1984 Philippinen – Tagebuch

Travel route Philippines 1984
Route Philippinen 1984

25.-29.Manila

Jeepney in Manila
Manila – Jeepney

Der Flug von Bangkok dauerte bloss zweieinhalb Stunden. Der Lunch im Flugzeug war für uns ein Festessen. Das Gebäck hatte Lebkuchencharakter, und auch noch mit Schlagsahne!! Und dazu, weil Weihnachten ist, gab’s kalifornischen Rotwein – ein Hochgenuss!

Die Passkontrolle verlief reibungslos, kein einziges Gepäckstück mussten wir am Zoll öffnen!

Unser erster Eindruck von Manila ist bestens. Alle sprechen englisch, sind freundlich, rufen hello friend und Merry Christmas.

Fast food and market

Im Allgemeinen sind hier die Preise höher als in Thailand. Eine Umstellung ist der Rechtsverkehr. Alle bisher getesteten Kaffees schmeckten scheusslich. Das Bier ist etwa gleich teuer wie Mineralwasser. Wir sitzen open-air bei Livemusik, welche ganz modern ist, ganz anders als die thailändischen Klängen. Der erste Eindruck vom Nachtleben: da kann man Bangkok gleich vergessen! In den Restaurants hat es mehr Mädchen als Gäste, meistens Schweizer! Die Philippinas finden wir viel hübscher als die Thais.

26.
Sechststündiger Zu-Fuss-Entdeckungstrip: Rizal-Park, San Augustino-Kirche und -Museum, Festungsanlage am Fluss mit Rizal-Museum (Zelle und Erinnerungsstücke), Manila Cathedrale. Keine schöne Stadt, doch da heute Feiertag, kaum Verkehr und noch weniger Menschen in den Strassen.

Traffic in Manila 1984
Verkehrschaos in Manila 1984

Abends seit langem wieder mal Kartoffeln gegessen im Español.

27. Chinese Cimetery

Chinese cimetery in Manila
Chinesischer Friedhof in Manila

Erste Jeepney-Fahrt. Eindrücklich! Lauter Sound wie Zeppelin, Deep Purple, … Natürlich fuhren wir zum GPO. Ist eher eine Fabrik. Poste-Restante-Schalter hat Nr. 223, bei den Stamps standen etwa hundert Leute an. War halt auch geschlossen über Weihnachten.

Jeepney in Manila 1983
Jeepney in Manila 1983

Jeepney in Manila 1983

Die Schreibfreudigkeit unserer Freunde ist etwas enttäuschend, andererseits bin ich zu Hause nicht besser. Aber einige Treue haben wir: Mutti schickte eine Weihnachtskarte, welche beim Aufklappen «Stille Nacht» spielte. Sie fragt, ob ich ihren langen Brief erhalten habe. Leider nicht. Thomas schrieb und Therese sandte mir sogar ein Büchlein, «Das kleine Buch der Freundschaft» und drei Fotos ihrer Familie. Ist das lieb!

Der chinesische Friedhof ist eine richtige Totenstadt mit Strassennamen. Die meisten Gräber sind aneinandergebaut, meist aus Marmor, etwa vier Meter hoch, haben alle WC, Lavabo, Küche, zum Teil Klimaanlage, Briefkasten, Garten mit Tischen und Bänken sowie Cheminées. So was haben wir noch nie gesehen! Auf den Tischchen drinnen standen oft Konserven und Mineralwasserfläschchen.

House in chinese cimetery

(Anmerkung: 7 Jahre später besuchte ich den Friedhof mit einem Führer. Die Grabstätten dienten den Angehörigen als Wochenendhaus, daher die Einrichtung. Der Friedhof kann nur von Angehörigen besucht werden. Er ist streng bewacht. Auch, weil viele Verstorbenen ihr Vermögen ins Grab bzw. auf das Anwesen mitnehmen oder ihre Produkte ihrer Firma, wie das Suzuki-Motorrad, mit welchem die Nachkommen beim Besuch jeweils im Friedhof rumkurven. Der Friedhof liegt inmitten einer armen Gegend. Ein Junge soll erschossen worden sein beim Versuch, die Mauer zu übersteigen.)

Vom «Palace» sahen wir nicht viel (damals regierte Marcos): hinein konnte man nicht, alles war ummauert oder umzäunt, fotografieren verboten. Besuch der San Sebastian Kirche (Kirchen faszinierten nach vier Monaten Asien und Tempeln). Weiter durch das Geschäftsviertel, wo es vor allem Riesen-Papeterien gab, aber auch moderne Warenhäuser, unzählige Trottoir-Händler, usw.

Tricycle in the Philippines 1983
Tricycle auf den Philippinen 1983

28.
Nach dem Schlangenstehen auf dem Postamt konnten wir Cheques einlösen, gingen zur Tourist-Information im Tourist-Ministerium, kauften in einer Papeterie Schreibpapier, Ansichtskarten, Landkarte und Lektüre.

Die Zeit bis zur Abfahrt des Busses um Mitternacht nutzten wir für die Korrespondenz.

29. Bontoc, Mountain Inn, 30 P ein Single mit Tisch, WC/Dusche

Unsere Ankunft

Bontoc - arrival with bus
Ankunft in Bontoc. Unten im Bus, hinter Gittern, reist ein Schwein mit

In Baguio mussten wir umsteigen. Mit dem ersteren Bus legten wir etwa 2/3 der Strecke in 4 ¼ Stunden zurück, für den restlichen Drittel benötigten wir ganze 6 ½ Stunden, war aber eine wunderschöne Fahrt auf ungeteerten Strassen mit lauter Kurven. Wir bekamen somit einen Eindruck der Weite, der Dörfer, deren Bewohner und von Reisterrassen – überwältigend!

Wer uns heute begegnete? Unglaublich! Da sitzen wir müde im Hotel am Tisch, und wer kommt die Treppe herunter und geht an uns vorbei? – Lis!! (Meine Schulfreundin) Das gibt’s doch nicht! In diesem abgelegenen Kaff ohne Sehenswürdigkeiten. Zuhause sahen wir uns seit eineinhalb Jahren nicht. Unglaublich!

Mit einem Tricycle fuhren wir die ca. 7 km zur Monkey-Bridge. Diese Brücke ist aus Bambus und muss alle drei Jahre neu gebaut werden. Sie hat die Form eines Bumerangs und ist an der höchsten Stelle etwa acht Meter über dem Wasser. Für ein Foto ging ich bin zum höchsten Punkt – überwältigend!

Bontoc Monkey-Bridge 1983
Bontoc Monkey-Bridge 1983

Am Fluss sass auch ein schwedisches Paar, welches dann mit uns zusammen den Anstieg (etwa 20 Minuten) in Angriff nahm, und dann mit uns im Tricycle ins Dorf zurückfuhr. Ein Tricycle ist übrigens ein überdachtes Motorrad mit Seitenwagen, eigentlich ein Dreiplätzer. Aber wir schafften den Rückweg zu fünft.

30.
Am Morgen machten wir Wäsche, welche wir auf dem Dach aufhängen konnten. Am Nachmittag besuchten wir das Museum, das interessanteste, das ich je gesehen habe. Hauptsächlich die Fotos (also Realität), auch von Kopfgeldjägern hier aus der Gegend. Und ich stehe mittendrin, in der Welt dieser «*Eingeborenen».

Am Abend verabschiedeten wir uns von Lis, welche am Folgetag nach Baguio fuhr, wir nach Sagada. Wir werden uns in Manila Nachrichten hinterlassen und uns vielleicht wiedersehen?

31.12 Silvester? Sagada, Julia’s Guest House
Im Weber-Shop kauften wir uns Brustbeutel, dann statteten wir einer kleinen Gräberhöhle einen Besuch ab. Leider waren praktisch alle Särge offen und beinhalteten nur noch einzelne Knochen. Scheinbar waren einige Touristen auf Souvenirjagd, dazu kratzten sie noch ihre Namen und Datum auf die Särge – geschmacklos!

Dann wanderten wir etwa 3 km weit auf einen Hügel, von wo man einen herrlichen Ausblick auf die wunderschönen Reisterrassen hat.

Rice terraces in Sagada
Sagada, Reisterrassen

Zurück im Dorf gingen wir wieder zu den Weberinnen, wollten ihnen bei der Arbeit zuschauen, doch sie waren alle mit Einspannen beschäftigt. Schliesslich suchten wir den Spitalkoch auf und buchten für morgen den Höhlentrip.

Wir haben heute sicher zehn Kilometer zurückgelegt, und abgesehen von ein paar Bussen und einigen Leuten an den interessanten Stellen, sind uns etwa sechs Einheimische begegnet. Es ist so ruhig hier – eine wunderschöne Gegend.

Rice fields in the Philippines

Am Abend meldeten wir uns in unserem Hotel zum Nachtessen an. Das Restaurant war voll, denn bei Julia gab’s ausnahmsweise kein Dinner. Wir sassen dann mit einem deutschen Pärchen am Tisch und dessen bayerischen Kollegen, welchen sie unterwegs trafen. Wir kamen bald ins Gespräch. Sie hatten am Morgen von allen auf dem Markt erhältlichen Früchten gekauft, diese gerüstet, ganz klein geschnitten und mittels Gin, Cocosnuss- und Ananassaft zu einer Bowle verarbeitet. Das schmeckte einfach fantastisch. Um Mitternacht reicht es dann auch nur noch jedem einen Schluck zum Anstossen aufs neue Jahr. Zu diesem Zeitpunkt standen wir draussen auf dem Dorfplatz, wo die Einheimischen schon seit Stunden feierten. Sie machten ein Feuer, ca. 15 Männer liefen rundum mit Gongs, die sie im immer gleichen Rhythmus schlugen – stundenlang. Sie wechselten sich ab, änderten Schritt- und Gangart, mal tanzten sie hintereinander, oder in gegengesetzter Richtung, mal gegen das Feuer, mal zurück. So tanzten sie sich in Trance. Auch die Zuschauer wippten im Rhythmus. Dabei wurden ständig Knaller und Zuckerstöcke gezündet. Was für ein schönes Silvester-Fest!

New Year's Eve in Sagada, Philippines
Silvester 1983 in Sagada

1.1.84 Höhlentrip

Tour in Sagada caves with guide
Mit unserem Führer, dem Spitalkoch, durfte ich sieben Jahre später eine zweite Höhlentour erleben.

Wir waren nur zu viert unterwegs. Das war schon anders als in Europa – keine Wege, keine Geländer, kein Licht. Kurz nach dem Höhleneingang mussten wir Schuhe, Socken und Hosen ausziehen. Wir konnten alles in Sack und Tasche verstauen, welche unser Führer im Felsen versteckte. Anfangs komisches Gefühl – fünf Leute in der Unterhose, kalter, schlüpfriges Gestein und noch kälteres Wasser – aber es war einfach fantastisch! Mit den nackten Füssen haftete man effektiv am Felsen und konnte problemlos Steilwände hoch und runter gehen. Steine und Geröll gab’s nicht. Man musste schon genau aufpassen, wo man hintrat, so dass wir die Kälte des Wassers gar nicht spürten. Da es absolut keinen Weg gab, sah’s manchmal schon gefährlich aus: Da wateten wir durchs Wasser, und daneben sahen wir nicht abzuschätzende Tiefen. Dann kam die erste Schwierigkeit: eine ca. 80 cm breite Schlucht, vielleicht fünf Meter tief. Wir mussten uns anspannen, den Rücken also an die eine Wand, die Füsse gegenüber anstemmen und langsam runter schreiten bzw. rutschen. Dann kam ein Gang mit beidseits steilen Wänden, und am Fusse nur Wasser, sehr tief. Der Führer spannte sein Seil, und so konnten wir uns mit den Händen gut festhalten. Mit den Füssen bin ich einmal ganz abgerutscht. Beim Swimming-Pool angekommen, ging der Israeli kurz schwimmen – war schrecklich kalt. Mir genügte das Waten, denn das Wasser stand uns bis zur Hüfte. Am Ende eines Teichs kam eine 1 m hohe Steilwand. Man konnte sich mit den Händen auf beiden Seiten festhalten und dann die Beine hochschwingen. Ausser mir haben’s auch alle geschafft. Für mich wars wieder mal eine gute Erfahrung, denn hätte ich alles im Voraus gewusst, ich wäre bestimmt nicht mitgegangen. Und dabei wars so schön. Ich hatte echt den Plausch und wäre noch lange barfuss über Felsen und durch Wasser gegangen.

Znacht assen wir im St. Joseph, bei den Nonnen. Diese waren sehr lieb und härzig. Zwar trugen sie den Schleier, doch die eine auch eine McDonald-Schürze, die andere eine Jeansjacke. Das Essen war spitze: Reis, gemischter Salat, Gemüse, Riesenpoulet und Bananenwähe. Von allem konnte man essen, so viel man wollte.

2.
Heute ging’s noch zum «Lake», vorbei an schönen Reisterrassen. Später warfen wir einen Blick auf die «Hanging Coffins». An einem Felsen hängen übereinanderliegend fünf, sehr lange Särge.

Coffins in a cave and hanging in Sagada, Philippines
Sagada, Höhlengräber und hanging coffins 1984

Nachtessen bei Julia. Bei Kerzenlicht genossen wir das vegetarische Essen: Kartoffeln, so etwas zwischen Stock und Rösti, Rahmgurkensalat, Gemüse und Bananen. Schmeckte fantastisch!

 

29. Bontoc
Wir trafen Michael und Beate, welche für den Folgetag einen Führer buchten zu den Tribes (Bergvolk). Wir werden mitgehen, sechs Stunden wandern. Also kauften wir einen kleinen Rucksack und etwas Verpflegung.

Nachts spielten wir im Happy House zu fünft «Bube raus» (=Elfer raus). War lustig.

Rice terraces near Bontoc
Reisfelder um Bontoc

Rice terraces north Philippines

4.
Der Trampelpfad ging steil bergan. Unsere Führer waren zwei Jungs, 8 und 11jährig, in Badeschlappen. Endlich oben angelangt, war der Weg zum Village wegen «Holiday» gesperrt. Das erkannten die Jungs an den über dem Weg gekreuzten Gräsern. Es wäre gefährlich, die Bewohner der Bergstämme zu stören. Wir hatten Respekt, denn sie waren ja bis vor wenigen Jahrzehnte Kopfgeldjäger und Kannibalen. Eine ältere Eingeborene erzählte einem Reisenden, den wir kennenlernten, dass die besten Stücke des Menschen jene unterhalb des Daumens sind und jene in der Mitte des Unterfusses, besonders mit Zitronensaft beträufelt.

Natives around Bontoc
Natives, denen wir auf unseren Spaziergängen rund um Bontoc begegneten

Ursprünglich wollten wir zu fünft das Eingeborenendorf besuchen. Nachdem der Fahrer des Jeepneys zu viel verlangte, ging Michael, ein Journalist aus Deutschland, zu Fuss los. Als wir in der letzten Steigung waren, kam er uns mit einem Begleiter entgegen. Dieser war ein Tourist aus der Nähe von Manila. Die beiden lernten sich am Vortag kennen. Der Philippino wollte zwar gestern abreisen, blieb dann, angeblich auf einen Freund wartend. Er wohnte wie wir im Mountain Hotel. Er sagte Michael, er hätte noch einen Film auf Kassette vom Mord des Oppositionsführers am 21.8.83. Als Journalist, der auch Filme fürs Fernsehen drehte, war Michael interessiert. Wir machten uns schon Gedanken, uns war nicht mehr so wohl, Michael alleine mit diesem Fremden zu wissen. Als wir abends über die Strasse ins Happy House gingen, sass Michael mit seinem Begleiter und zwei weiteren Gästen gleich am ersten Tisch. Michael erzählte uns ganz begeistert, wie er mit seinem Freund bei einer Beerdigung war. Die Tote sass auf einem Stuhl, viele Tiere wurden geschlachtet. Später gingen Michael und sein Freund rüber in unser Hotel zum Duschen, wollten danach nochmals vorbeikommen. Kaum waren sie draussen, stürmten einige Leute vom Restaurant auf die Strasse. Joschi meinte, ich soll mal nachsehen, ob unser Hotel brenne, es sei hell draussen. Unser Hotel war ok, auf der Strasse befanden sich etwa 80 Leute. Es war stockdunkel, ich konnte nur das Licht eines Tricycles ausmachen. Wieder drinnen, meinte ein Österreicher, sie hätten ihn wahrscheinlich ins Spital geführt.

Etwa um 21 Uhr gingen wir dann rüber ins Hotel. Da stand Michael, wollte etwas sagen, brachte aber kein Wort hervor. Seine Hände und Jackenärmel waren voller Blut. Er befand sich in einem Schockzustand, erzählte uns dann, dass sein Philippino-Freund, als sie das Lokal gegenüber gemeinsam verliessen, auf der Strasse niedergestochen wurde. Daher dieser Menschenauflauf! Es seien etwas sechs oder sieben Männer von hinten gekommen, alle hatten sie Messer. Michael wollte seinem Freund helfen, schrie «help us», aber kein Mensch rührte sich. Er allein konnte nicht viel ausrichten, nur etwas abwehren. Er hatte Glück, selbst nichts abgekriegt zu haben, obwohl es so aussah, als stachen sie ganz gezielt den anderen nieder. Michael nahm dann mit dem Verletzten ein Tricycle zum Spital. Nach einer Stunde war dieser tot. Es wurde auch sein Herz verletzt. Die Krankenschwester meinte, Herzstiche seien selten, aber es käme vor, dass einige Besoffene eine Wette abschliessen, sich jemanden aussuchen, kann auch ein Tourist sein, und den oder die, dann niederstachen.

Erst im späteren Gespräch mit den anderen erfuhr ich, dass wir vorgestern von der Polizei gesucht wurden. Und zwar macht die Hotelangestellte immer Kontrolle, wer sich im Zimmer befindet. Ist jemand um 22.00 Uhr nicht zurück, wird sofort die Polizei verständigt, welche dann die Leute sucht. Also das will was heissen!!

(Anmerkung: in jedem Restaurant hing ein Plakat mit dem Hinweis, dass Waffen im Gasthaus verboten sind. Zu jener Zeit standen überall an den Strassen Militärs mit Gewehren. Oft waren sie betrunken und unzurechnungsfähig.)

In der Nacht wurde das Hotel von der Polizei bewacht. Michael durfte nicht raus, muss heute zum «Verhör». Er erhielt die Adresse des Ermordeten, auch jene von dessen Schwester, um diese anzurufen. Der Ermordete war jünger als wir, verheiratet und hatte zwei Kinder. Wie er Michael erzählte, war er beruflich der Bewacher des Neffen des Präsidenten (Marcos), gegen den die Menschen hier oben einiges haben – das könnte ein Grund sein für den Mord. Michael erinnerte sich später auch, dass ein blauer, neuerer Jeepney mit etwa 70 h/km gerast kam, und die Messerstecher plötzlich verschwunden sind. Wenn der Jeepney etwas damit zu tun hatte, war das schon genau geplant.
(Anmerkung: den wahren Grund erfuhren wir einige Tage später.)

Das Ganze war uns allen eine Lehre, besonders auch Beates Freund Michael, der vorgestern spät noch unten im Hotel blieb, vorerst mit dem anderen Michael. Einheimische männliche Gäste waren total besoffen, einer hatte ein Maschinengewehr. Michael schätzte die Situation als zu gefährlich ein, während Beates Freund Erfahrungen sammeln wollte.

5. Banaue
Das Dorf ist ziemlich langweilig. Beim Lunch in der Way Lodge lernten wir zwei Schweizer und einen Deutschen kennen. Mit diesen und einem Mädchen erklommen wir die Reisterrassen zum Wasserfall. Der Weg war beschwerlich, da sehr hohe Treppen, schmutzig und schlüpfrig. Die Aussicht war wunderschön. Der Weg führte vorbei an Holzhütten mit Strohdächern, mitten durchs Familienleben.

Native near Bontoc 1984
Eingeborener bei Bontoc 1984

(Anmerkung: Diese Fotos machen mir bis heute ein schlechtes Gewissen. Diese Menschen verboten es, sie zu fotografieren. Sie glaubten, dass ihre Seele in den Apparat wandere. Wir taten es dennoch heimlich. Der Mann rechts muss das Klicken gehört haben und drehte sich um – wie beschämend für uns!)

6.
Heute warteten wir vergeblich auf Beate und Michael. Zu zweit erklommen wir den View Point, 4.5 km pro Weg. Die Anstrengung hat sich gelohnt – sehr guter Ausblick auf die umliegenden Reisterrassen. Oben sassen ca. 12 alte Leute in ihren Trachten samt Kopfschmuck und Speer. Pro Foto und Person 1 P. Wir wollten dann zwei Alte, einen Mann und eine Frau ablichten, da standen schon vier bereit, und bis Joschi das Objektiv wechselte, waren’s schon gut zehn. Wir deuteten an, dass wir nur 4 P bezahlen, und schon wanderten die «Neuankömmlinge» ab. Waren so härzig und hatten Spass, auch alle anderen anwesenden Touristen. Was mich enorm störte: alle Kinder, denen wir auf dem Weg begegneten, sagten: take picture from me oder give me money. Zudem waren einige echt aggressiv, drohten uns mit Stecken, und drei sogar mit Steinen.

Natives as model for tourists
Die Models machen Pause und warten auf Touristen, die Einheimische fotografieren wollen.

Zurück im Dorf, trafen wir auf die eben angekommenen Doris, Hampe und Theo, die St. Galler, welche wir im Julia in Sagada trafen. Buddi, ein allein reisender Deutsche, welchen wir schon während unseres ersten Bontoc-Aufenthaltes kennenlernten, wird morgen unserer sechs Personen zählender Gruppe angehörenen. Wir mieteten für 06.30 Uhr einen Jeepney nach Batad, zu den Reisterrassen.

Jeepney-Stopp in Bontoc
Auf dem Jeepney-Stopp in Bontoc

 

Natives between Bontoc and Banaue

7.
Geweckt wurden wir zwar nicht, aber mit dem Frühstück klappte es. Wir sassen draussen auf der Veranda, der Himmel wolkenlos. Dann etwa 40 Minuten Fahrt mit dem Jeepney, und der Marsch begann. Bis oben zum Sattel ging’s regelmässig steil, etwa vier Kilometer. Theo ging sofort voran und legte ein unwahrscheinliches Tempo vor. Ich musste jedenfalls fast schon laufen. Keiner wollte jedoch derjenige sein, der nicht mithalten konnte. Hampe hatte einige Schwierigkeiten, Mühe mit den Knien, war bachnass, aber alle hintennach. Auf dem Sattel Pause, und dann wieder im Marschtempo runter nach Batad. Wir setzten uns an einen langen Tisch vor einem Haus (war ein Restaurant), und tranken etwas.

rice terraces wonder of the world
Ifugao-Dorf

Ich wollte gerne den vierstündigen Rundmarsch machen. Ich glaubte, das sei auch das, was Marianne und Peter machten mit einem Führer für 15P. Aber die Jungs verlangten von uns 30 bis 50! Also beschlossen wir alleine loszuziehen. Sehr steil gings etwas zehn Minuten runter zum Aussichtspunkt. Zwei Jungs waren noch bei uns, sie wollten 50P haben. Also gingen wir alleine weiter hinunter. Die Jungs lachten hämisch und wir waren verunsichert, glaubten, auf dem falschen Weg zu sein. Zudem sahen wir den Weg oberhalb des Aussichtspunktes, doch so wie das aussah, hätten wir ganz runter ins Tal müssen und dann am andern Hang weit und steil wieder hoch. Nach langem hin und Her entschlossen wir uns zurück zu gehen zum Restaurant. War das eine Anstrengung! Ausser Atem kamen wir oben an. Die Frau vom Restaurant empfahl uns, den einfacheren Weg zum nächsten Dorf. Wir sahen es gut von oben – weit wars nicht, aber sehr steil. Nach dem vorigen Aufstieg hats und den Mumm genommen. Nur der Deutsche ging runter mit dem später eingetroffenen Dänen. Wir blieben in der Beiz. Diese war wunderschön gelegen, fantastischer Rundblick auf Berge und Reisterrassen mit Dörfchen. Dann kam noch eine Schweizer Hotelplangruppe, und nach kurzem Gespräch mit diesen Leuten machten wir uns auf den Rückweg. Da sagte mir Joschi, dass es ihn wahnsinnig anscheisse. Wir wären an so einem wunderbaren Ort gewesen, sassen aber nur in der Beiz, weil alle kaputt waren nach diesem schnellen Aufstieg, den Theo verschulde. Ich fand es auch schade, diese Anstrengung nicht auf mich genommen zu haben, sah aber den Fehler einzig bei uns.

(Anmerkung: An diese Episode erinnere ich mich bis heute in ähnlichen Situationen. Nie wieder habe ich mein Tempo anderen angepasst, ich gehe stets meines und erreichte meistens das Ziel, auch wenn es etwas länger dauerte. 1991 konnte ich dann diese Tour nachholen.)

Ifugao village in the rice terraces Banaue

Banaue rice terraces
Reisterrassen rund um Banaue

Nach unserer Rückkehr sassen wir im Half Way Restaurant, als Beate und Michael auftauchten, von denen wir die Neuigkeiten zum Mord in Bontoc erfuhren. Also das war so: In Bontoc sitzt ein Mann im Gefängnis, wo er seit einem Jahr auf seinen Prozess wartet. Angeklagt ist er, weil er ein Mädchen aus einem Bergstamm entführte, könnte aber auch sein, dass das Mädchen freiwillig mitging. Jedenfalls hatte der nun Ermordete F einen Arbeitskollegen, welcher mit dem Gefangenen verwandt war. F wurde von diesem gebeten, dem Häftling Nahrung und Literatur zu bringen sowie ihn moralisch etwas zu unterstützen. Dies erfuhr dann die Familie des Mädchens, welche nach Stammessitte das Mädchen rächen musste. Nur wussten sie nicht, dass F gar kein Verwandter war. Am Tag des Mordes wurde auch versucht, den Gefangenen unter Mithilfe eines scheinbar korrupten Polizisten zu befreien, was aber nicht gelang. Der Mord brachte einige Unruhe ins Dorf, denn F war effektiv irgendwie in Regierungskreisen tätig, der Mord geschah vor den Augen der Polizei, mitten auf der Strasse, um 18.00 Uhr, und niemand versuchte es zu verhindern. Für die Polizei wird das bestimmt ein Nachspiel haben. Sie versuchten den Leuten von den Bergstämmen klar zu machen, dass sie solche Rache nicht mehr nehmen sollten in der heutigen Zeit, und wenn doch, dann schon gar nicht vor den Augen der Touristen, wo sie F doch bestimmt auch woanders hätten erwischen können. Das Ganze gefährdet natürlich den Tourismus resp. Einnahmequellen und Arbeitsplätze. Weiter versuchte die Polizei den Einheimischen klar zu machen, dass sie so etwas nicht einfach geschehen lassen dürfen, denn sonst passiert das täglich.

Den Vater des Mädchens hatte die Polizei verhaftet. Den Mord wird man ihm kaum beweisen können. Der Mann ist aber überzeugt, dass dieser Mord nötig und richtig war. Dafür nimmt er auch ganz gelassen lebenslängliche Haft oder Todesstrafe hin.

Michael sollte einen Revolver tragen zu seiner Sicherheit. Wollte er aber nicht, weil er nicht damit umzugehen weiss, und es auch nicht lernen möchte. Er bekam dann einen Leibwächter. Er wurde zum Stamm des Mädchens geführt, wo man Gegenüberstellungen machte. Erst riet man Michael, möglichst schnell zu verschwinden, doch andererseits war er für weitere Ermittlungen recht wichtig. Er entschied zu bleiben, bis die Familie des Ermordeten eintrifft. Diese konnte nur schwer erreicht werden, denn ein Telex Bontoc-Manila brauchte fünf Tage (!?). Da hier die Leichen nach Hause genommen werden, gibt es natürlich keine Leichenhalle. So wurde F eben in irgendeine Scheune gelegt. Michael organisierte dann einen Sarg, der in die Town-Hall gestellt werden konnte, dies aus Rücksichtnahme auf die Familie und Angehörige.

Am Abend besuchen wir einen Schmetterling-Käfer-Shop. Die Hotelplan-Reisegruppe befand sich schon drinnen. Da brachte ich den Reiseleiter arg in Verlegenheit mit der Ermahnung, dass Schmetterlinge nicht in die Schweiz eingeführt werden dürften. Das brachte ihn wohl um seine Provision. Die Reiseteilnehmer fragten nämlich erstaunt: Wirklich? Worauf der Leister sagte, für bestimmte Arten schon, er wisse aber nicht genau welche, man müsste halt einen Katalog haben. Würde man erwischt, käme das teuer zu stehen. Er würde das aber seinen Leuten auch immer sagen (?). Zudem hätte er selber auch welche gekauft. Kommentar überflüssig.

Später wollten wir ins vornehme Banaue-Hotel, um Tanzvorführungen der Bergstämme zu sehen. Da aber die meisten dort wohnenden Gäste abgereist waren, oder der Vorführung schon beiwohnten, wurde alles abgesagt. Wir gingen dann mit den anderen noch in den Traveller’s Inn auf einen Abschiedstrunk. Um 22.00 Uhr mussten wir ja drinnen sein.

8.
Geweckt wurden wir natürlich nicht, zum Glück erwachten wir aber rechtzeitig, um unseren Regular Bus nach Manila zu erwischen. Ein schreckliches Modell, der Lärm veranlasste uns, Watte in die Ohren zu stopfen. So ca. um 14.30 Uhr hatten wir’s geschafft. Bzgl. unserer Weiterreise tappen wir noch im Dunkeln.

9.
Am Morgen buchten wir den Flug nach Melbourne für den 16.2.84. Danach freuten wir uns auf dem GPO über zwei Briefe. Wie schon Mutti von einem langen Brief berichtete, den wir nicht erhielten, will uns auch Arthur bereits zwei Karten und einen Brief gesandt haben. Nach dem heutigen Postbesuch wundert mich zwar nichts mehr. Wir trafen zufällig Lis, die berichtete, dass zwei ihrer Briefe unter F für Fräulein abgelegt waren, ein dick und fett geschriebenes G war unter H, also ein Kästchen daneben. Ein Brief der deutschen Bundespost an das Postamt, Paketabteilung war auch dort abgelegt. Ich fand dann tatsächlich auch etwa acht falsch abgelegte Briefe, die ich dem Fräulein zurückgab. Wirklich ein wahnsinniges Puff!

Fahrt ins moderne Makati-Viertel um bei der Hongkong-Shanghai-Bank Eurochecks einzulösen. War ein Reinfall, denn erstens nahmen die nur einen zu sFr. 300.-, zudem zu einem schlechten Kurs, 6.0 und etwas, dann wurden auch noch Spesen und Kommission abgezogen, wodurch ich gegenüber dem sFr. Checks s am Flughaffen fast 100 P Verlust verbuchen musste. Wir wollten dann US$ 400.- Checks auf dem Schwarzmarkt wechseln, nur war das nicht ganz so einfach wegen mangelnden Moneychanger. Zuerst begegnete uns einer mit einem Angebot von 16.00, was klar unter unseren Erwartungen lag. Also gingen wir uns erst mal Jugendherberg-Ausweise für je 12 US$ beschaffen. Auf der Suche nach einem Telefon, um wie abgemacht Lis anzurufen, trafen wir einen Moneychanger, dessen Angebot wir immerhin auf 17.50 hochhandeln konnten. Wir gingen mit diesem Mann in «seinen» Shop, wo Souvenirs und Krims-Kram angeboten wurde. So wies aussah, war das ganze nicht illegal, denn der Handel fand auf dem Ladentisch statt, abgewickelt wurde er durch die Geschäftsinhaberin. Wir hatten genug Zeit, alles nachzukontrollieren, einen Teil, einhundert Fünfzigernoten, waren noch in der Originalverpackung einer Bank. Ob wirklich alles ok ist, werden wir dann beim Ausgeben des Geldes feststellen. Immerhin machten wir einen Gewinn von sFr. 178.- gegenüber dem Bankkurs von ca. 13.90. Jetzt schleppen wir andererseits sFr. 1’300.- in cash mit uns herum, was auch nicht so angenehm ist. Alles hat auch seine Nachteile.

Change and kiosk in Manila
Nach dem Geldwechseln auf dem Schwarzmarkt haben wir wieder Kleingeld für den Kiosk

Lis konnten wir telefonisch erreichen und verabredeten uns in einem Lokal mit Live-Musik. Es spielten die Gruppen Blinddates und Abrakadabra. Letztere war besonders gut, spielte nach Wunsch des Publikums echt gut Stücke nach, dazu eine tolle Show. War wahnsinnig, wie das Volk bei der Musik vom ersten Ton an mitmachte. Atmosphäre wie beim Live-Konzert!

Nach Mitternacht fingen dann drei Deutsche als Folge von zu viel Biergenusses an zu tanzen wie die Wilden. Sah das doof aus. Einer verdrückte sogar noch eine ganze Flasche Ketchup! So nach 2 Uhr nahmen wir uns ein Taxi in die Pension.

10.
Bus nach Las Piñas, wo wir die Kirche besuchten mit der einzigen Bambusorgel der Welt, welche vom Spanier Father Diego Cera zwischen 1816 und 1824 erbaut wurde. Ich kaufte eine Kassette des Bambusorgel-Festivals von 1982.

Danach fuhren wir ins Quiapo-Viertel zum Bummeln. Ich kaufte Schuhwichse, Batterien für den Foto-Blitz, doch dutzende von Schuhen trafen nicht meinen Geschmack.

11. Fahrt nach Pagsanjan.

Boat to the waterfall to Pagsanjan
Im Boot über Klippen zum Wasserfall bei Pagsanjan

Als wir aus dem Bus stiegen, nahm uns gleich ein Bootsmann in Empfang – er blieb uns bis heute treu. Er will uns um 07.00 Uhr im Hotel (Privathaus beim Posthalter) abholen. Wir wollten ihn abhängen und gingen in eine Bäckerei mit Tea-Room, doch er kam mit und erteilte uns Beizenkunde, besonders bezüglich Preisen.

12.
Seit 03.30 Uhr herrscht hier ein Hahn-Konzert – sowas habe ich noch nie gehört. Nach 6 Uhr setzten dann noch die Hühner ein. In der Nacht machten mir die Moskitos zu schaffen. Aber zum Schlafen erhielten wir ein Moskitonetz. Zum ersten Mal.

Die Bootsfahrt zum Wasserfall war irrsinnig schön, durch Dschungellandschaft. Bis hinauf brauchten wir länger als eine Stunde über ich glaube vierzehn Stromschnellen. Unwahrscheinlich, wie geschickt die Ruderer das Boot zwischen den Steinen durchmanövrierten, bei den Schnellen stossend und ziehend, einige Male stiegen sie aus und trugen das Boot, ohne an Geschwindigkeit zu verlieren. Beim grossen Wasserfall könnte man schwimmen und mittels eines Flosses hinter den Wasserfall gelangen. Zwei Bootsmänner ziehen das Floss an einem gespannten Drahtseil. Joschi fuhr mit einem Schweizer rüber und erledigte dort gleich die Dusche. Wie uns erst später der Posthalter (Willy Flores) sagte, sei vor etwa zwei Jahren ein ca. 22jähriges Mädchen ertrunken, weil es den Kopf zu weit vor, unter die herabstürzenden Wassermassen streckte und von diesen hinuntergezogen wurde. Sie konnte erst drei Tage später geborgen werden.

Es gibt hier im Dorf rund eintausend Bootsführer. Damit diese nicht ungehindert Geld kassieren können, muss der Tourist bei einem offiziellen Office die Tickets beziehen, 82 P pro Boot. Der Ruderer muss dann unterwegs das Ticket abgeben und bekommt dann das Geld unter Abzug der Steuern, also relativ wenig für diese Anstrengung. Also erklären sie den Touristen ihre Lage und erwarten ein Trinkgeld. Wir wollten jedem 10 P geben, auch der Willy Flores fand das in Ordnung. Nur der Ruderer wollte natürlich mehr haben. Nach einem Streitgespräch zahlten wir ihm halt 30 P. Mühsam!

13. Freitag!
Wir erwachten frühzeitig und machten uns startklar. Um 05.15 Uhr war noch niemand aufgetaucht – wir machten uns alleine auf den Weg, marschierten durch die stockdunklen Strassen, machten sämtliche Hunde rasend, waren frustriert, da nichts in Sicht. Endlich kam uns ein Jeepney entgegen. Das war die falsche Richtung, doch er hielt an. Er fuhr auch nach Tagaytay, und wir stiegen ein. Dann wendete er – war wahrscheinlich er der Mann, der uns hätte abholen sollen. Während dem Hinauffahren auf der schlechten Strasse, ging die Sonne auf. Die Sicht auf den See hinunter war überwältigend. Nur als wir endlich direkt vor der Taal-Visitor-Lodge ausgeladen wurden, befanden wir uns im Nebel. Es war inzwischen 07.15 Uhr. Wir tranken Kaffee und assen Käsesandwiches in einer einfachen Beiz gegenüber der supermodernen Taal-Vista-Lodge. Als wir dort später Tee tranken, lichtete sich der Nebel, doch wegen des Dunstes war die Sicht nicht ungetrübt. Um 10.30 Uhr fuhren wir wieder zu Tale auf der Landstrasse, so dass wir unter der Staubschicht kaum wiederzuerkennen waren!

Fahrt mit Bus und Jeepney, nochmals Jeepney nach Talisay. Nach Tagaytay fährt erst morgen Vormittag wieder ein Jeepney, und hier gibt’s ausser dem Beach Resort keine Unterkunft. Immerhin bekamen wir den Single-Bungalow für 100 statt 150 P. Allerdings scheinen auch hier, wie mancherorts in Thailand, die guten Zeiten vorbei zu sein. Ausser uns keine Gäste in Sicht. Restaurant in Renovation, zum Trinken gibt’s nur Pepsi. Aber schön ist’s schon hier, direkt am See zwischen Palmen. Es gibt Bänke, leeren Swimming-Pool, gute Aussicht auf den Vulkan – nur kostet ein Ausflug dorthin mit Führer und Motorboot 350 P!!

Lake Taal Philippines
Taal-See

Wir machten einen Rundgang durchs Dorf, tranken Kaffee, dann klopften wir die Läden ab, von denen es bestimmt an die zwanzig gibt in diesem Kaff. In jedem werden etwa dreissig Artikel angeboten. Eben haben wir die Beute verschlungen: Brot, Käse und Zwiebeln. Zum Dessert gibt’s später noch Dosen-Ananas. Frisches Obst gibt es ausserhalb der Städte kaum zu kaufen. Aber das Essen schmeckte wunderbar, draussen bei Sonnenuntergang.

Es ist ein herrlicher Platz hier, wäre er nur nicht so verwahrlost. Es hat hier mehrere Tische mit Stühlen, zum Teil unter Strohdächern, und erst noch mit elektrischem Licht, das auch noch funktioniert! So kann ich heute vielleicht doch noch meine Korrespondenz erledigen. Morgen fährt ein Jeepney um 05.00 Uhr zum Aussichtspunkt hoch – den wollen wir erwischen. Mal sehen, ob wir ausnahmsweise geweckt werden?

Auf der Fahrt im Jeepney, als ich gerade versuchte einzuschlafen, fängt der Motor unseres Busses an zu stinken und rauchen, dann war er blockiert! Freitag, der 13te! Schon der Jeepney von Talisay nach Calambra hatte einen platten Reifen und musste unterwegs gewechselt werden. Wir stiegen um in den Bus nach Legazpi. Der Busterminal befand sich direkt an der Autobahn-Zahlstelle.

Busstop at the highway
Bus-Halt an der Autobahn

Busse kamen zwar viele, aber nach Legazpi der erste nach ca. einer halben Stunde, und dieser hatte erst noch keinen Sitz frei. Wir liessen uns von einem Businspektor beraten, der uns mit einem Bus nach Lucena schickte, wo wir umsteigen konnten in einen Bus, der zwar nicht airconditionned war, aber Polstersessel hatte, viel Beinfreiheit und erst noch Liegesitze.

14. Legazpi, Xandra
Heute sind wir faul. Den Mayon-Vulkan haben wir erst von hier aus bestaunt. Der ist schon beeindruckend!

Im Restaurant de Xandra spielt ein Mann Orgel, ein anderer singt. Am Spätnachmittag fuhren wir zu den Cagsana-Ruinen. Eigentlich blieb nur der Kirchturm, der Rest wurde beim Vulkanausbruch im Jahre 1814 zugedeckt. Hinter dem Kirchturm Reisfelder, Palmen, Bambushütten, Kühe, Eingeborene – wunderschöne Kulisse mit dem Vulkan im Hintergrund – hat sich schon gelohnt.

Vulcano Mayon, Philippines
Der Vulkan Mayon bei Legazpi

15.
Wir nahmen den Bus nach Tabaco. Wir sahen schon von weitem weisse Dampfsäulen, deren Ursprung sich aber später als Kamine entpuppten. Es gibt hier mehrere Kraftwerke, welche mit dem Thermalwasser arbeiten. Wir konnten zwei offenen Quellen entdecken, aus denen das Wasser sprudelte und dampfte.

Auf der Rückfahrt hielten wir an einem Hotel am Meer. Um auf dessen Grundstück gehen zu können, mussten wir je 5 P Eintritt bezahlen. Bombenhotel, im Bungalow-Stil und einigen Cottages. Der Strand ist schön, aber rabenschwarz vom Vulkan, was ich zum ersten Mal sah.

Abends waren wir im Kino, wo wir einen amerikanischen Film anschauten: Ein Mädchen kommt unschuldig in den Knast wegen Kokain-Schmuggel. Was dort alles läuft – bis zum mehrfachen Mord. Da die Story der Wirklichkeit entsprechen soll, ist der Film ein erschütterndes Dokument.

Im Kino gibt’s drei Preisklassen: Balkon (Loge), unten und dort zuhinterst Stehplätze für 1P. Kommentar überflüssig.

16.
Eigentlich wollten wir heute weiterreisen, aber verschliefen. Wir vergassen, dass unser Zimmer fensterlos ist. Als es uns in der Dunkelheit um 10 Uhr endlich in den Sinn kam, auf die Uhr zu schauen, wars zu spät!

So fuhren wir am Nachmittag zum Museum in der Kirche Camalt (?). Ein Mann begleitete uns ins obere Stockwerk, wo er einen jüngeren Mann weckte, welcher uns erklärte, keinen Schlüssel zum Museum zu besitzen. Der Pfarrer schlafe noch, wir sollen um 15 Uhr wiederkommen. War schwierig in dem Kaff die Zeit totzuschlagen. So wie uns die Leute anstarrten, verirren sich kaum Touristen in dieses Gebiet. Später begaben wir uns wieder in den ersten Stock der Kirche, wo uns jemand erklärte, das Museum sei seit zwei Jahren geschlossen.

Backpacker in a bus in the Philippines
Ich im Bus, unsere Rucksäcke auf dem Dach

17.
Mit dem Bus in zwei Stunden nach Sorsogon. Da kein Hotel in Sicht, weiter nach Gubat und per Tricycle zum «schönen» Rizal-Beach. Das dortige Hotel ist primitiv, Bambusliegen ohne Matratzen. Wir entschlossen uns zur Weiterreise.

Seit Legazpi praktisch keine Weissen mehr in Sicht. Ob sie alle in Kalibo beim Festival sind? An den neugierigen Blicken der hiesigen Bewohner zu beurteilen, sind Weisse wohl recht selten.

Wären gerne einige Tage hiergeblieben, doch leider ist das Wetter schlecht: windig, kühl und regnerisch.

Um die Zeit bis zur Abfahrt des Busses um 1 Uhr rumzukriegen, besuchten wir das Kino, wo ein philippinischer Film gezeigt wurde. Wir staunten über die relativ vielen Besucher. Das Kino war alt, der Balkon aus Holz, so dass bei jedem Schritt alles vibrierte und knarrte. Auch die Bestuhlung war aus hartem Holz. Der Film selbst war doof, brutal, man sah allerdings keine Gräuelbilder, bisschen Love, alles in philippinisch gesprochen. Danach kam ein Sexfilm (ah, daher die vielen Leute!) aus Amerika. Die Szenen waren zwar etwas durcheinander, die heissen herausgeschnitten. Wahrscheinlich hatten sie so viele kritische Szenen herausgeschnitten, dass sie das ganze nicht mehr richtig zusammenkriegten! Jedenfalls haben wir jetzt gesehen, wie einheimischer Schund erfolgreich verkauft wird!

Bus and boat Philippines

18. Tagloba / Leyte
Um 1 Uhr kam zwar der Bus, aber er war voll. Fünf Minuten später kam aber bereits einer, der zur Fähre fuhr. Während der Wartezeit lernten wir im Restaurant Alex kennen, einen 19jährigen Kondukteur der Busgesellschaft. Von ihm erhielten wir gute Informationen. Er meinte zwar mehrmals, wir sollten hier in Tagloban keinem trauen. Es habe viele schlechte Leute, welche Touristen ausrauben und sogar töten.

Trycicles waiting for guestes
Tricycles warten am Bus-Stopp auf Kundschaft

In eineinhalb Stunden fuhren wir zur Fähre. Der Kondukteur riet uns im Bus zu bleiben, da dieser nicht weiterfährt, bis derjenige kommt, welcher auf die Fähre fährt. Da nur wenige Leute im Bus waren, konnte ich mich auf einer Dreierbank hinlegen und eine gute Stunde lang schlafen. Um 04.30 hätte der Bus kommen sollen, doch keine Spur davon. Also entschlossen wir uns auf eigene Faust hinzukommen. Eine Kaffeeverkäuferin sagte uns, es sei nicht weit und schickte einen Jungen mit uns. Nach fünf Minuten waren wir bereits am Pier, die Fähre war da, aber nicht angelegt. Dies gelang ihr wegen Wind und Sturm erst um 7.30 Uhr. Endlich konnten wir an Bord der Fähre, die sich in bedenklichem Zustand befand. (Anmerkung: Zu jener Zeit ging immer mal wieder eine Fähre unter. Bemerkt wurde das oft erst, als Leichen angeschwemmt wurden. So mussten wir uns manchmal vor der Reise in einem Buch registrieren.)

Nach mehr als zwei Stunden kamen wir in Allen an. Bezüglich eines Anschlussbusses waren sich die Befragten uneinig. Jemand meinte, wir sollten per Tricycle zum Busterminal. Dort befanden sich zwar viele Jeepneys, doch ein Bus kam erst nach zwei Stunden in Sicht. Endlich!!!

Wir suchten uns anhand unseres Führers eine Pension aus. Auf der Suche nach dieser boten sich zwei Frauen und ein Mann an mitzukommen. Das Hotel war eine arge Enttäuschung und erst noch ausserhalb gelegen. Per Tricycle fuhren wir ins Zentrum. Unser Fahrer bot sofort an, bei ihm zu übernachten, er sei ein good Boy. Das gesuchte Hotel fand er zwar nicht, doch liessen wir uns bald vor einer Pension abladen um ihn loszuwerden. Zurück auf der Hauptstrasse, standen wir dann auch schon vor der gesuchten Traveller Lodge. Begeistert waren wir nicht, denn das «Bad» war nur über eine offene Veranda zu erreichen, die Duschtüre konnte nicht abgeschlossen werden. Wir dachten an Alex’ Warnung. Doch nach einer Dusche und Haarewaschen fühlten wir uns wie neu geboren. Wir sahen beinahe schon aus wie Neger. Wir fühlten uns todmüde. Endlich mal wieder ein Bett!

Ja, das dachten wir! Aber es kam anders. Joschi weckte mich, denn er sah eine riesige Ratte unter dem Tisch. Ich sah sie gerade noch unter mein Bett springen. Weg. Also schliefen wir, denn wir waren so müde. Nicht lange, da weckte uns ein Geräusch auf. Drei Ratten auf dem Tisch im Kampf um unseren Käse. Durch unser Geräusch verschwanden sie. Auch eine Maus war mit von der Partie. Am liebsten hätten wir das Hotel gewechselt. Aber um Mitternacht? Und was mit der eingeweichten Wäsche?

19.
Schliesslich schliefen wir durch bis 9 Uhr. Dann folgte Inventar: Zigaretten und Streichhölzer angeknabbert, meine Tasche resp. Aussentasche aufgebissen und Kaugummis weg, Inhalt des Mistkübels überall verstreut. Also beschlossen wir zu frühstücken, Waschpulver aufzutreiben und nach der Wäsche ein anderes Hotel zu suchen. Beim Essen berieten wir nochmals die Lage. Wer weiss, ob andere Hotels rattenfrei sind? Zudem ist unser Zimmer wirklich gemütlich, und so saubere Dusche/WC hatten wir praktisch noch nirgends. Also blieben wir, aber ohne Futteralien und verseuchten mit unserem Tränengas die Rattengänge. Mal sehen, ob’s was nützt.

An der Rezeption meldete ich die Vorfälle der vergangenen Nacht. Die Besitzerin entschuldigte sich mehrmals und bot uns ein anderes Zimmer an. Dieses ist auch wirklich besser, mit Mauern, grösser und schöner, Riesenspiegel, Polsterstühle, hell, WC/Dusche gleich angebaut und auch sehr sauber.

Ich war anfangs sehr faul und las statt zu waschen. Schliesslich erledigte ich die Arbeit, dann gingen wir ins (ziemliche uninteressante) Museum innerhalb der Uni. Wieder draussen, regnete es. Wir gingen Kaffee trinken und Kuchen essen, dann zum Harbour. Bezüglich unserer bevorstehenden Schiffsreisen nicht so ermunternd.

Wir gingen ins Kino, sahen noch das Ende von The Concrete Jungle und danach Blue Lagoon. Zwar ohne inhaltlichen Wert, aber Filme irgendwelcher Brutalität – und andere gibt’s kaum – kann ich einfach nicht sehen. Im Kino stank es schrecklich, jemand muss zu faul gewesen sein, draussen das Klo aufzusuchen. Wir wechselten den Platz. Da läuft Joschi eine Maus über den Fuss, später tritt ihm ein Besucher voll drauf. Nach Blue Lagoon blieben wir, wie die meisten anderen, sitzen. Nach mehreren Vorfilmen und Reklame begann wieder The Concrete Jungle. Schade, haben wir diesen Film schon in Legazpi gesehen. Jedenfalls wissen wir jetzt, dass man im Kino beliebig lange sitzen bleiben kann.

Mainstreets in a village on the Philippines
Typische Haupt- und Shoppingstrasse

Später besuchten wir ein american style Restaurant, assen Pizza und genossen den besten Kaffee der Philippinen – Filterkaffee!!!

Zu 99% gibt’s auf den Philippinen Nescafé-Pulver. Man kriegt also heisses Wasser und eine Büchse mit halb Kondensmilch, halb Milch. Konfitüre gibt’s hier nicht, nur in Sagada/Banaue bekamen wir selbstgemachten, sehr klebrigen, und Honig (es gibt keine Kühlschränke!). Das Essen ist sowieso ein Problem, denn fleischlose Gerichte werden nicht angeboten. Selbst in der Eiersuppe und im Fried Rice hats irgendwelche Abfälle. Darum essen wir täglich Kuchen, am liebsten Schokoladekuchen mit Glasur.

Motorräder und Personenwagen in unserem Sinn fehlen fast ganz im Strassenbild. Dieses wird meist dominiert von den Trycicles, also überdachtes Motorrad mit Seitenwagen als Taxi. Auf dem Lande sieht man häufig anstelle des Motorrades ein Velo. Die Fahrer sind oft Kinder, welche kaum sitzend treten können. Nebst diesen Dreirädern hats natürlich Jeepneys und auch Busse, wenige Lastwagen. Privatwagen sind meist Land Rover oder Jeepneys.

Fotos

Eine Spezialität hier ist, wie auch in Thailand, das mit Fleisch und Gemüse gefüllte Teigbrötchen, nur im Dampf gegart.

Auf dem Trottoir findet man alle paar Meter einen Verkaufsstand, hauptsächlich Zigaretten, welche meist einzeln gekauft werden, in Verbindung mit einzelnen Bonbons und Kaugummis, welche auch als Change (Rückgeld) gebraucht werden können. Besonders in Manila werden Zigaretten auch mitten auf der Strasse verkauft, dort, wo der Verkehr oft stillsteht. In einem Kästli, einem Setzkasten ähnlichen Gebilde, befindet sich ein sich hin und her schiebbares Holzstück, mit welchem bei Betätigung ein Klopfen entsteht, durch welches der Verkäufer aufmerksam gemacht wird (geweckt wird).

Kiosk with Cigarettes in Manila

Nebst diesen Verkaufsständen gibt’s auch jene mit Comic-Heftlis und Ähnlichem zum Ausleihen. Davor stehen Bänke. Diese Hefte sind, wie in Europa, sehr beliebt, und so sieht man oft etwa ein Dutzend Jungs, meist jüngeren Jahrgangs, ganz vertieft die Lektüre verschlingen.

Library for comics
Bibliothek für Comic

Wie in allen asiatischen Ländern, welche wir bisher besuchten, tragen alle Schüler und Studenten Uniformen mit Namensschild und Foto. Die Kleidung ist aber verschieden, wahrscheinlich nach Schule oder sogar nach Klasse. Jedenfalls sehen die Mädchen immer sehr chic aus. Sie wissen sich auch sehr gut anzuziehen, immer sauber, und die Blusen strahlend weiss und gebügelt. Ausser in den Zentren der Städte gibt’s ja ausschliesslich Bambushütten. Ich kann mir kaum vorstellen, wie deren Bewohner immer so chic und sauber erscheinen können. Höchst selten ist jemand in schmutzigen oder zerrissenen Kleidern zu sehen.

Die Menschen scheinen sehr religiös zu sein, in jedem Haus, Jeepney, usw. sieht man Jesusbilder und Spruchbänder. Wenn in den Kirchen die Messe stattfindet, sind die Seitentüren offen, und die Gläubigen stehen auch draussen, wenn drinnen schon voll ist, um der Messe beizuwohnen.

Männer sind stolz auf ihre Hähne und unterhalten sich bei Hähnenkämpfen in Cock-Pits.

Training for the cockfight in the Philippines
Training für den Hahnenkampf

Überall ertönt Pop/Rock-Musik, auch in manchem Jeepneys, oft ganz moderne, häufig werden Deep Purple gespielt.

Im hintersten Kaff Asiens hängen Bilder aus der Schweiz, auch gerade hier in Maasy, Lad-Leyte.

20.
Endlich mal eine ruhige Nacht. D.h. bis etwa 1 Uhr laute Musik aus dem benachbarten Nightclub. Zwar wäre die Musik spitze gewesen, aber die Anlage …. Dazu wars so heiss im Zimmer, der Fan funktionierte nur auf der höchsten Stufe, aber so laut. Schliesslich schliefen wir doch noch und dazu so lange, dass wir den Nationalpark heute vergessen können.

So nahmen wir einen Jeepney bis ans Ende der Marcos Brücke. Die Brücke hat eine Länge von 2’162 m. (Nach Marcos Sturz wurde sie umbenannt in San-Juanico-Brücke).

Marcos-Bridge 1984, today San-Juanico-Brücke
Marcos-Brücke 1984, mittlerweile heisst sie San-Juanico-Brücke

Zu Fuss gingen wir über die Brücke zurück. Ein imposantes Bauwerk für asiatische Verhältnisse. Schöne Gegend und Aussicht. Fast auf dem höchsten Punkt angelangt, kamen uns ein Lastwagen und Bus entgegen. Dadurch kam die Brücke dermassen ins Schwanken, dass Joschi anfing zu schreien. Erst dann bemerkte ich’s auch und bekam Angst. Es dauerte eine Weile, bis wir uns vom Schrecken erholt hatten. Der Weiterweg machte uns nicht mehr so viel Spass.

Wieder am Festland fing’s an stark zu regnen, fast wie Monsunregen. Da kamen auch noch einige Jungs «give me money». Zum Glück kam bald ein Jeepney, der uns zurück in die Stadt brachte, wo wir noch etwas bummelten, uns danach im Hotel hinlegten und lasen. Nach einem Beizenbummel jassten wir noch, bis wir fast im Sitzen einschliefen, danach wars eine recht ruhelose Nacht, mit Musik bis 3 Uhr und nimmersatten Moskitos.

21. Maasy (Maasin)? Eureka-Hotel
Wir standen um 10 Uhr beim Busterminal und erhielten die Information, dass wir erst um ca. 15 Uhr hier einen Bus haben werden. Wir setzten uns ins nächste Restaurant, einer Bäckerei mit Coffee-Shop, ohne warmes Essen, bloss Süssigkeiten. Darin bestand dann eben unsere Verpflegung für diesen Tag. Wir jassten mehrmals, fühlten uns nicht wohl, es war heiss und feucht. Schliesslich gingen wir zurück zum Terminal. Die Warterei war quälend. Schliesslich fuhren wir, nachdem wir noch eine halbe Stunde im Bus warteten, um 17 Uhr doch noch los. Um 22.15 Uhr kamen wir erst hier an, denn die zweite Hälfte der Strecke war Naturstrasse.

Sightseeing gibt’s hier ja kaum, doch wichtiger wäre ja, wir könnten uns hier in einer schönen Umgebung wohlfühlen. Mal sehen!

22.
Ich glaube, wir haben auf der ganzen Reise noch nie so geschwitzt wie heute. Ich hatte das Gefühl, meine Kopfhaut ziehe sich zusammen, also kaufte ich mir einen Jeans-«Tschäpper».

Photos of the Philippines

Wir haben viel unternommen, kennen die meisten Beizen des Ortes. Der überall herumstehende Frass entlockt uns keine Begeisterung, also griffen wir zur Selbsthilfe und kauften im hiesigen Supermarkt ein. Zum Dinner gabs also Sandwiches bestehend aus Büchsen-Wienerlis (pfui Teufel!), Thon-Mayonnaise-Brotaufstrich, Zwiebeln und Knoblauch. Zum Dessert süsse Weggen. Den Apéro habe ich vergessen, das Beste! Orangen-Schokolade und -Waffeln.

Wie schon einen Teil des Nachmittages, verbrachten wir auch den Abend mit Jassen. Zudem war Stromausfall bis am nächsten Morgen um 9 Uhr.

23.
Ein kurzer Blick auf den Gemüse-, Fleisch- und Fischstand hat uns gereicht! Der Hafen ist auch ziemlich verschmutzt – also viel gibt’s hier nicht zu sehen. Die Hitze macht uns auch echt zu schaffen. So haben wir uns in die Badehosen gestürzt und fuhren nach Padre Burgos. Die Fahrt dorthin war trotz zeitweiligem Regen sehr schön, wir konnten im Jeepney vorne sitzen. Burgos selbst war enttäuschend, es gab wirklich gar nichts Interessantes. Mit Mühe fanden wir ein Restaurant. Joschi bestellte Reis mit Geschnetzeltem, liess fast alles stehen. Ich hatte auf der Rückfahrt während etwa zehn Minuten starke Bauch- und Magenkrämpfe. Wir stiegen dann direkt vor dem Haus aus mit der Anschrift «Books for sale». Eigentlich war’s irgendein Büro, an der Wand stand ein etwa eins fünfzig auf zwei Meter grosses Bücherregal, alles Secondhand-Bücher, gut die Hälfte wissenschaftliche. Der Rest war ausgesprochen gute Literatur, so dass ich gleich vier Bücher kaufte. Zwei von Camus, je eines von Kafka und einer Französin. Jetzt bin ich wieder zufrieden, habe auch schon einen Teil von «The Plague» gelesen.

17.30 Uhr, wir sitzen in unserer Stammbeiz, da wir noch immer von der Notstromgruppe abhängig sind.

24.
Mit dem Frühstück klappte es nicht. Wir bestellten zweimal, doch keine Spur von Fried Eggs und buttered Toasts. Von der Bäckerei kam Joschi mit leeren Händen zurück – alle Regale leer.

So gingen wir mit leerem Magen zum Bus-Stop, um nach Baybay zu gelangen. Dies eigentlich nur wegen des Schiffes nach Bohol. Wir waren noch nicht beim Bus, als uns ein Pumpboat-Besitzer die Überfahrt anbot. Wir begutachteten das Schiff, welches relativ gross war und in gutem Zustand schien. 27P Fare fanden wir auch ok. Also gingen wir an Bord. Es wurde gewartet in der Hoffnung, mehr Passagiere zu bekommen.

Der Himmel wurde immer dunkler. Es begann in Strömen zu regnen. Nach etwa zweieinhalb Stunden liefen wir endlich aus. Neun Personen, inklusive Besatzung. Das Wasser war relativ ruhig, doch wegen des Regens wurde nichts mit Sonnendach. Wieder faszinierend das erst tiefblaue, später dunkelgrüne Wasser. Während kurzer Zeit kamen wir in hohe Wellen, so dass der Motor einige Male auszusetzen drohte. Doch nach drei Stunden konnten wir heil Bohol betreten. Ubay ist nur ein Kaff, schmutzig, besonders wegen des Regens. Gemäss unserem Führer gibt’s in Carmen ein Hotel. Wir fragten nach einem Bus. Auf dem Dorfplatz angelangt, kam gleich einer, fuhr allerdings nicht nach Carmen. Zwei junge Touristen aus Cebu erklärten uns, dass dies der letzte Bus sei, und dass dieser ohnehin in unsere gesuchte Richtung fuhr. Also stiegen wir ein und fuhren bis Alicia. Dieses Dorf schien noch kleiner zu sein. Wir gingen in einen Laden, in welchem zwei Tische standen, und tranken ein 7-up. Dabei erfuhren wir von einem alten Mann, dass es erst morgen früh wieder einen Bus gibt nach Carmen, auch dass es weder in Alicia noch in Ubay ein Hotel gibt. Da gab’s nicht viel zu beraten, stumm tranken wir aus. Da kam eine feine Dame mittleren Alters und lud uns ein, bei ihr zu schlafen. Sie war die Tochter des Alten, der nun schon die ganze geografische Lage der Philippinen erklärte und vieles mehr. Er schien einfach das Bedürfnis zu haben, zu reden. Er stellte keine Fragen, unterstrich aber seine Reden mit schauspielerischem Talent. Später im Haus erzählte er uns viel von Amerika, wo er zwar nie war. Und dann noch die Geschichte von Wilhelm Tell. Er ist 78 und scheint viel gelesen zu haben. Seine Tochter war Lehrerin hier im Dorf, sie wohnte mit ihrem Vater und ihrer Schwester zusammen in einem Haus, das in dieser Umgebung als Villa bezeichnet werden kann. Es gab einen riesigen Wohnraum mit einem sehr langen Tisch, dazu passend etwa ein dutzend Stühle, sehr massive Holzstühle, eine Polstergruppe mit Polsterbank, mehrere Holzstühle standen entlang der Wand, Tonbandgerät, Fernseher, Fan. Für uns beide wurde dann gekocht: Reis, Spiegelei, drei Plätzli. Nach dem feinen Essen stellte unsere Gastgeberin zwei flache Liegestühle in den Raum, Bastdecken drauf, Kissen, Decken, und alles wurde mit zwei Moskitonetzen überspannt. Dies war auch nötig, denn noch nirgends haben wir so viele Moskitos gesehen. Vorher wurde eine Spirale angezündet sowie Kokosnussschale. Aber noch immer wurden wir gestochen. Es gab auch viele, ganz helle Geckos, dazu sahen wir auch erstmals einen Riesengecko. Der war wohl etwa 25 cm lang, dunkel gestreift – mir graute. Zum Glück hatten wir Moskitonetze.

Private room on the Philippines

(Geschrieben habe ich dazu nichts, doch erinnere ich mich, dass die Steine der Hausmauer versetzt angeordnet waren, sie dadurch viele offene Zwischenräume hatte. Kaum waren wir da, kamen die Kinder des Dorfes reinschauen, um uns Exoten zu begutachten. Das Haus hatte keine Kanalisation, aber einen Waschraum mit fliessendem Wasser und dadurch einen Abfluss im Boden. Als Gäste durften wir dieses als WC fürs kleine Geschäft nutzen, fürs grosse mussten wir wie alle Dorfbewohner zur «Zentral-Toilette». Das war irgendwo im Dorf eine ausgehobene Grube, umgeben von Holzpfählen, um etwas Sichtschutz zu schaffen.)

25.
Zum Frühstück gab’s Kaffee, frische, noch ganz heisse Brötchen und Reispappe mit Zucker, zum Nachtisch frisch gepflückte Bananen. Wir konnten allerdings nicht fertig essen, der Bus wartete schon. Die Frau gab uns die Brötchen und Bananen mit. Ich gab ihr 50P, was sie erstaunlicherweise ohne Zögern annahm. Hinterher dachte ich, ob es nicht ein Fehler war, so «viel» zu geben, denn nun wird sie das von jedem Touristen erwarten.

Schliesslich sassen wir im Bus, welcher auf einer Seite offen war, aber durchgehende Sitze hatte.

Bus on Bohol, Philippines

Die Fahrt war echt mühsam, denn die Bänke waren schmal und tief, die Strasse sehr schlecht. Zudem wurde mehrmals angehalten um bei Getreidemühlen viele Reissäcke ein- resp. auszuladen. In der Hauptstadt Tagbilaran angekommen, gingen wir erst ins Hotel um zu duschen und die Haare zu waschen. Dann quälte uns der Hunger. Wir suchten lange nach einem gemütlichen Restaurant, konnten aber nichts Derartiges finden. Schliesslich assen wir eine Miniportion Reis-Fleisch, dann draussen ein süsses Weggli, ein einem Café herrlichen Schokoladenkuchen, nur Kaffee gab’s keinen, das Teewasser war lauwarm.

26.

Chocolate Hills, Bohol Philippines
Chocolate Hills, Bohol

Oxes on Bohol, Philippines

Heute sassen wir schon um etwa 8.30 Uhr in einem Bus, welcher die Westküste entlang nach Carmen fuhr. An der Abzweigung mussten wir umsteigen in einen völlig überladenen Minibus. Wir konnten auch wieder vorne sitzen. Die Umgebung war stets interessant, doch die Strecke zwang zu durchschnittlichem Schritttempo. Eine längere Strecke lang war’s sumpfig. Erst etwa um 13 Uhr erreichten wir mit schmerzenden Hintern und Beinen Carmen. Nach einem Kaffee nahmen wir den Bus bis zur Abzweigung zum Hotel. Bis dahin waren wir echt enttäuscht von den Chocolate Hills. Zwar haben wir einzelne und auch wenige Gruppen à etwa drei bis vier Hügel gesehen, diese entsprachen aber längst nicht unseren Vorstellungen. So war ich ziemlich entmutigt. Als wir im bequemen Bus mit Supersound sassen, wäre ich am liebsten nach Tagbilaran zurückgefahren. Aber Joschi gab nicht auf – zum Glück, denn von der Spitze dieses Berges hatten wir einen fantastischen Rundblick auf die doch zahlreichen Chocolate Hills. Das Hotel war auch nicht schlecht, die Preise des Restaurants günstig, ein Double bei Cottages hätte bloss 60 P gekostet. Dabei war ein schöner, recht grosser Swimming-Pool. Da bereute ich wirklich, gestern nicht gleich dort geblieben zu sein. Wir hätten uns ein gutes Stück strapaziöse Fahrt ersparen können. Und dann eben nochmals die holprige Strasse zurück in die Stadt, wo wir beim Eindunkeln erst ankamen, müde und staubig.

Chocolate Hills Bohol, Philippines

Mehr als 7’000 Inseln
zusammen eine Einheit,
viele sind dennoch einsam.

Die Philippinen sind gespalten
Die Bewohner verehren Jesus, Amerika und Hitler.

Im Norden werden die Reisgötter vor die Hütten gestellt,
noch heute wird aus Rache getötet.

27.
Heute beabsichtigen wir nach dem Besorgen der Schiffstickets, auf die Bohol vorgelagerte Insel zu fahren. Als wir im Hotel die Schifffahrtspläne angesehen hatten, entschieden wir uns, gleich nach Cebu zu fahren, denn ab Tubicon gibt’s täglich vier Schiffe. Nur mussten wir halt eben nochmals die gleiche, mühsame Busfahrt wie gestern in Kauf nehmen. Um 13.30 Uhr fuhr das Schiff aus. Wir lösten 1. Klasse, um auf dem oberen, offenen Deck sein zu können. Ansonsten war kein Unterschied zur 2. Klasse festzustellen, ausser dem noch nicht eingeschalteten Fernseher. Die 3. Klasse war unten, mit Holzbänken ausgestattet.

Cruise first class on the Philippines
Schiffreise in der 1. Klasse

Das Schiff selbst war das langsamste, das wir je hatten, zudem total verrostet. Andererseits wars auch die ruhigste Fahrt. Wir kamen an einigen kleinen Inseln vorbei. Eine war traumhaft schön: weiter, weisser Strand. Darauf gab’s ein scheinbar modernes Hotel.

Island Philippines

28. Cebu City
Eigentlich wollten wir heute auf eine kleine Insel, um endlich Ferien zu machen. Doch als wir erwachten, regnete es in Strömen. Also gingen wir in die Stadt, kauften Ansichtskarten, schrieben diese bei Kaffee und Kuchen, marschierten zur Basilika. Das berühmte Jesuskind konnten wir nicht sehen, die Kirche war geschlossen. Aber nicht weit von dieser entfernt liegt das Fort, sehr klein und uninteressant. Gingen gleich gegenüber zum Post Office, entledigten uns der Karten. Von der Post aus fuhren wir mit einem Taxi auf die Beverly Hills, zum sehr eindrücklichen Chinesentempel. Von da geniesst man eine fantastische Aussicht auf die umliegenden Villen, die Stadt und das Meer. Zu Fuss gingen wir zur Hauptstrasse zurück, wo wir einen Jeepney erwischten.

Cebu City - Chinese Temple
Cebu City – Chinese Temple

Was wir heute noch kauften: 2 Flugtickets von Roxas (Panay) nach Manila für den 14.2.84. Kostetet nach Abzug von je 50%, je 177.15, also etwa sFr. 26.-.

horse-drawn carriage in Cebu City
Pferdekutschen in Cebu City
Favourite hobby of philippine men
Lieblingsbeschäftigung der Männer: auf dem Trottoir in Cebu City

29.
Den letzten Abend in Cebu City verbrachten wir mit Shopping. Nach dem Inspizieren sämtlicher Warenhäuser der Stadt, kaufte ich mir einen Jupe und eine Bluse. Unwahrscheinlich, das Chaos in der Stadt nachts bis nach 2 Uhr, wo mittags kaum Menschen und Autos zu sehen waren. Nach dem Shopping kamen wir an einem chinesischen Aufbahrungsort vorbei. Sah aus wie eine Villa, mit Säulen, zweistöckig. Zuerst getrauten wir uns nicht so recht hineinzugehen. Doch anhand der ein- und ausgehenden Menschen wagten wir es doch, denn es gab viele schlecht angezogene und Verkäufer. Gemäss einem angeschlagenen Plan gab’s verschiedene Kapellen. Wie wir dann sahen, waren dies Räume, mit etlichen Bänken ausgestattet, vom Mittelgang bloss mit einer Scheibe abgetrennt. Wir sahen in einen Raum, in welchem ein am Kopfende geöffneter Sarg stand. Etwa fünfzehn Angehörige sassen dort, schwatzend, lachend und Comic-Heftlis lesend.

Da es bewölkt war, entschlossen wir uns zur Weiterreise. Nach zwei, wegen des Gepäcks und der Hitze mühsamen Jeepney-Fahrten, kamen wir beim Bus-Stop an. Wir konnten gleich einsteigen, mussten uns auf den schmalen, vorderen Sitz setzen, vor unseren Füssen noch den einen Rucksack. Der zweite wurde in den Gang gelegt, wo mehrmals Leute drauftraten. Nach etwa eineinhalb Stunden Fahrt kamen wir zur Fähre, welche bis rüber nach Negros eineinhalb Stunden benötigte. Per Velo-Tricycle fuhren wir zum Busterminal, von da direkt in vierstündiger Fahrt nach Bacolod. Wir trafen zwei Franzosen, welche die gleiche Route reisten, und suchten mit ihnen zusammen ein Hotel. Der eine reist seit zwölf Jahren herum! Wir gingen noch gemeinsam essen. Die beiden nahmen heute Morgen früh die Fähre, um möglichst rasch nach Boracay zu gelangen. Vielleicht treffen wir sie noch.

Die Inselwelt der Philippinen bietet schon nicht viele Sehenswürdigkeiten, alle Inseln sehen gleich aus. Zwar wunderschön die Bambushütten, Palmen, Bananenbäume und Strände, doch sieht es überall gleich aus. Auf unserer Reise hatten wir allerdings auch Pech mit dem Wetter, denn immer, wenn wir uns an Ausgangspunkten zu Trecks oder Stränden befanden, regnete es. Wir wären besser länger im Norden geblieben. Trotzdem bereue ich nicht, den ganzen Inseltrip gemacht zu haben. Langweilig wurde es nie, die Zeit war zu kurz. Wir haben jetzt nur noch zwei Wochen, welche wir grösstenteils am Strand von Boracay verbringen wollen. (1991 bereiste ich dennoch die Philippinen wieder, während zwei Monaten!)

30. Iloilo
Um 15 Uhr läuft die Fähre aus nach Iloilo. Ein wunderschönes, dreistöckiges Schiff, das recht schnell vorankam. Bei der Billett-Kontrolle tauchten etwa fünf strahlendweiss angezogene Matrosen gleichzeitig auf. Man fühlte sich also wirklich wie auf einem Schiff, nicht wie sonst, wo man sich eher auf einem Schrottplatz glaubte. Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir in Iloilo an. Wir nahmen ein Tricycle, da sich die Hotels gemäss Reiseführer recht weit von den Anlagen entfernt befinden. Mit uns auf dem Tricycle fuhren nebst dem Fahrer noch eine Frau mit und deren zwei Kinder sowie ein junger Mann.

Wir fanden zwar ein günstiges Hotel, doch die Zimmer sind sehr hoch, oben mit Holzstäbchen, wie im Gefängnis. Die Duschen und Toiletten sind sehr schmutzig, letztere haben keine Spülung, Wasser muss draussen geholt werden. Heute Morgen waren sie alle, inklusive Lavabos verstopft. Wirklich schrecklich.

31. Bacolod (Negros) – Kalibo
Die Fahrt nach Kalibo war mühsam, staubig und dauerte etwa sieben Stunden. Dafür sind wir jetzt im schönsten Zimmer, das wir je hatten, zwar auch eines der teuersten. Viel zu sehen gibt’s hier nicht, die Restaurants sind amerikanisch, teuer, und das Essen ziemlich schlecht. Morgen geht’s dann nach Boracay!

1.12. Boracay, damals ohne Strom, fliessendem Wasser und Fahrzeuge
Der Weg von Kalibo hierher war wiederum staubig und dauerte mit dem Jeepney, Radwechsel inbegriffen, ca. zweieinhalb Stunden. Dann umsteigen auf ein Pumpboat. Die anderen wartenden Passagiere, Deutsche, liessen bereits erahnen, was auf Boracay zu erwarten war – sie waren recht gut gekleidet, getrauten sich kaum aufs Boot und waren mit Koffern bewaffnet. Unsere Vorstellung wurde bestätigt, der Strand ist von Bungalows gesäumt, die Touristen sehr zahlreich, der Strand übersät von Pump-, Segelbooten und Surfbrettern. All dies erklärt auch die relativ hohen Preise. Andererseits ist der Strand wirklich aus sehr feinem, schneeweissem Sand, das Wasser ganz sauber, wirklich schön mit den vielen Palmen. Die Besitzer unseres Bungalows haben auch einen Nähstand, bei welchem wir uns Mass nehmen liessen für Shorts. Unsere Wertsachen konnten wir abgeben, die Kleider haben wir auch gewaschen.

Bis zu uns tönt das Gitarrenspiel und der Gesang der beiden besoffenen Schweizern mit ihren einheimischen «Mietfrauen» im Restaurant vorne, wo wir vor kurzem zu Nacht assen. Immerhin gibt’s vegetable fried rice und -curry, sowie Salate, auch Fruchtsalat.

Vor wenigen Jahren muss es hier wie im Paradies gewesen sein – doch auch wir sind Traveller!

Abends sassen wir am Tisch auf der Veranda unseres Bungalows. Der Himmel ist rot, es ist schon recht dunkel. Eine Petrollampe spendet uns Licht. Den grossen Tisch haben wir mit einer Bettdecke wohnlich gemacht, dazu haben wir zwei Schemel, eine Holzbank und einen Bambusliegestuhl. Nebst der Lampe erhält man auch eine Thermosflasche mit heissem Wasser. Also haben wir uns Kaffee und Dosenmilch besorgt, Gläser und Löffel bekamen wir ja auch. Also recht gemütlich, wir fühlen uns wohl.

Der Bungalow ist praktisch neu, hat zwei französische Betten, wobei uns eines als Abstellfläche dient. Dazu hats auf der ganzen Länge ein Wandregal – also Platz genug.

Bunalow on Boracay 1984
Bungalow auf Boracay 1984

2.
Wir sassen schon vor der Frühstückszeit draussen an unserem Tisch. Da kam eine Frau, welche uns Brot verkaufte. Das heisse Wasser traf ein. Die Eierfrau liess nicht mehr lange auf sich warten – wir kauften vier heisse Dreiminuteneier in einem Plastiksack verpackt mit einer Brise Salz. War das ein herrliches Frühstück draussen!

Breakfast on Boracay
Frühstück auf Boracay

Ich bastelte mir einen Bikini: blaue Unterhose, in fast gleicher Farbe diente mir das Tuch, welches ich als Kopfbedeckung in Amritsar beim goldenen Tempel kaufte, als Oberteil. Gut eingecremt und betucht gings zur Begrüssung des Strandes. Wir spazierten bis zum Felsen, also etwa zwei Kilometer weit. Der Strand ist herrlich, das Meer ganz ruhig und sauber. Nur wird eben die ganze Strecke von Bungalows und Touristen gesäumt. Wieder zurück, machten wir’s uns auf der Veranda bequem, lasen und sonnten uns. Das alles habe ich ohne Sonnenbrand geschafft! Unser Lunch bestand aus Brot, Thon, frischen Zwiebeln, Schweppes und Bier. Den Nachmittag verbrachten wir mit Lesen, Bekanntmachung mit unserem deutschen Nachbarn Bernhard und Nichtstun. Bis zum Eindunkeln jassten wir, dann gingen wir ins Restaurant, wo wir uns das vegetable Curry und den Fruchtsalat schmecken liessen. Als mich das Krabbeln am Rücken doch nervte, griff ich mal nach hinten – ein junger Gecko flog auf den Tisch! Ich konnte nicht mehr dort sitzen bleiben. Wir gingen in ein anderes Restaurant, eine schöne, grosse Beiz. Die Gäste waren fast ausschliesslich Deutsche, viele Ältere, die jassten und Schach spielten. Wir diskutierten mit zwei an unserem Tisch sitzenden jungen Deutschen, der eine mit mehrjähriger Asienerfahrung. «Zu Hause» haben wir unseren Jass zu Ende gespielt.

3.
Heute Morgen marschierten wir dieselbe Strecke wie gestern, nur wissen wir unterdessen, dass dort das Dorf ist. Wir wollten einen Farb-Papierfilm kaufen, da ich gestern auf die Idee kam, Papierbilder nach Hause zu schicken um unserer Familie einen Einblick in unsere gegenwärtigen Tätigkeiten zu ermöglichen. Sie sollen sich auch von unseren guten «Zustand» überzeugen können. Der Film war teuer, 50P. Ich brachte noch den Brief für Edi und Madelaine zur Post, welcher ich ja schon vor etwa zwölf Tagen schrieb. Der Postangestellte war gesprächig, wollte uns Ansichtskarten, Muschelketten und von Schülern gezeichnete Pläne von Boracay verkaufen. Eine solche Karte erstanden wir dann auch, nebst Kaugummi (in der Dunkelheit ist das Zähneputzen ein Problem) und einen echten Bikini, hergestellt aus dem weissen Boracay-Stoff. Später wurden auch noch unsere Mass-Shorts geliefert. Wie’s aussieht, fabrizierte er zweimal dieselbe – ich kann sie nicht tragen, da sie ums Bein zu eng ist. Wir werden sie trotzdem behalten. Dazu kauften wir uns noch zwei Boracay-Leibchen, denn wir finden den Schnitt gut. War ein teurer Tag. Andererseits hatten wir Einnahmen von 20P, welche wir gestern auf unserer Treppe fanden. Wir waren ziemlich sicher, dass sie die Brotfrau verloren hatte. Für sie denke ich, sind 20P schon ein Betrag. Heute Morgen nun sprach ich sie darauf an, doch sie verstand nicht, was ich meinte. Da kam gerade unser Vermieter dazu, so erklärte ich ihm eben die Sache. Aber die Brotfrau erklärte, ihr gehöre das Geld bestimmt nicht. Der Mann lächelte nur mit einem Ausdruck wie: Was sind schon 20P. Ich meinte, er soll mal seine Frau fragen, ob sie Geld vermisse. Tatsächlich kam diese kurz darauf das Geld einziehen. Ich glaubte nicht recht, dass es ihr gehörte und ging nicht auf ihre fast verlegen darstellenden Erklärungen ein. Keine zehn Minuten später brachte sie das Geld zurück – es gehöre ihr doch nicht. Ob sie ihr Mann zurückgeschickt hat? Da Bernhard gerade draussen sass, fragte ich noch ihn, doch ihm gehörte es ebenfalls nicht. Zuletzt hat es Joschi noch selbst verloren!!

Lunchzeit! Wir fragten uns in etwa fünf Läden durch, bis wir endlich Tomaten, Zwiebeln und Dosen-Hackfleisch zusammen hatten. Schmeckte nicht schlecht. Das Angebot hier ist sehr beschränkt, vor allem ohne Kochgelegenheit kann man fast nichts selber zubereiten.

Abends assen wir im Restaurant, spielten Schach und jenes Chipspiel, wo man versuchen muss, vier seiner Farbe in eine Horizontal-, Vertikal- oder Diagonal-Linie zu bringen. War noch ganz interessant, so dass wir relativ spät erst zurückkamen.

Boracay Beach 1984
Boracay Beach 1984

4.
Am Morgen gingen wir an den Strand, abends nochmals, die restliche Zeit verbrachten wir mit Jassen, Essen (die Besitzerin dieser Cottages schenkte uns eine riesige Papaya), Lesen, Nichtstun und nach Sonnenuntergang eine längere Diskussion mit Bernhard, welcher gleichzeitig wie wir ankam, aber schon die ganze Insel zu kennen scheint.

Beach of Boracay 1984
Boracay Beach

Genau gegenüber unserer Hütte befindet sich die Kirche, sie sieht aus wie im Rohbau. Heute ist Sonntag, also Gottesdienst. Zuerst kam ein Mann mit einer etwa dreisaitigen Gitarre, dann nach dem Einfinden einiger Gläubiger kam auch der Pfarrer mit Gebetsbüchern, in einem einfachen Hemd und Hosen. Die Leute singen sehr schöne Lieder. Sie tragen ihre besten Kleider. Ein älterer Deutscher, hier mit einer Mieze und jeden Abend besoffen und schreiend in der Bar zu finden, war anfangs in der Kirche. Bald stellte er sich mit sicherem Abstand an einen Baum mit guter Sicht in die Kirche. Sein Mädchen kam zweimal vorbei während des Gottesdienstes, hochnäsig, als wollte sie ihm zeigen, dass sie nicht zu diesen unzivilisierten Menschen in der Kirche gehöre. Er hat sich inzwischen gewagt, sich an die Türe zu stellen. Nicht nur dieser Mann ist beschämend – auch wir, gegenüber der Kirche auf der Veranda sitzend, im Bikini resp. Badehose wie zwei Fremdkörper in einer Welt, die wir nur mitzerstören können.

Diese Einheimischen in der Kirche scheinen eine lockere, zufriedene Gemeinschaft zu sein. Sie haben ihren Lebensinhalt (Zusammengehörigkeit und Glauben) noch nicht dem Tourismus geopfert. Doch scheint es, dass sich die Touristen noch in diesem letzten Ort einmischen. Wie lange es noch dauern wird, bis ein englisch- und ein deutschsprechender Pfarrer sonntags eingeflogen wird? Gott wird nichts dagegen haben, wenn sich Weisse in die letzte Gemeinschaft der Einheimischen einmischen. Doch sind die Folgen dieses Einbruchs nicht schlimmer als versäumte Gottesdienste? Gehen die hier in der Kirche anzutreffenden Touristen zu Hause wohl auch hin? Könnten sie nicht auch in der Cottage beten? Gott würde sie überall anhören. Ist ein Gotteshaus nicht in ersten Linie da, eine Gemeinschaft nicht nur von Gläubigern, sondern von miteinander, aber oft nebeneinander lebenden Mitmenschen zusammenzubringen, ihr ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln, durch welches sie lernen sollten, zusammen und nicht gegeneinander zu leben? Vielleicht, oder sogar sicher, wird der Tourismus auch hier böses Blut schaffen, denn nur einige können profitieren, manche mehr, andere weniger. Die einen werden reich werden, die anderen ganz verarmen, da sie sich die immer teurer werdenden Produkte nicht mehr leisten können. Ob’s schon so weit ist? Ob die Gemeinschaft in der Kirche nur noch aus Gewohnheit besteht?

Es finden sich noch immer Menschen ein. Schon stehen einige Einheimische hinter dem Touristen, welcher somit immer tiefer in die Gemeinschaft eindringt, auch hineingestossen wird. Wenn sich die untereinander fremden Touristen die Mehrzahl der Kirchengänger ausmachen, existiert keine Gemeinschaft mehr.

So wird es auch einst einen Kampf geben aus finanziellen Gründen, jeder gegen jeden. Können sich die Einheimischen nicht zu einer Meinung und Abmachung durchringen, kommt ein Dritter regieren, und die Ureinwohner müssen nach seiner Pfeife tanzen.

Inzwischen knien alle Gläubige in und ausserhalb der Kirche, nur der Tourist steht noch stramm da, alles überragend.

Bei der Gelegenheit kommt mir wieder in den Sinn (letztes Mal in Sagada an Silvester mit den Gongschlägern), dass wir auf unsere nächste Reise unbedingt einen Walkman mitnehmen müssen, denn mit diesem könnte auch aufgenommen werden, was ich früher nicht wusste. Es ist so schön, wie die Kirchenlieder hier gesungen werden. Gerade wurde die Melodie vom deutschen Song (resp. umgekehrt) «Tränen lügen nicht» erst ganz leise gesummt, dann gesungen. Einfach schön! Der Gottesdienst ist nun zu Ende, die Leute sind hinausgeströmt, auch ein weisses Paar darunter. Es war eine wirklich schöne, lockere Messe, ein Kommen und Gehen, Kinder haben gespielt, geweint, miteinander getanzt zu den Liedern. Eben kam als letzter der Pfarrer heraus, auf seinen Gebetsbüchern ein Teller mit dem Opfergeld!

5.
Wir waren etwa zwei Stunden am Meer, während denen ich meinen allerersten Schwimmtest des Lebens im Meer absolvierte.

Mein allererster Schwimmversuch im Meer

War das herrlich, bei diesem sauberen Wasser und den leichten Wellen. Danach hatte ich einen Sonnenbrand, dazu schwachen Husten und Katarrh. War richtig schlapp, selbst zum Lesen musste ich mich zwingen.

6.
Tagsüber blieb ich im Bett, gegen Abend machten wir einen Spaziergang in die andere Richtung des Strandes. Es hat dort schöne kleine Buchten mit Felsbrocken, zum Teil von Wasser unterspült. Weit konnte man nicht gehen. Auf dem Rückweg trafen wir einen Deutschen, mit welchem wir das Essproblem schon mal diskutierten. Er empfahl uns das Starfire-Restaurant. Da gingen wir gleich hin, es ist bloss etwa 200m von hier entfernt. Gemäss diesem Typ nahmen wir Dahnatche (??), schmeckte ausgezeichnet: viel Gemüse, Zwiebeln und Knoblauch, alles in Kartoffelstock und im Fett gebacken. War wie eine Omelette, so gross wie ein mittlerer Teller. Wir mochten nicht einmal alles essen.

7.
Am Morgen ging ich zweimal schwimmen. Der Himmel war bewölkt. Am Nachmittag fing es an zu regnen, ohne Unterbruch bis zum nächsten Tag. So verbrachten wir den Tag auf der Veranda – war das langweilig! Gegen Abend konnte ich Joschi doch noch zum Jassen überreden. Wir luden noch Bernhard ein, brachten ihm den Schieber bei, und der Abend war gerettet!

8.
Durch das schlechte Wetter bedingt, konnten wir die Korrespondenz erledigen. Die Briefe geben wir dann Bernhard mit, der sie in Manila aufgeben wird.

9.
Das Wetter ist noch nicht besser, so dass wir bloss faul rumliegen. Na ja, zum Ruhen sind wir da. Joschi konnte zwei deutsche Taschenbücher mit Kurzgeschichten auftreiben. Endlich ein erster Sonnenstrahl – husch, ans Meer. Dort trafen wir einen der Schweizer, welchen wir von Pagsanjan kennen. Das erste Mal, dass wir jemanden wiedererkannten. Zurück in unserem Häuschen, verabschiedeten wir uns von Bernhard, der uns sein grosses Moskitonetz schenkte. Können wir in Indonesien sicher noch gut gebrauchen.

10.
Heute gibt’s bereits zum dritten Mal kein Brot, man hat kein Mehl. So machten wir uns früher als üblich bereit ins Restaurant zu gehen. Da stand gerade die Sonne ganz rot knapp über dem Wasserspiegel – mit der Kamera eilten wir hin. Etwas zehn Minuten später kamen doch Beate und Michael daher spaziert. Haben uns riesig gefreut, die beiden wieder zu treffen. Sie reisten inzwischen mit einem anderen deutschen Paar zusammen. Gemeinsam gingen wir zum Nachtessen. Wir kamen mit zwei Schweizern ins Gespräch, die uns weitere Informationen lieferten, denn der eine kam aus Australien. Der zweite hat ausser Indien die gleiche Route wie wir hinter sich, auch die gleichen weiteren Reisepläne wie wir: Australien und Indonesien.

Beate war nicht erstaunt, dass es kein Mehl gab. Sie meinte, so langsam werden die Produkte zurückbehalten. In Manila hätte es keinen Zucker gegeben!!

Heute in einer Woche werden wir in Australien sein – kann ich mir noch gar nicht vorstellen!

Diese Nacht konnte ich erstmals überhaupt hier durchschlafen: zehn Tage hier und immer noch Sonnenbrand. Es ist wirklich mühsam!

11.
Ich sitze auf der Veranda bei Kaffee. Rauche eine Zigarette, Kinder spielen draussen, der Himmel ist bedeckt, die Palmen rauschen in Würde, eine Sau schreit, ein Hahn kräht, das Meer rauscht – morgen um diese Zeit werde ich im Jeepney sitzen, weiterreisen. Schon heute begann eigentlich die Abreise: Kleider waschen, gelesene Bücher zurückbringen resp. umtauschen.

Nicht nur wegen der Abreise bin ich traurig. Hier auf der Insel haben wir zu niemandem und nichts eine enge persönliche Beziehung, doch auch beim Entspannen wird man müde. Die nächsten drei Monate werden wir kaum Zeit haben auszuspannen – immer weiter, die Zeit drängt. Nicht dass ich des Reisens satt bin, doch ich bin an der Wende angelangt – ich breche den Heimweg an. Während den letzten Tagen habe ich mir ständig Gedanken gemacht um meine Zukunft zu Hause. Ich freue mich auch, wieder heim zu gehen. Ich sehe im Leben, in meiner Zukunft wieder einen neuen Sinn. Nur ich kann ihn noch nicht definieren. Ich habe wieder Illusionen, zu Hause werden diese wahrscheinlich im Stress verloren gehen.

Fasnacht – die Menschen ziehen sich über die alltägliche Maske eine fremde – und werden sich selbst!

22.30 Uhr, nein 23.30 Uhr (kaum lesbar gekribbelt)! Ich bin zu wie schon lange nicht mehr – und das kommt so: Wir suchten Beate und Michael, um uns zu verabschieden, denn heute ist unser letzter Tag in Boracay. Wen haben wir stattdessen getroffen? – Lis! Wir sassen auf ihrer Veranda. Bei ihr waren zwei Mädchen aus Biel. Als wir später im Starfire sassen, kamen diese mit einer weiteren Freundin daher, und auch Lis. Sie verabschiedeten sich nach dem Essen. Ich trank zwei Bier. Später gingen wir mit den drei Bielerinnen in die *Kissenbar, wo ich mir drei Drinks genehmigte, bestehend aus Pinapple-Saft, Kokosnuss und Rum. War extrem stark, das merkt man schon an meiner Schrift. Es ist ja auch dunkel um diese Zeit – bei Petrollampenlicht – und das war ja auch unser letzter Abend auf Boracay. Boracay adieu!! Leider!!

(*Kissenbar: Wenn ich mich richtig erinnere, war das der einzige Ort auf der Insel mit Generator, also Elektrizität. Jeweils am Donnerstagabend war Disco!)

12.
Muttis Geburtstag – ich habe heute schon oft an sie gedacht. Schade, kann ich ihr keine Freude bereiten. Aber ich kanns ja noch nachholen!

Vom letzten Abend habe ich mich wieder erholt. Das Zeug war ja echt stark – so gut habe ich schon lange nicht mehr geschlafen, wenigstens nachdem ich endlich ins Bett gefunden hatte! Heute Morgen war ich erstaunlicherweise sehr früh draussen. Zwar stand ich noch immer etwas unsicher auf den Beinen, das Packen zögerte ich immer wieder hinaus, doch schliesslich blieb mir keine andere Wahl. Erstaunlicherweise hatte alles bestens Platz in den Rucksäcken. Die Resten Margarine und Konfi haben wir den Hunden gegeben, bis diese nichts mehr mochten. Zu Hause kriegten die wohl kaum was, bei der geldgierigen Frau. Sie fiel auch immer nach Auszug eines Gastes über die Hütte her, um Resten ausfindig zu machen! Heute, während wir packten, hatte sie ständig um unser Hütte herum gewischt, als könnte sie unser Verschwinden kaum erwarten.

Endlich war ich dann auch startklar. Wir mussten nicht lange auf ein Schiff warten, nur dieses Mal machte uns die Hühnerleiter zu schaffen. Um 9 Uhr sassen wir bereits in einem Jeepney. Nach gut zwei Stunden fuhren wir in Kalibo per Tricycle zum Bus. Nach etwa 30 Kilometer schlechter Strasse mussten wir in einen anderen Jeepney umsteigen. So um etwa 15.30 Uhr erreichten wir endlich Roxas City. Obwohl wir mit dem Jeepney eine längere Stadtrundfahrt machten, fanden wir bloss ein Hotel, das uns nicht passte. Wieder auf der Strasse, sprach uns ein älterer, schleimiger Typ an. Er empfahl uns ein billiges Hotel, schrieb uns dessen Namen auf, und zu Fuss machten uns auf. Die Gegend war uns nicht ganz geheuer, die Menschen noch weniger. Das Hotel war zwar billig, nicht allzu schlecht, doch unfreundliche Leute, dunkle Zimmer, schmutzige WC/Dusche. Wir gingen weiter. Um die Ecke nahmen wir ein Tricycle. Als wir am Gepäck verstauen waren, hält doch tatsächlich der Schleimige im Tricycle hinter uns an und fragt, ob wir’s nicht gefunden hätten! Ich erklärte ihm, warum wir nicht bleiben wollten, was er kaum verstehen konnte. Dann entschuldigte er sich und meinte, er hätte nicht daran gedacht, empfahl den River Inn. Da sind wir jetzt auch, für 40P, da die einzigen Gäste sehr sauberes WC und Dusche, Fan, saubere Bettwäsche und sogar Papierkorb. Ein Tisch, an dem wir eben sitzen, steht im Gang, direkt vor unserem Zimmer. Also alles schön und gut, nur wegen dem anderen Typen ists uns doch nicht ganz geheuer. Immerhin erkundigte ich mich nach ihm bei unserem Driver, welcher ihn ja sah, er habe irgendein Business beim Bazar. Na ja, mal abwarten! Von der Stadt haben wir einiges schon gesehen – ist ja klein. Wahrscheinlich ist ein eintägiger Aufenthalt schon zu lang. Immerhin konnten wir in Erfahrung bringen, dass der Flughafen nur etwa drei Kilometer ausserhalb liegt, und mit Tricycle erreichbar ist. Das Philippine Airline Office liegt auch gleich hier um die Ecke, so dass wir morgen unsere Flüge rückbestätigen können. Noch vier Tage Philippinen!

13. Roxas City
Heute wurden wir zu unserem Erstaunen früh geweckt. Ich döste weiter, war müde. Da klopft’s schon wieder: Frühstück steht bereit. Da stehen doch draussen auf dem Tisch wirklich zwei Tabletts mit frischen Butterwegglis, Spiegelei, Kaffee – herrlich! Danach legten wir uns wieder ins Bett und diskutierten über Australien. Schliesslich schafften wir’s doch noch zum PAL-Office. Brachte nicht viel, nur ein ok, den Flug nach Melbourne müssen wir in Manila rückbestätigen. Wir gingen der Hauptstrasse entlang, suchten vergebens Schraubenzieher und Fotoapparat-Batterien. Schliesslich landete ich beim Friseur – Haare waschen, schneiden und Dauerwelle für 60P=sFr. 8.50! Sieht nicht allzu schlecht aus, allerdings sehr kurz. Bis zu Hause wird’s wieder ok sein.

Bus in Manila 1983
Bus in Manila 1983

Später beschlossen wir einen Arzt aufzusuchen wegen Joschis wochenlangem Ekzem an den Beinen. Nach ewigem Warten in der Notfallabteilung und bewundert werden von sämtlichem Personal, Patienten und Besuchern, kam endlich ein sehr junger Arzt. Zwar wurde eine Art Vorhang halbwegs zugezogen, doch die neugierigen Blicke störten uns. Der Arzt schaute kurz hin, stellte einige Fragen, nahm ein Medikamentenheft hervor, las da über einzelne Symptome, nach denen er dann immer wieder fragte, liess schliesslich eine Krankenschwester Formulare ausfüllen, zwei für Medikamente, eines über die Anwendung, eine Rechnung über 25P. Damit ins Büro zum Bezahlen. Mit den Rezepten gingen wir in die gleich gegenüber liegende Drogerie, wo sich inzwischen auch der Arzt eingefunden hatte. Fünfzehn Kapseln und eine kleine Tube Crème für 82P. Weiter in ein Warenhaus, wo wir die einzigen Kunden waren, etwa wie in Thailand, kauften Zahnpasta und Haarshampoo – wäre in Australien kaum teurer gewesen!

Nach einer Gemüsesuppe und einem Nescafé hier in der Nähe, gingen wir zurück ins Hotel. Zum Glück müssen wir nicht länger hierbleiben – eine langweilige Stadt!

Ticket for ferrys in the Philippines
Ticketverkauf für Schiffe. Jede Linie hat ihr „Büro“.
Bus- und ship tickets in the Philippines in 1984
Bus- und Schiffstickets von den Philippinen 1983 und 1984

14.
Der Flug nach Manila dauerte 35 Minuten in einem etwa 100plätzigen Jet. Wir hatten fantastische Aussicht auf den Taal-See.

Vieus on lake Taal from the airplane
Philippinen Lake Taal – Vulkaninsel im einem Vulkansee 7 Jahre später reiste ich auf diese Insel

Im Flugzeug las ich in der Zeitung unter Zürich, dass Mitteleuropa von einem Schneesturm heimgesucht wurde, welcher nahezu fünfzig Tote forderte. Hoffentlich wurde Büsserach verschont.

Am Flughafen liessen wir noch den Melbourne-Flug bestätigen, quartierten uns wieder im der Traveller Pension ein, und nichts wie ab auf die Post. War wie Weihnachten – fünf Briefe!! Darunter zwei lange von Mutti. Ich bin glücklich – alles in Ordnung. Werner veranstaltet bereits Dia-Shows mit unseren Bildern. Von den Teppichen allerdings noch keine Spur. Na ja, diese Briefe wurden ja auch schon vor einem Monat geschrieben! Jemand heiratet, die Kollegin hat gekündigt, und Mutti bekam zu Weihnachten eine Kaffeemaschine!

Wir müssen noch vier Papierfotos schiessen, damit wir den Film entwickeln lassen können. Die Qualität der Entwicklung und Vergrösserung ist furchtbar. Bei einem Drink beschriftete ich die Fotos.

Um 19.30 Uhr sitzen wir in einem Fast-Food-Center an der Mabini-Street. Bauarbeiter und Musikboxes verursachen so viel Lärm, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Dabei sind wir sonst schon ganz fertig von dieser Stink- und Lärmstadt. Wir sind heute gleich zweimal in die Einkaufsstrassen von Quiapo gefahren. Doch die restlichen 1000P sind wir noch immer nicht ganz los geworden. Dafür kennen wir jetzt einige Beizen mehr, denn es ist so schwül und durstig hier. Die letzte Post in die Schweiz ist auch unterwegs, es hält uns hier also nichts mehr. Zum Glück kommen wir morgen weg von hier.

Nachts wollten wir uns eigentlich ins Nachtleben stürzen, doch schliesslich landeten wir im Shakes’s Pizza und hörten uns die Musik an. Wir fanden noch 200P und investierten sie in eine Levi’s -Jeans und Windjacke mit abnehmbaren Ärmeln und Kapuze. Wo das noch alles Platz haben wird!!

 

Auf den Philippinen brauchten wir zu zweit pro Tag im Schnitt sFr. 36.-, haben bis jetzt alles ohne Diebstahl hinter uns gebracht. Soweit sind wir von Krankheiten verschont geblieben – Gott sei Dank! In fünf Monaten werden wir schon wieder zu Hause sein, doch ich freue mich auch darauf!

Travel route Philippines 1984
Reiseroute Philippinen 1984

 

 

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