten die beiden unbedingt unseren Pfefferspray testen. Wir waren natürlich vorsichtig, öffneten das Fenster und sprayten in die Nacht. Doch der Wind ….. die beiden mussten das Zimmer wechseln zum Schlafen. Den Spray habe ich noch heute, zum Einsatz kam er zum Glück nie wieder. Do you remember: how much is it?)

Wir gingen dann in die Stadt um unseren Flug zu reconfirmen, danach bewunderten wir eine Modeschau, welche draussen, in einer Art Mini-Amphitheater abgehalten wurde. Dies als Reklame der anliegenden Modeboutiquen in Zusammenarbeit mit Büroartikel-Firmen. Die Mannequins waren echt super, die die Spitzenmodelle von Sydney. Dazu guter Sound. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir mit Postgang (Aerogramme), McDonald’s und shoppen. Ich kaufte mir endlich eine Windjacke. Kurz vor unserem Hotel haben wir beschlossen noch hierher zu kommen, denn die Sonne liess sich endlich blicken. Dies ist auch ein wirklich herrlicher Ort!

30.3.
Gestern schliefen wir wieder einmal so richtig aus, dann machten wir uns auf die Beine – schauten uns etwas in der Art Gallery und in der Library um. Heute hatten wir Pech bei der Suche des Rail Transport Museums. Erst wollte ich nicht mitgehen, sondern an einer Beach faul rumliegen. Doch ich konnte das Joschi irgendwie nicht antun und ging schliesslich mit. Nach etwa drei Stunden intensivem Rumfragen und -reisen fanden wir wenigstens die Strasse. Dort aber wusste kein Mensch etwas von einem Museum. Wir gaben es auf und fuhren zurück in die City, wo wir wieder einmal im McDonalds’ sitzen bei Kaffee und Sundaes.

31.3.
Unser vorerst letzter Tag in Australien. Hauptbeschäftigung: Kleider waschen. Aber da wir ja in einem zivilisierten Land sind, kann die Wäsche nur in dem Automaten gelegt werden, Programm einstellen, Münzen einwerfen, Start. Wir trinken gerade einen Kaffee, in zwanzig Minuten dann können wir die Wäsche in den Tumbler umladen.
Gestern gingen wir noch auf die Post, doch für uns war nichts da. Danach fuhren wir ausnahmsweise ins Kings Cross, denn ich fand, nach dem Eisenbahnmuseumsleerlauf kommt’s auf die 90 c auch nicht mehr an. Abends schauten wir uns halt wieder im Quartier um, nachdem mich Waschen nichts wurde – alles um 18.30 Uhr geschlossen.

 

Zurück aus Neuseeland

4.5. Sydney
Heute hatten wir den schlimmsten Flug. Schuld waren wir ganz selbst. Patisserie zum Zmittag, Patisserie zum Zvieri, ein Glas Wein, und dann das Essen in Rekordzeit verschlungen. Da hat’s mich erwischt. Einige Minuten lang war ich halb ohnmächtig, habe nichts mehr gecheckt. Als dann endlich das Tablet mit den Resten weggeräumt wurde, wurde mir langsam wohler. Das Essen war auch das bisher einzig nicht zufriedenstellendes: zwei Tranchen fette Brote, ein bisschen Rüebli und Broccoli, ungeniessbares Kraut, Salat. Das Dessert habe ich nicht probiert, doch gemäss Joschi war’s ohne jeglichen Geschmack. Nachdem ich mich einigermassen erholt hatte, wurde es Joschi übel. Wir kamen total fertig an. Endlich ausserhalb des Flugplatzes, mussten wir fast eine halbe Stunde lang Schlange stehen um ein Taxi zu bekommen. Dies, weil das Youth Hostel nur 4 km vom Flughafen entfernt ist. Nimmt man den Bus, muss man zuerst in die City fahren und dann wieder zurück, was gleich teuer ist bei zwei Personen, aber viel komplizierter und zeitaufwändig. So sind wir mit $ 7.- nicht schlecht gefahren. Die Jugi ist zwar weit vom Zentrum entfernt, dafür aber schön und mit Doppelzimmern.
Der Flug selbst war schön, bei Sonnenuntergang und rotem Himmel sind wir gestartet, sahen wunderbar hinunter auf die Schneeberge. Da wir Verspätung hatten, mussten wir in Sydney auf das Lande-Ok warten, so dass wir im Stockdunkeln ankamen. Umso faszinierender waren die Lichter der Stadt. Das Fliegen ist eben schon immer wieder ein einmaliges Erlebnis, man hat ein so tolles Gefühl über die Landschaft und Städte zu fliegen.
War das heute ein Stresstag! Wir fuhren in die City, gingen zuerst zum Post restante: welch eine Enttäuschung, nur ein Brief! Wir kauften noch einen Postbag für die Filme, gingen die beiden Kodakfilme abgeben. Bei einem Kaffee bei McDonalds schrieben wir dann als Beilage zu den Filmen eine Ansichtskarte für Herrn Schmidt. Da rechnete ich mal durch und merkte, dass das sehr knapp wird, denn am Dienstag müssen wir die Filme spätestens haben, denn am Mittwoch fliegen wir. Also müssen die Filme am Dienstag in Melbourne abgegeben werden und heute ist Samstag. Es gab nur eines, alles Express schicken. Es soll nun garantiert am Montag ankommen – hoffen wir’s! Wir gingen nochmals zum Post restante, liessen auch die «alte», rücksendebereite Post nachsehen, doch nichts. Also gingen wir noch schnell das Wichtigste an Lebensmittel einkaufen, bevor wir der Oper einen letzten Besuch abstatten. Es war nicht so schön wie letztes Mal, der Himmel war schwarz, alle Bänke verregnet und dazu blies ein starker Wind. So nahmen wir auch bald den Bus zurück zur Jugi, wo wir einen Vege-Shop erspähten und ein Ratatouille einkauften.

7.5.
Nach dem letzten Eintrag hier sichteten wir ein deutsches Mädchen, welches wir in Melbourne in der Jugi kennenlernten. Sie kam praktisch gleichzeitig wie wir in Australien an und fliegt in wenigen Tagen nach Hause. Für sie war dieses Land bezüglich ihrer Erlebnisse ein Alptraum. Beim Hitchen stand sie Todesängste aus, weil sie zwei aufdringliche, besoffenen Männer mitnahmen. Dann entging sie haarscharf einer Frontalkollision mit einem Truck. Einmal wurden ihr sämtliche Wertsachen und ein Teil ihrer Kleider geklaut. Ihre 1000 Asa-Filme wurden beim Durchleuchten auf dem Flughafen zerstört. Wegen eines total geschwollenen Fusses musste sie zwei Tage im Krankenhaus liegen für 180 $ den Tag, konnte dann aber privat zwei Wochen wohnen und sich erholen. War nervlich ziemlich fertig und traute keinem Mann mehr. Sie ist nun glücklich, in Sydney zu sein und bald wieder zu Hause. Wenn man solche Stories hört, sind wir halt doch glücklich, dass unsere Reise bisher praktisch reibungslos verlief.
Gestern fuhren wir zum Bahnhof um uns nach Zügen zu erkundigen. Aber alle waren schon weg. Da es schon gestern in Strömen regnete, ist’s unmöglich zu hitchen. Also müssen wir das Eisenbahnmuseum halt wieder vergessen.
Auf dem Bahnhof trafen wir ein sehr junges, österreichisches Ehepaar, Maria und Robert. Sie kamen hier vor zwei Tagen an, keiner spricht englisch, wollen etwa fünf Wochen lang bleiben, haben A$ 700.-, keinen Reiseführer und verbrachten die ersten beiden Nächte im YMCA für A$ 15.- pro Person und Nacht. Liebe, aber bemitleidenswerte Geschöpfe. Wir nahmen sie dann mit, denn sie konnten erst heute Morgen um 7.30 Uhr nach Canberra fahren. Erst nahmen wir Lunch im McDonald, dann marschierten wir ins Kings Cross. Im Clearence Court war das Office geschlossen, eine andere Herberge war sehr unordentlich. Wir gingen zum Clearence Court zurück, trafen einen Deutschen und eine Schweizerin, bei welchen wir mal das Gepäck einstellen konnten. Wir checkten dann im Backpackers Hostel ein, endlich um etwa 18 Uhr. Noch eine letzte Runde durchs Kings Cross, dann mussten wir uns nach einem lustigen Abend im Commonroom von den beiden verabschieden. Ich hoffte bloss, dass sie heute Morgen den Zug erwischt haben.
Wir sassen etwas ratlos umher, denn es regnete in Strömen. Waren eben auf der Ansett-Pioneer, mussten uns jedoch auf die Warteliste eintragen für den heutigen 15.15 Uhr Bus.
Sitzen eben bei einem fantastisch guten italienischen Kaffee und hielten Kriegsberatung. Wir werden jetzt auf den Bahnhof gehen, Tickets besorgen für morgen, da Bahn billiger als Bus, und dann die Nacht auf dem Bahnhof verbringen. So könnten wir zu zweit total mehr als $ 25.- sparen – wenn’s klappt??

Canberra

Canberra in 1984
Canberra – wie ausgestorben

Hier sind wir, aber per Bus gekommen, denn nachdem wir lange anstehen mussten auf dem Bahnhof bekamen wir die Auskunft, dass morgen nur ein Platz, übermorgen gar keiner frei ist. Zwar wäre heute Nacht auch einer gefahren, doch fast doppelt so teuer, und dann hätten wir hier auf dem Bahnhof bleiben müssen bis morgen. Die Zeit haben wir zwar bestens gekillt, doch es hat stundenlang wahnsinnig stark geregnet – wir waren trotz Windjacke und Regenschutz nass bis auf die Haut. Wir wollten eigentlich für $ 53.- je ein Zugticket nach Melbourne kaufen mit Stopover in Canberra, mussten es dann halt sein lassen, weil wegen dem Schulferienbeginn alles ausgebucht war. So sind wir jetzt mit dem teuren Bus gekommen, doch vielleicht ist’s besser so, denn wenn wir Glück haben, können wir nach Melbourne hitchen und so billiger wegkommen. Also bloss die Hoffnung nicht aufgeben – alles ist für etwas gut.
Habe heute für Werner zum Geburtstag einen Brief geschrieben – die Lebensweisheit. Ob er mir mal darauf antworten wird?

8.5.
Gestern hatten wir Glück ein Bett zu bekommen in der Jugi hier. Da jemand für heute Nacht absagte, können wir bis morgen bleiben. Gestern Nacht telefonierte ich noch mit Robert um mich zu versichern, dass sie wenigstens angekommen sein. Er klang nicht sehr begeistert und sagte, sie wollen heute per Bus nach Brisbane fahren. Scheinbar sind sie bei den Leuten hier nicht sehr willkommen. Ich gab ihnen die Telefonnummer der Jugi hier und unsere Adresse in Jakarta. Als ich später über ihre Situation nachdachte bekam ich echt Mitleid.
Der Warden hier ging gestern in die Ferien, ein Lehrer von hier macht die Vertretung. Heute wollte ich ausschlafen, doch der Typ machte kurz nach 8 Uhr Tagwache. Also ging ich duschen. Als ich zum Frühstück antrete, sitzt doch Joschi mit Maria und Robert am Tisch. Ich glaubte zuerst noch nicht ganz wach zu sein. Die beiden wurden um 7 Uhr hierhergeführt. Ihr Gastgeber ist sehr gegens Trampen und hiess sie Bustickets für morgen zu besorgen. Die beiden wollten halt der Küste entlang hoch bis etwa Rockhampton fahren. Wir gingen also zuerst zum Pioneer-Office um uns nach dem Preis zu erkundigen Canberra-Rockhampton, Zwischenstopps möglich, kostet einfach $ 99.20 pro Person, ein 15-Tages-Pass $ 260.-. Sie müssten also nach Rockhampton und zurück nach Sydney fast $ 200.- pro Person rechnen, $ 600.- haben sie noch. Sie sahen ein, dass sie halt trampen müssen. Natürlich haben sie auch ein Open-Flugticket, so dass ich für sie nach Sydney telefonierte und zwei Plätze nach Bombay reservieren konnte für den 1. Juni. Ab Bombay mussten sie auf eine Warteliste. Hauptsache, sie kommen aus Australien, denn die Flüge sind meistens ausgebucht, und sie können nicht tagelang ohne Geld in Sydney herumhängen. Ich schrieb ihnen dann noch auf, wie zum Seashore-Hotel kommen, falls sie bleiben müssen, was billige Unterkunft heisst. Schrieb ihnen alles auf Englisch auf um den Flug zu buchen, so dass sie nur den Zettel zeigen können. Das gleiche mit dem Rückbestätigen, von dem sie gar nicht wussten, dass man es tun muss. Na ja, ich hoffe wirklich ich konnte ihnen etwas helfen. Sie werden noch mit ganz anderen Problemen konfrontiert werden.
(Anmerkung: Die beiden waren in den Flitterwochen. Später schrieben sie uns, dass die Reise toll war, sie konnten – wenn ich mich richtig erinnere – bei jemandem im Zelt schlafen. Maria war schwanger, einer der beiden suchte einen Job. Oft erinnerte ich mich später an sie und dachte: Vielleicht ist das Leben leichter, wenn wir uns nicht allzu viele Gedanken machen und nicht alles planen, Sicherheit gibt es nicht wirklich. Es kommt schon alles gut – wenn man was wagt!)
Endlich konnten wir dann zur Stadtbesichtigung aufbrechen. Wir gingen einen weiten Weg zu Fuss. Ich war enttäuscht von dieser Stadt. Die Gebäude sind nicht so schön, die Anlagen ziemlich ungepflegt. Ausser riesigen, befahrenen Strassen ist kaum ein Mensch auffindbar. Eine sehr fremde, wie ausgestorbene Stadt. Kam mir vor wie in einer Wüste, weitab jeglichen Lebens. In der City war’s dann schon wieder anders. Wir schauten halt Schaufenster an um die Zeit totzuschlagen. Das Schönste waren wohl die vielen schönen Vögel, die wir sahen: Wellensittiche, Papageien und Bellbirds.

10.5. Melbourne
Hier sind wir also! Gestern legten wir fast 700 km per hitchen zurück. Zuerst fuhren wir per Bus an die vermeintliche Hauptstrasse. Nach etwa einer halben Stunde warten hielt ein Taxi. Der Fahrer erklärte uns, dass wir noch etwa 800 m gehen sollen bis zum Highway. Das war ein heisser Tipp, ansonsten wären wir wohl lange dagestanden. Wir kriegten dann einen Lift von einem Truck für etwa 10 km, dann nahm uns ein Student aus Canberra 100 km weit mit. Unseren letzten Lift, zum Glück war’s der letzte, gaben uns zwei Neuseeländer in einem Jaguar, welchen sie bloss zum Herumfahren während ihren paar Wochen Ferien für A$ 11’000.- kauften. Etwa 530 km fuhren wir in einem Höllentempo. Sie fuhren uns zur City. Per Tram erreichten wir die Jugi um etwa 21 Uhr, doch beide waren voll. Wir bekamen Adressen von Billighotels und fuhren zurück in die City. Gemäss der alten Zeitung kostete Double $ 12.-, doch jetzt ist der Preis auf $ 18.- gestiegen. Alle Doubles waren jedoch ausverkauft, so dass wir ein Single für $ 15.- bekamen. War ein schrecklicher, lauter Kasten. Am schlimmsten waren die Toiletten und Duschen. Aber was soll’s, ich war so müde, ich schlief lange nicht mehr so gut. Heute Morgen gingen wir frühstücken, dann zur Post. Nur eine Karte war da, wirklich enttäuschend. Aufgestellt haben uns die 15 Diafilme. Wir haben uns einen Diabetrachter angeschafft. Vor einer halben Stunde sahen wir uns die letzten Bilder an und ich muss sagen, sie sind echt gut, kaum Ausschuss. Jetzt sollten sie noch in der Schweiz sein. Das wird eine teure Sache werden, das Zeug ist wahnsinnig schwer. Vom Fotogeschäft gingen wir um die Ecke zu Garuda. Das Ticket ist halt doch bloss bis zum 2.8.84 gültig. Der Flug ist also rückbestätigt. Bei einem Kaffee bei McDonald gingen wir die Rucksäcke auf dem Bahnhof deponieren, dann setzten wir uns auf eine Parkbank und schauten Dias an. Zurück in der City kauften wir in einem Duty-Free-Shop nochmals zehn Diafilme. Von unserem Neuseelandticket her hatten wir noch einen 5%-Rabatt-Bon, so dass und ein Film auf $ 7.70 zu stehen kam. Auch noch teuer genug.
Wir holten die Rucksäcke ab, nahmen das Tram zur Jugi, gingen einkaufen, assen, duschten, endlich in eine Laundry gegangen, Gepäck in der anderen Jugi abgeholt, und in der neuen sind wir jetzt. Ist sehr schön hier, Doppelzimmer mit Tisch und grossem Wandschrank. Nur die Küche ist sehr klein, besonders wenn man bedenkt, dass hier bis 100 Personen Platz haben. Anyway, wir konnten heute viel erledigen – vielleicht zu viel, denn was werden wir mit den verbleibenden fünf Tagen wohl anfangen?

11.5.
Heute gingen wir zu Fuss in die City und zurück. Wir kauften eine Flasche Wein für Herrn Schmidt, gingen sie alsdann abliefern, doch die Dias waren noch nicht hier. Wir müssen warten bis Montag. Irgendwie schlagen wir die Zeit tot, konnten aber dann wenigstens in der alten Jugi die zwei Kodakfilme abholen. Die Bilder sind gut, einige halt schwarz, weil wir Schwierigkeiten hatten mit dem Spiegel.
Die letzten zwei Stunden lagen wir im Bett zur Erholung: Joschi hat sich eine Erkältung geholt und hat eine geschwollene, schmerzende Fusssohle. Ich habe ein Glas Vollrahmmilch getrunken und seither, es ist nicht das erste Mal, Magenbrennen. Aber solange wir nur solche Leiden haben! Eben habe ich Cathy hier in Melbourne angerufen, doch sie ist noch in den Ferien.

12.5.
Sitze eben im Coffee Shop des Nationalmuseums und warte auf das deutsche Mädchen, welches wir von Queenstown her kennen und eben im Museum wiedertrafen. Im Museum – was sonst kann man an einem Samstag schon anstellen? Aber ich meine, es ist eines der besten, die ich bis jetzt sah. Es gibt zum Beispiel eine Abteilung Experiencelearn, wo gross und klein Experimente durchführen können, welche auf physikalischen Gesetzen beruhen oder optischen Täuschungen. Bei den Autos, Zügen und Flugzeugen hat’s immer Modelle eines Motorenteils, welche auf Knopfdruck arbeiten. So kapier sogar ich, wie der Kolben funktioniert. Wir waren auch im Planetarium, war für beide das erste Mal. War schön zu sehen, doch nicht besonders interessant. Anschaulicher waren die Ausstellungen über Zellen, Malaria, Stubenfliegen und atomarer Aufbau. Als wir eben das «berühmte», 1932 in California verstorbene, australische (ausgestopfte) Rennpferd ansahen (den Namen habe ich vorhin nie gehört und jetzt schon wieder vergessen), trafen wir die Deutsche.

13.5.
Das Mädchen heisst übrigens Gertrude, und wie wir gestern im Museums-Coffee-Shop erfahren hatten, arbeitet sie hier seit anfangs Jahr bei Siemens und kehrt dann im September wieder zur Siemens in Deutschland zurück. Sie hat hier eine Wohnung und einen Ami-Wagen. Wir fuhren vom Museum ins McDonalds, danach zeigte sie uns Melbourne bei Nacht, auch den Hafen, bevor wir zu ihr nach Hause gingen. Sie führte uns auf 22 Uhr in die Jugi zurück und kam uns heute um 10 Uhr abholen. Wir fuhren 70 km gegen Osten, wo wir eine Tier-Sanctuary besuchten. War schön und teuer, pro Nase $ 4.40 Eintritt. Wir waren nach meiner Meinung zu lange drinnen, habe mich zwischendurch gelangweilt. Nach diesem Besuch ging’s wieder ins McDonalds, ist halt doch das Billigste. Auf dem Weg in die City hielten wir bei einer Telefonkabine und Joschi rief zu Hause an, insbesondere weil heute Muttertag ist. Seiner Mutter ging’s dann etwa wie meiner, vor Verblüffung konnte sie kaum etwas sagen.
Wir sassen etwa eine halbe Stunde in Gertruds Wohnung, als ein Bekannter von ihr, Horst, vor zwanzig Jahren ausgewandert, sich zu uns gesellte. Wir hatten eine nette Unterhaltung, bis wir halt dann wieder auf 22 Uhr in die Jugi geführt wurden und zwar mit Horsts Mercedes. So ist also auch das Wochenende gerettet worden!

15.5.
Gestern holten wir die Filme im Duty-Free, die gut gelungenen Dias, die schauten wir uns im Park an. Wir kauften auch noch ein grosses Postbag. Wie telefonisch abgemacht, trafen wir und Gertrude um 18 Uhr bei Cathy und Steve ein. Gemeinsam gingen wir türkisch essen, was uns sehr gut schmeckte. Es war ein wirklich schöner Abend.
Heute Morgen gingen wir mit dem Paket zur Post – war das wieder eine Operation! Resultat: kostete uns A$ 71.60!! Aber weg ist’s. In einer Woche soll’s zu Hause sein. Hoffentlich sind alle Dias noch ganz.

16.5.
Gestern schickten wir noch Aerogramme, kauften für Susanne und Thomas eine Hochzeitskarte, doch mit Dichten wurde nichts. Kaum waren wir in der Jugi, kam Gertrude. Ich hatte gerade geduscht und die Haare gewaschen, vorläufig letztmals mit fliessendem Warmwasser. So konnten wir keinen Vorschlag Gertrudes ausführen, denn waschen mussten wir auch noch. Sie sagte dann alle Vorhaben telefonisch ab. Wir gingen zusammen in die Laundry und danach chinesisch essen. Mein Beef war nicht schlecht, doch die beiden anderen beschwerten sich über die Ente. Kostenpunkt ohne den mitgebrachten Wein: A$ 10.- pro Person. So ist dann auch unser letztes Geld aufgebraucht worden. Heute kam uns Gertrude um 8.30 Uhr in der Jugi abholen und brachte uns zum Airport – wirklich lieb. Es reichte gerade noch um zusammen eine Tasse Kaffee zu trinken. Und dann hiess es Abschied nehmen. Nicht nur von Gertrude, auch von Australien. Bald werden wir schon in Bali landen. Das Mittagessen an Bord kam zwar aus australischer Küche, war aber etwas besser als während dem letzten Flug. Das Dessert war dasselbe.

 

Tram in Sydney

Oldtimer truck in Australia

Ladies bowling in Australia
Die Damen beim Bowling

17.-23.2.      Melbourne
23.-25.         Port Fairy
25.-27.         Beachport
27.2.-2.3.     Adelaide
3.-6               Alice Springs
6.-7.              Ayers Rock
7.-9.             Alice Springs
11.-13.         Townsville
13.-15.         Magnetic Island
15.-16.         Rockhampton
16.-18.         Great Keppel Island
18.-19.         Pialba / Fraser Island
19.-22.         Brisbane
22.-25.         Byron Bay
25.-1.4.        Sydney

4.-7.5.          Sydney
7.-9.5.          Canberra
9.-16.5.        Melbourne

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